Er war in den 1950- und 60er Jahren einer der besten Fußballer Oberfrankens. Ein schneller und schussgewaltiger Stürmer, der in der Bayernliga oft eine Sonderbewachung erhielt. Was Gerd Müller für den FC Bayern München war, das war Emil "Werner" Friedrich für den FC Bayreuth. Nun feierte der Neuenmarkter seinen 80. Geburtstag und blickte zurück auf seine Karriere.
Mit 14 Jahren begann der im Wirsberger Bergdorf Cottenau geborene Friedrich seine Fußballkarriere beim FC Neuenmarkt. In einem seiner ersten Spiele lobte ihn ein Schiedsrichter: "Klaaner, aus dir wird mal was." Er sollte recht behalten. Friedrich lernte schnell von seinem Trainer Gustav Zischka und feierte schon als 17-Jähriger sein Debüt in der Herren-Mannschaft. Friedrich sagt: "Gustav Zischka war ein ruhiger Trainer, der viel vom Fußball verstanden und uns auch viel beigebracht hat." Ein erster Höhepunkt für Friedrich waren die Aufstiegsspiele zur Bezirksliga mit Partien gegen den VfB Arzberg und den FC Bayern Hof vor mehr als 2000 Zuschauern. "Unglaublich", erinnert sich Friedrich. "Die Autos standen damals bis zur Bäckerei Oertel." Ein Sportheim hatte der FC Neuenmarkt damals noch nicht, nur einen ausrangierten Gepäckwagen der Eisenbahn. Die Gästespieler mussten sich im Gasthaus "Zur Stadt Bayreuth" umziehen, die FC-Spieler hatten sich meist schon zu Hause ihr Trikot angezogen. "Und nach dem Spiel ging es total verschwitzt auf dem Rad nach Hause. Das kann man sich heute natürlich nicht mehr vorstellen", sagt Friedrich. Und das war in dieser Zeit keine Ausnahme. Vielen Vereinen in der Region ging es ähnlich. So mussten sich Friedrich und seine Mitspieler nach einer Partie in Donndorf in einem kleinen Bach waschen. "Es war trotzdem eine schöne Zeit", sagt Friedrich, dem besonders die vielen Fans auf den Fußballplätzen in Erinnerung geblieben sind.


Zugbegleiter bei der Bahn

Doch er sollte vor noch größeren Kulissen spielen. Durch seine Schusskraft, Schnelligkeit und sein Durchsetzungsvermögen wurden bald höherklassige Vereine auf ihn aufmerksam. Mit 24 Jahren wechselte Friedrich dann zum FC Bayreuth. Eine logische Wahl für Friedrich, denn er war im Zugbegleitdienst der Bundesbahn beschäftigt, sein Einsatzort war der Bahnhof in Bayreuth.


Aufstieg in die Bayernliga

Beim FCB spielte mit Heinz Schneider bereits ein ehemaliger Neuenmarkter Fußballer. Auch der Himmelkroner Theo Seiferth war dort aktiv. Spielertrainer war der ehemalige Amateurnationalspieler und kürzlich verstorbene Hans "Jumbo" Zeitler. Friedrich setzte sich in dem starken Team schnell durch und glänzte als Torjäger - und spielte im Derby gegen den VfB Bayreuth vor 6000 Zuschauern im FC-Stadion. 1965 stieg der FC durch einen Sieg beim SV Neuses mit den Brüdern Lorenz und Hans Richter in die Bayernliga, die damals dritthöchste Liga Deutschlands, auf. Die Presse schrieb: "Im Sturm ging die meiste Gefahr vom spurtschnellen Friedrich aus." Und ihm gelang vor 3000 Zuschauern auch in der 34. Minute das "Goldene Tor".
Friedrich und seine Mitspieler waren in Bayreuth bekannte Größen. Leben konnten sie vom Fußball aber nicht. "Man bekam halt seine Fußballschuhe und nach dem Spiel einen Fünfziger", sagt Friedrich. "Und wenn ich in Bayreuth unterwegs war, dann kam es schon vor, dass einem vom Bäcker oder Metzger was zugesteckt wurde."
Außerdem erinnert er sich an den Urlaub in Kaprun (Österreich), zu dem die Spieler nach dem Bayernliga-Aufstieg eingeladen waren. "Wir hatten ein schönes Erlebnis mit dem Eislaufpaar Hans-Jürgen Bäumler und Marika Kilius, die dort einen Film drehten. Wir sollten einen Eisenbahnwagen schieben, aber dazu kam es dann doch nicht." Die neun Jahre beim FC Bayreuth wird Friedrich nie vergessen: "Eine wunderschöne Zeit."
Eine Zeit, in der er die Zuschauer unter anderem in der Bayernligapartie gegen den FC Haßfurt zum Schmunzeln brachte: "Der Ball zwickte sich nach einem Torschuss von mir so im Tordreieck ein, dass er ohne fremde Hilfe nicht mehr rauskam." Die Verbindung zum FC Bayreuth hat Friedrich stets aufrecht erhalten. Einmal im Jahr trifft er sich mit seinen ehemaligen Teamkollegen im FC-Sportheim.
Nach seiner Zeit beim FC Bayreuth wechselte Friedrich für kurze Zeit zum TSV Trebgast, doch bereits mit 34 Jahren beendete er seine Fußball-Karriere. Sportlich war er aber weiter aktiv: Es folgte eine erfolgreiche Zeit als Hobbykegler beim "Club 77", den er mit aus der Taufe hob.