Uwe Garz hat seinen Autoschlüssel abgegeben. 21 Tage lang möchte der 59-Jährige auf seinen Wagen verzichten und stattdessen jeden Tag mit dem Fahrrad von seinem Wohnort Cottenau zu seiner Arbeitsstätte nach Kulmbach strampeln. Er nimmt am örtlichen Wettbewerb "Stadtradeln" teil, der Landkreis Kulmbach ist eine von mehr als 2000 Gebietskörperschaften in Deutschland, die die Aktion unterstützt.

Garz ist ein Musterbeispiel dafür, dass es keine aufwendige Technik braucht, um Spaß auf zwei Rädern zu haben. "Ich fahre ein ganz normales 500-Euro-Rad. Mehr brauche ich nicht", erklärt der Pfleger, der im Bürgerspital tätig ist. Zweifel, dass er sein Ziel nicht schaffen könnte, hat der Cottenauer nicht. Denn er macht regelmäßig Fahrrad-Urlaub und findet das Biken nicht nur klimafreundlich, sondern auch für ihn selbst eine Bereicherung.

Jürgen Tesarczyk (68) ist zum Auftakt der Aktion ebenfalls nach Thurnau geradelt. Er hat sich bereits 1980 privat von seinem Auto verabschiedet, seit 1995 nutzt er auch beruflich keines mehr. Pro Jahr legt er 3500 Kilometer mit dem Fahrrad zurück. "Für mich ist das keine Frage des Verzichts, sondern eine Frage des Lebensstils", schwärmt er.

Tesarczyk gilt als einer der führenden Rad-Aktivisten im Landkreis. Er kämpft für die stetige Verbesserung der Radwege und macht sich dabei nicht immer nur Freunde. "Der Kontakt mit der Natur ist beim Fahrrad einfach einzigartig", betont der 68-Jährige und spricht damit allen Gleichgesinnten aus der Seele.

Eine Leidenschaft

Manfred Ott ist aus Marktleugast vorgefahren - über Bayreuth, weil seiner Meinung nach im Nachbarlandkreis die Radwege einfach besser sind. Auch der 66-jährige Herbert Geyer aus Untersteinach ließ es sich nicht nehmen, nach Thurnau zu strampeln. Im vergangenen Jahr hat er im Aktionszeitraum 2165 Kilometer im Sattel zurückgelegt. "Heute habe ich schon 75 Kilometer geschafft. Für mich ist Fahrradfahren einfach eine Leidenschaft", erklärt Geyer.

Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger ging selbst mit gutem Beispiel voran und strampelte mit ihrem E-Bike von Kulmbach nach Thurnau. Flieger erinnerte daran, dass der Landkreis Kulmbach im vergangenen Jahr deutschlandweit Rang 18 in der Kategorie 50 000 bis 99 000 Einwohner erreicht habe, bayernweit sogar Rang fünf. 234 322 Kilometer hätten damals alle Radler erstrampelt - heuer seien daher "240 000 Kilometer plus x" das Ziel.

Landrat Klaus Peter Söllner erinnert sich gerne an früher. Manchmal legte er 250 Kilometer mit seinem Rennrad zurück. "Beim Radfahren macht mir keiner etwas vor", sagt Söllner scherzhaft. Besonders stolz ist er als Kreisvorsitzender, dass das Bayerische Rote Kreuz wieder eine große Radlergruppe stellt und dass die Idee, das Stadtradeln mit einer Sternfahrt zu eröffnen, ebenfalls vom BRK stamme. "In die Aktion wird viel Herzblut gesteckt", so Söllner.

Aktion läuft noch bis zum 24. Juli

Der Landkreis Kulmbach zeichnet die fleißigsten Teams und Teilnehmer am Ende des Aktionszeitraums (4. bis 24. Juli) aus. Im vergangenen Jahr lag übrigens Marktleugast im Landkreis mit 14 000 Kilometern ganz vorn, ausgerechnet die Kommune, in der erst kürzlich eine Demonstration für die Verbesserung des Radwegenetzes stattfand.

Mit dabei sind in einer Sonderkategorie auch die Schulen. Bislang haben sich die Mittelschule Neudrossenfeld, das CVG, das MGF, die Max-Hundt-Schule, die Wirtschaftsschule Neuenmarkt, die Adalbert-Raps-Schule sowie die Hans-Wilsdorf-Berufsschule und die Carl-von-Linde-Realschule gemeldet. Bislang sind 400 Radelnde in 48 Teams mit von der Partie. Klimaschutzmanagerin Ingrid Flieger hofft, dass sich weitere Radbegeisterte finden (siehe Infokasten).