Die beiden, die in den nächsten Bundestag einziehen wollen, werden den Abend über wenig sagen. Die noch nicht ganz fertig sanierte Itzgrundhalle gehört an diesem Donnerstag Wolfgang Bosbach, ehemaliger Abgeordneter der CDU, bekannt vor allem aus Talkshows. Bei den rund 100 Gästen, die wegen der Pandemiebestimmungen in der Halle zugelassen sind, wird es keine Frage sein, wem sie bei der Wahl am 26. September ihre Stimme geben. Sie sind weniger gekommen, um sich überzeugen zu lassen, als um Bosbach live zu sehen. Der 69-Jährige badet geradezu in der ungeteilten Aufmerksamkeit, genießt es, wie er am Ende selbst zu erkennen gibt, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer an seinen Lippen hängen.

Rhetorisch versiert

Und Bosbach, sonnengebräunt, im rosa-grau-karierten Jackett, liefert. Die Rhetorik wie aus dem Lehrbuch: Schmeichle dem Publikum ("Sie sind politisch interessiert"), gib dich gemäßigt selbstkritisch ("sind unsere Veranstaltungsformate noch attraktiv?"), bleib anschaulich und konkret, komme immer wieder zurück aufs große Ganze und - vor allem - langweile nicht! Das alles gespickt mit vielen Zahlen: 25 bis 30 Prozent geben an, sie seien politisch interessiert, aber nur 1,8 Prozent der Deutschen sind in einer Partei, das Durchschnittsalter in der CDU beträgt 61 Jahre - und da sind noch nicht einmal die ersten fünf Minuten vorbei.

Am Ende werden es über 60 sein, darin kamen vor: Soziale Marktwirtschaft, Wiederbewaffnung und Integration Deutschlands in die Nato, der Nato-Doppelbeschluss, die Wiedervereinigung - alles grundlegende Entscheidungen, für die die CDU/CSU oder zumindest ihre Politiker Verantwortung tragen und die sich als richtig erwiesen hätten, wie Bosbach sagt. Dazwischen passen viele Geschichten, Anekdoten, weitere Zahlen und ein paar grundsätzliche Anmerkungen. Zum Beispiel die, dass Nationalismus falsch sei (weil sich der Nationalist über andere Völker erhebt, der Patriot nicht), dass, wer hier lebt, auch die hiesigen Werte und Gesetze leben müsse und dass über dem geeinten Europa nicht "Binnenmarkt" als Überschrift stehe, sondern "nie wieder Krieg".

"Hundertprozentige Unterstützung"

Vieles von dem, was Bosbach sagt, wird mit zustimmendem Gemurmel zur Kenntnis genommen: Dass ein flexibles Rentenalter nötig sei, dass die Politik der Polizei den Rücken stärken müsse, dass Investitionen in Bildung auch in Zukunft Wachstum und soziale Stabilität gewährleisten.

Auch politische Stabilität sei wichtig, betont Bosbach. Er habe sich zwar für Markus Söder als Kanzlerkandidaten der Union ausgesprochen, doch dieses Thema sei erledigt: "Armin Laschet hat meine hundertprozentige Unterstützung im Wahlkampf verdient."

Bosbach verzichtet darauf, sich mit Personen und Programmen der politischen Mitbewerber tiefgehend auseinanderzusetzen. Stattdessen warnt er vor "den Extremisten" von links und rechts und prophezeit: "Wenn Rot-Rot-Grün am 26. September die Mehrheit erhält - sie werden es machen!"

Drei Fragen sind am Ende der Veranstaltung zugelassen, es werden vier draus. Bosbach gibt freilich weniger Antworten als die Bestätigung, dass auch er das Problem kennt. Medien machen Meinung? - Politiker tun gut daran, keine Medienschelte zu betreiben, denn das könne als Einflussnahme ausgelegt werden. Landwirte stehen in der Kritik, Kreuzfahrtpassagiere und Vielflieger nicht? - Die 40 000 Frachtschiffe seien das größere Problem als 400 Kreuzfahrtschiffe, und Deutschland solle lieber moderne Antriebe entwickeln, da sich die internationalen Warenströme ohnehin mehr eindämmen lassen. Warum wird die ebenfalls umweltschädliche Batterieherstellung gefördert, aber E-Fuels nicht? - Die negative Seite der erneuerbaren Energien werde tabuisiert. "Ich habe noch nicht herausfinden können, wie viel Wald für Windräder gerodet wurde." Was bedeutet das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Arbeitszeit für Menschen, die privat eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung mit Pflegerinnen aus dem Ausland organisiert haben? "Wir können auf diese Art der Pflege nicht verzichten", sagt Bosbach, dessen 93-jährige Mutter ebenfalls so betreut ist. Hier greift Emmi Zeulner ein: "Wir brauchen die Quartierspflege, wir brauchen die Gemeindeschwester."

Ins Detail geht sie der fortgeschrittenen Zeit wegen nicht. Das Schlusswort spricht Bosbach. Über 500 Kilometer sei er angereist, wusste bei Jonas Geisslers Anruf unterwegs nicht, ob er gerade nach Schweinfurt fuhr oder nach Kaltenbrunn. Warum er sich das antue? "Sie haben so aufmerksam zugehört. Es hat sich doch gelohnt."