Anni Kolb, geborene Meisel, feierte im Kreis ihrer Familie "putzmunter" ihren 90. Geburtstag. Dabei meinte es das Leben nicht immer gut mit der gebürtige Leuchauerin. Bereits vier Jahre nach der Hochzeit kam ihr Ehemann bei einem Betriebsunfall ums Leben.

Das Ehepaar Kolb war noch kinderlos, und für Anni Kolb folgte eine schwere Zeit, denn die kleine elterliche Landwirtschaft musste sie seit fortan allein bewirtschaften. Dafür wurde ein Eicher angeschafft, der Traktor ist heute noch in ihrem Besitz. "Das war mein Heiligtum. Ich habe den großen Bauern noch was vorgemacht. Dass ich dann irgendwann aufhören musste, ist mir schwer gefallen."

In ihrem Haushalt erledigt die Jubilarin nach wie vor noch viele Arbeiten selbst, doch sie wird von ihren Nichten Adelheid und Anne liebevoll umsorgt.

Als junges Mädchen musste Anni Kolb mit ansehen, wie der Vater und der erst 16-jährige Bruder in den Krieg ziehen mussten. Zum Glück überlebten beide die schreckliche Zeit und kehrten in das heimische Leuchau zurück. An die Kriegswirren hat sie noch eine besondere Erinnerung. Als ein Soldat zwischen Leuchau und Forstlahm ums Leben kam, wurde er an Ort und Stelle begraben - und sie pflegte ein Jahr lang das Grab und holte das Wasser zum Gießen vom Erlenbach.

"Ich habe genug mitgemacht, aber früher war es schöner als heute. Die Leute haben früher mehr zusammengeholfen, jetzt hilft ja fast keiner mehr", sagte sie an ihrem Ehrentag.

Für die Stadt und den Landkreis Kulmbach gratulierte Stadträtin und stellvertretende Landrätin Christina Flauder. Glückwünsche überbrachten auch der Gartenbauverein und der Gesangverein Leuchau, in dem Anni Bär bis vor einigen Jahren mitsang: "Die Singstunde war immer etwas Besonderes. Ich habe oft noch schnell das Vieh im Stall gefüttert und dann bin ich hin." Werner Reißaus