Der Anblick selbst war schon gewöhnungsbedürftig. Da sitzen die Gemeinderäte von Schneckenlohe in weitem Abstand voneinander und treffen ein paar unaufschiebbare Entscheidungen. Auch mit dem Coronavirus dreht die Welt sich weiter und Bürgermeister Knut Morgenroth (SPD) fürchtete eine Verzögerung bei manchen Vergaben, wenn er die Sitzung nicht durchführt.

Und weil außergewöhnliche Zeiten auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordern, will er weitere Entscheidungen telefonisch abfragen, "denn ich weiß ja gar nicht, ob das nicht die letzte Sitzung in dieser Form in diesem Jahr sein wird."

Gekommen war auch Andreas Ziener vom Ingenieurbüro Koenig + Kühnel. Er erläuterte den zweiten Bauabschnitt des Bebauungsplanes "Am Roten Hügel". Und schon heute denkt man in Schneckenlohe an eine eventuelle Erweiterung dieses Baugebietes mitsamt seiner Erschließung. So werde schon jetzt die Straße bis zum vorläufig letzten Bauplatz ausgebaut. "Zukunftsträchtiges Gestalten" nannte er es und meinte gleichzeitig auch, dass man an den Bestandskanal anschließen müsse.

Hier drehte sich die Diskussion um die "Kanaltiefenlage", also wie tief er überhaupt in die Straße rein soll. Alles eine Frage des Geldes, wie sich anschließend zeigte. Bis zu vier Meter könne man gehen, ob das Sinn mache, wurde durchdiskutiert. Klar war, je tiefer, desto teurer, weil man in tieferen Lagen auf massives Felsgestein treffen würde.

Am Ende entschied man sich einstimmig für die mittlere Lösung, nämlich für drei Meter Kanaltiefe zu einem Preis von 373 289 Euro. Außerdem müssten sich die Bauwilligen selbstverständlich den Gegebenheiten anpassen. Auf die Kosten der Grundstücke wirke sich diese Lösung aber nicht aus, konnte auch Geschäftsstellenleiter Stephan Urban bestätigen.

Um eine mögliche Reduzierung der Erschließungskosten drehte sich Punkt drei auf der Tagesordnung. Hier ging es um die Vergabe des Gasanschlusses zum Umbau und zur Modernisierung der ehemaligen Gemeindekanzlei zum Bürgerhaus für mehrere Generationen. Hier habe man noch einmal alle Anlieger der Blumenstraße angeschrieben und zwei hätten sich daraufhin bei ihm gemeldet. Einer will auf jeden Fall das Angebot annehmen, sich hier einzuklinken, vom anderen Anlieger habe man noch keine Rückmeldung erhalten. Wichtig war das deshalb, weil sich die Erschließungskosten dementsprechend senken würden.

Mehr LED-Lampen

Für rund 24 500 Euro werden künftig Teile der Ortschaft noch heller erstrahlen. Vergeben wurde die Straßenbeleuchtungserweiterung mittels LED-Lampen. Jetzt müssten halt auch einige Eigentümer damit einverstanden sein, dass die Leuchte auf ihrem Grundstück verankert werden dürfe. Aufstellen werde man sie unter anderem am Hennesberg und in der Brunnengasse, in der Ortsmitte und am Schulweg.

"Der Bürgermeister wird ermächtigt, die Arbeiten zur Installation eines Aufzugs im neuen Bürgerhaus nach der Submission am 26. März und der Überprüfung der eingegangenen Angebote an den günstigsten Bieter zu vergeben." Zu diesem Beschluss gab es wenig zu debattieren, denn hier sei schnelles Handeln angesagt, damit man keine Zeit verliere.

In diesem Zusammenhang kamen aber ganz andere Bedenken aus den Reihen des Gemeinderates - nämlich ob eventuell beantragte Fördergelder in Gefahr seien. "Vielleicht werden die ja jetzt an anderer Stelle dringender gebraucht und wir haben dann ein Problem." Hier beruhigten sowohl Bürgermeister als auch Geschäftstellenleiter: "Es besteht Rechtssicherheit. Wir sind safe", so Morgenroth.

Beeilen müsse man sich auch hinsichtlich der Verlegung eines Leerrohres für Glasfaserleitungen in der Trasse der neuen Gasleitung in Beikheim. Geklärt werden müsse, ob sich Gas und Strom dabei quasi nicht in die Quere kämen und wie breit der Abstand für beide Energieträger sein müsse. Wichtig sei es, dass man wisse, wo mit den Maßnahmen begonnen werde, um sich schnell noch einzuklinken.

Hier will Morgenroth sich so schnell wie möglich kundig machen und die Abstimmung des Gemeinderates dann telefonisch einholen.