Nikolaus Lutz, der am gestrigen Montag bei bester Gesundheit und geistiger Frische seinen 90. Geburtstag feierte, kann sehr viel aus seinem arbeitsreichen Leben erzählen. Jetzt erst, mit Beginn seines neuen Lebensjahres, hat sich der Neunzigjährige vorgenommen, arbeitsmäßig etwas kürzer zu treten.
Lutz, der 1959 durch die Heirat nach Sand kam und sich hier zusammen mit seiner Gattin Mizzi, die vor drei Jahren verstorben ist, ein schickes Eigenheim baute, erzählt zwar auch vom Krieg, doch weitaus lieber ist es ihm, aus seinem langen Arbeitsleben zu berichten.
In jüngeren Jahren war er als Waldarbeiter beschäftigt, wobei er mit dem Pferd die geschlagenen Bäume aus dem Wald ziehen musste. Später war er dann in der Holzindustrie tätig. Hier musste er zum Beispiel große Schiffe mit Grubenholz beladen oder aus Baumstämmen mit dem speziellen "Breitbeil" Schwellen für den Eisenbahnbau zuschlagen.


"Mädchen für alles"

Über 30 Jahre war Nikolaus Lutz schließlich als Gleitschliffpolier bei der Firma Kugelfischer in Eltmann beschäftigt. Nebenher war er bis zu seinem 75. Lebensjahr "Mädchen für alles" bei der Schreinerei Krines in Sand, für die er bis jetzt zu seinem 90. Geburtstag auch noch in Heimarbeit tätig war.
Der rüstige 90-Jährige hatte und hat neben all seiner Arbeit, die ihm nach seinen Aussagen "immer Spass gemacht hat", auch noch andere Hobbys. An erster Stelle ist hier die die Bewirtschaftung seines Hausgartens zu nennen. Darüber hinaus kennt er sich wie kein Zweiter in der Sander Flur aus. Bei seinen vielen (Wald-)Spaziergängen suchte und fand er oft vergessene Grenzmarkierungen, über die er akribisch Buch führte. Sein Wissen stellte er den Heimatforschern zur Verfügung.


Interessiert an Heimatgeschichte

Nikolaus Lutz weiß auch, wie von den früheren Steinbrucharbeitern aus den Schleichach-Orten der Fußweg über den Ebersberg geschaffen wurde und dass die gleichen Steinbrucharbeiter jährlich eine Mark "Wegezoll" an einen Grundstücksbesitzer zahlen mussten, weil sie auf ihrem Weg von und zur Arbeit dessen Wiese überquerten.
Zudem ist der Jubilar auch sehr belesen. Vor allem interessieren ihn Geschichtsbücher und Chroniken. Auch die täglichen Informationen aus den Tageszeitungen dürfen nicht fehlen.
Der nun 90-Jährige, der immer noch gut zu Fuß ist, war stets bei den Wanderungen der Sander Wanderfreunde dabei. Regelmäßig besucht er die Veranstaltungen des Seniorenclubs und auch sonst ist er aufgrund der Ruhe, die er ausstrahlt, und seiner Freundlichkeit ein angenehmer und aufgeschlossener Gesprächspartner.
Der in allen Lebenslagen noch selbstständige Jubilar wohnt zusammen im Eigenheim mit seiner Tochter Ute, die in Sand auch als Gemeinderätin wirkt. Sie und ihr Bruder Frank gratulierten dem Vater, ebenso stellvertretender Landrat Michael Ziegler und der Sander Bürgermeister Bernhard Ruß.