D er Amateur-Fußball galt lange Zeit als eine Goldgrube. Viele Spieler und Trainer bekommen gutes Geld für ihr Hobby. Doch immer mehr Vereine lassen den Geldbeutel stecken und setzen stattdessen auf die Nachwuchsarbeit und Vereinstreue. Das Tageblatt hat sich umgehört und eine Bestandsaufnahme gemacht. Dabei gewähren die Landes-und Bezirksligisten aus der Region interessante Einblicke in ihre Praktiken.

Während beim SC Sylvia Ebersdorf, FC Coburg oder auch dem TSV Mönchröden Entschädigungen an Spieler und Trainer für deren Aufwand gezahlt werden, versichern Funktionäre vom FC Lichtenfels, TSV Meeder oder FC Mitwitz, dass Geld nahezu keine Rolle spielt. Ganz im Gegenteil: In Meeder sei die Siegprämie so klein, dass es gerade einmal für vier Hefeweizen im Sportheim reicht. Im Steinachtal hätten die Kicker angeblich sogar ihren letzten Trikotsatz selbst finanziert. Was dagegen vielerorts üblich ist, so auch beim FC Lichtenfels, sei das sogenannte Fahr- oder Benzingeld.

SC Sylvia Ebersdorf

Markus Trampusch (Vorsitzender für das Ressort Marketing und Öffentlichkeitsarbeit beim SC Sylvia Ebersdorf): "Dass wir als Verein von unserem Hauptsponsor Finori um Stefan Finzel profitieren, ist zweifelsohne eine große finanzielle Entlastung. Dafür sind wir auch sehr dankbar. Wir betreiben aber auch einen enormen Aufwand, um der Großgemeinde Ebersdorf und den umliegenden Gemeinden höherklassigen und attraktiven Landesliga-Fußball zu bieten. Dafür ist es schlichtweg gerechtfertigt, eine Aufwandsentschädigung an Spieler und Trainer zu entrichten. Natürlich haben wir aber auch Bewusstsein darüber, dass die ,fetten Jahre' im Amateurfußball auch bei uns schnell vorbei sein können. Daher achten wir auch weiter auf unseren Unterbau im Herrenbereich sowie vor allem auf eine gute und erfolgreiche Jugendarbeit. Damit die Tradition um unseren Verein noch lange erhalten bleibt."

FC Coburg

Christian Tremel (Sportlicher Leiter beim Landesligisten FC Coburg): "Früher hat man in der Bayernliga oder auch in der Landesliga ein schönes Geld verdient. Man darf aber auch nicht vergessen, dass diese beiden Ligen damals die dritt- und vierthöchsten Ligen waren. Wenn du heute in der 3. oder 4. Liga spielst, dann wird auch noch ordentlich bezahlt. Damals hatten die Vereine einen Zuschauerschnitt teilweise im hohen dreistelligen, wenn nicht sogar im vierstelligen Bereich - da wurde noch richtig Geld verdient mit. Heute decken die Zuschauerzahlen oftmals nicht mal die Kosten eines einzigen Spieltages.

Ich finde, dass aktuell im Amateurbereich entsprechend der jeweiligen Liga und des betriebenen Aufwandes auch entsprechend vergütet wird. Da wird dreimal die Woche trainiert, zu den Auswärtsspielen sind teilweise mehr als 150 Kilometer einfach zurückzulegen und es wird bei einem Spiel am Wochenende der jeweilige Tag nahezu komplett für den Verein ,geopfert'. Die Gehälter sind, wenn man alles im Verhältnis sieht, fast gleich geblieben. Was mir auffällt ist, dass in den unteren Klassen meiner Meinung nach viel zu viel an vereinzelte Spieler bezahlt wird. Wichtig ist, dass die Vereine vermehrt Geld in die Hand nehmen, um dies in die Jugendarbeit zu investieren."

