Bernhard PAnzer Täglich weiter steigende Infektionszahlen quer durchs ganze Land und die teils strengen gesetzlichen Vorgaben machen es für die Stadt unmöglich, bestimmte Veranstaltungen durchzuführen. Deshalb hat man sich im Rathaus entschlossen, den Lebendigen Adventskalender und den Weihnachtsmarkt abzusagen.

Judith Jochmann, die Leiterin für Stadtmarketing und Kultur, hat am Donnerstagabend den Haupt- und Finanzausschuss darüber informiert, gemeinsam mit Bürgermeister German Hacker. Beide Absagen tun weh, doch bleibe keine andere Wahl. Der Charakter der Veranstaltungen könnte nicht mehr gewährleistet werden, sagte Hacker. Es sei ein Zielkonflikt: "Das was man will, kann man nicht erreichen: Gemütlichkeit an den Buden, dazu spielt die Musik - das geht nicht."

Eingestellt wurden auch bereits die Planungen für das Faschingstreiben auf dem Marktplatz im Februar (Jochmann: "Das was an Fasching passiert, ist das, was wir vermeiden müssen"). Die Martinikirchweih hingegen kann, unter strengen Regeln, stattfinden (siehe unten).

Relativ schnell einig war man sich beim Lebendigen Adventskalender, auch nach Gesprächen mit dem Gesundheitsamt. Man hätte theoretisch eine limitierte Anzahl von Eintrittskarten verteilen können, sagte Judith Jochmann, aber wer könne sich schon einen Lebendigen Adventskalender ohne die drängelnden Kinder vor der Bühne vorstellen?

Charakter würde fehlen

Die Marketingchefin fasste die Überlegungen zusammen: "All das, was das Format und das Erlebnis Lebendiger Adventskalender ausmacht - hierzu gehört vor allem auch das tägliche Zusammenkommen mit Familie und Freunden in der Vorweihnachtszeit in der Innenstadt bei Bratwurst, Heißgetränk und Bühnenprogramm - ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen leider nicht praktikabel und sicher zu verwirklichen."

Auch für den Weihnachtsmarkt wären die Auflagen zu einschneidend, als dass man den Charakter hätte aufrechterhalten können, wurde weiter erläutert. "Wir sollten das nicht krampfhaft aufrechterhalten", sagte Jochmann. "Das Flair wäre nicht mehr da. Es macht keinen Sinn." Bürgermeister Hacker verwies darauf, dass es in der Region schon Absagen gebe. Auch andere Kommunen hätten die gleichen Sorgen und Probleme.

Ein paar wenige Beispiele der Vorgaben: Strikte Trennung von Verzehr und Verkauf. Maskenpflicht, begrenzter Zutritt mit Erfassung von Kontaktdaten, möglicherweise kein Alkoholausschank und die Gefahr weiterer Einschränkungen, wenn die Infektionszahlen weiter steigen. Zudem seien 80 Prozent der Anbieter ehrenamtlich tätig, aus den Vereinen. Auch sie hätten sicherlich Probleme. Von Personen, die Risikogruppen angehören, ganz zu schweigen.

In der Diskussion warf Bernhard Schwab (CSU) ein, dass am Nürnberger Hauptmarkt eine Bude neben der anderen stehen werde. Könnte man nicht wenigstens ein paar Buden aufstellen, "irgendwie ein bisschen Weihnachtsatmosphäre schaffen?"

Alternativen

Jochmann verwies auf die Gastronomie. Die Gaststätten könnten ja was anbieten, ihren Regularien entsprechend. Die Stadt werde darüber hinaus auch nicht untätig sein, es soll in der Vorweihnachtszeit in der Innenstadt "corona-konforme" und risikofreie Alternativ-Maßnahmen geben. Sie sprach als Beispiel eine "optische" dezentrale Adventskalenderaktion zusammen mit Gewerbetreibenden an. Außerdem wolle man in Atmosphärisches und in vorweihnachtliches Ambiente investieren, mit Licht zum Beispiel.

Auf der Basis gültiger und planbarer Rahmenbedingungen hat die Stadt jedoch ihre Planungen für Kulturveranstaltungen im Winterhalbjahr ausgeweitet. Anfang November will man die Kulturtipps für den Herzo-Winter veröffentlichen. Judith Jochmann nannte vorab schon ein paar Schwerpunkte, unter anderem in der evangelischen Kirche, die bis zu einhundert Besucher zulässt (siehe Infobox).