TSV Mönchröden

Reiner Geier (Abteilungsleiter beim Bezirksliga-Spitzenreiter TSV Mönchröden): "Genau genommen haben doch alle Vereine die gleichen Probleme. Jeder ist seines Glückes Schmied. Wobei das Glück hier die Arbeit ist. An erster Stelle stehen die Ehrenamtlichen. Davon könnte vermutlich jeder Verein mehr gebrauchen. Der Nachwuchs geht uns leider aus, obwohl wir in den letzten Jahren dank unserer Spielgemeinschaft mit der SG Rödental zahlreiche Spieler in den Herrenbereich geführt haben. Zum Thema ,Goldgrube oder finanzielle Unterstützung': Da ist es sicherlich so, dass Amateurvereine im Landkreis Coburg mit dem Aufstieg des Handballvereins HSC Coburg zum Profiverein etliche wichtige Unterstützer oder Sponsoren verloren haben. Wir sind froh, dass uns unser Hauptsponsor und viele weitere Unterstützer auch während der Corona-Zeit durchgehend unterstützt haben. Ohne sie wäre ein Spielbetrieb in dieser Form nicht möglich."

TSV Meeder

Christian Dreßel (Vorstandsmitglied beim TSV Meeder, Bezirksligaspieler sowie Pressebeauftragter): "Auch wenn es viele immer nicht glauben, aber beim TSV Meeder finden keine finanziellen Zahlungen an die Spieler statt. Was es zugegebenermaßen gibt, ist eine kleine Siegprämie, von der vier Hefeweizen im Sportheim drin sind. Dann muss man schon gewinnen. Die Gelder dafür stammen aber nicht von einem Sponsor, sondern aus Werbeerlösen, die vordergründig von Spielern der ersten Mannschaft selbst generiert werden. In der vergangenen Spielzeit hat das Team geschlossen auf seine Siegprämie verzichtet, um dem Verein in der Corona-Zeit beizustehen. Bezirksliga-Fußball in Meeder war und ist nur möglich, weil seit Jahren eine hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet wird, hochklassige Spieler aufgrund freundschaftlicher Bande an die Nerde gelotst werden und sich die Leistungsträger nicht von wedelnden Geldscheinen anderer Vereine locken lassen."

SV Ketschendorf

Michael Schulz (Vorsitzender des Bezirksligisten SV Ketschendorf): "Wir zahlen keine Aufwandsentschädigungen an aktive Spieler. Wir müssen sorgsam und wirtschaftlich haushalten. Die Weiterentwicklung unserer Infrastruktur hat höchste Priorität. Risiken aus finanziellen Verpflichtungen, egal ob kurz- oder langfristig, werden vom persönlich haftenden Vorstand nicht eingegangen. Wir erachten die Bezahlung von Aufwandsentschädigungen von Amateur-Spielern unterhalb der Landesligen als nicht angemessen und nicht nachvollziehbar - mit Ausnahme für Vereine, die den Weg in die Landesliga planen. Der Zeitaufwand in der Landesliga, wie zum Beispiel durch den Trainingsbetrieb, ist entsprechend höher und auch mit sehr viel Reisetätigkeiten verbunden. Eine Entschädigung für diesen Zeitaufwand ist fair. Vereine, die den Weg in die Landesliga gehen wollen, werden diesen sorgfältig planen und vorbereiten - sportlich sowie auch finanziell. Das sportliche Niveau ist aufgrund der Leistungsdichte sehr hoch. Daher unterliegen die Auswahl und Rekrutierung von Spielern üblichen Marktmechanismen."

FC Lichtenfels

Christopher Fischer (Spielleiter beim Landesligisten FC Lichtenfels): "Beim FC Lichtenfels werden seit Jahren keine Gehälter oder Zahlungen an Spieler mehr durchgeführt. Wir probieren eher mit anderen Argumenten zu punkten. Bei uns können sich Spieler in einem ruhigen Vereinsumfeld entwickeln. Wir werden zeitnah Investitionen in der Infrastruktur vornehmen. Das Karl-Fleschutz Stadion hat seinen Charme. Wir spielen mittlerweile seit fünf Jahren in der Landesliga und haben mit unserer Reserve in der Kreisliga einen attraktiven Unterbau. Wir haben über die letzten Jahre eine sehr niedrige Fluktuation in den Teams. Im Vorstand, Trainerteam und Betreuerstab gab es in den letzten Jahren fast keine Veränderungen. Wir haben eine super Kameradschaft und charakterlich starke Persönlichkeiten, die sich für nichts zu schade sind. Natürlich übernehmen wir die Benzinkosten der Spieler."

FC Mitwitz

Harald Weißbrodt (Abteilungsleiter des Bezirksligisten FC Mitwitz): "Wir nehmen kein Geld in die Hand, das haben wir noch nie gemacht. Die auswärtigen Spieler bekommen nur Benzingeld. Das ist auf 100 Euro gedeckelt und liegt im Schnitt bei etwa 50 Euro. Es gibt auch keinerlei Auflauf- oder Siegprämien und wir zahlen bei einem Wechsel kein Handgeld. Wenn ein Spieler ablösepflichtig ist, zahlen wir die festgeschriebene Ablösesumme des BFV und verlangen diese auch. Spieler, die ablösefrei zu uns gekommen sind, können den Verein auch jederzeit wieder ablösefrei verlassen."

Die Mitwitzer fokussieren sich bei ihren Transfers vor allem auf junge Spieler aus niederklassigen Vereinen und wollen diese lieber mit einer sportlichen Perspektive überzeugen, als mit Geld. Manch einer habe sich nach den Verhandlungen auch schon gegen die Bezirksliga entschieden. Für die Steinachtaler ist das aber kein Grund, ihre Devise zu ändern. "Da machen wir keine Kompromisse. Im Moment haben wir keinerlei Sponsoren. Früher hat die Franken Bräu uns pro Saison zwei Trikotsätze zur Verfügung gestellt, aber das ist nach der Insolvenz ja jetzt vorbei. Das letzte Trikot haben die Spieler aus ihrer Mannschaftskasse bezahlt. Wir haben einen Förderverein mit 60 Mitgliedern, der rein für die Jugend da ist. Wir haben es mit diesem System geschafft, 15 Jahre auf Bezirksebene zu spielen. Wenn es nicht mehr reicht, geht die Welt auch nicht unter."

SV Friesen

Sepp Geiger (3. Vorsitzender des SV Friesen): "Beim SV Friesen hat sich die finanzielle Situation in den letzten Jahren kaum verändert. Wir gehörten nie zu denjenigen, die hohe Summen investierten. Man darf ja auch nicht vergessen, dass ein Landesligakader Jahr für Jahr 18 bis 20 Spieler umfasst. Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, dass es nie zu irgendwelchen Zahlungsrückständen gekommen ist und wir uns einen Landesligakader in den vergangenen Jahren deswegen leisten konnten, weil wir vorausschauend geplant haben. Es gab zu keiner Zeit besonders hohe Ausgaben und auch zu keiner Zeit besondere Einschnitte. Es handelt sich um eine kontinuierliche Entwicklung. Nicht vergessen darf man natürlich, dass die Zahl der Amateurverträge schon sprunghaft angestiegen ist. Dies liegt auch darin begründet, dass bei Abschluss eines Amateurvertrages für den jeweiligen Spieler an den abgebenden Verein keine Ausbildungsvergütungspauschale gezahlt werden muss, die sich für die Landesliga immerhin auf 1500 Euro zzgl. Mehrwertsteuer beläuft. Ein Amateurvertrag kostet einen Verein für einen Spieler im Jahr rund 4000 EUR. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn man jeden Spieler mit einem Amateurvertrag ausstatten könnte. Dies würde aber jeglichen finanziellen Rahmen sprengen. Wir bleiben auf dem Boden der Tatsachen und sind in den vergangenen Jahren damit gut gefahren. Diese Linie werden wir auch nicht verlassen."