Sebastian Martin Die Bauarbeiten auf dem Parkplatz der Aldi-Filiale am Münchner Ring sind kaum zu übersehen. Bagger haben sich tief in den Boden gegraben und große Erdhaufen aufgetürmt. Ein Teil der Parkplätze ist derzeit durch das Baufeld blockiert. "Hier entsteht eine neue Tankstelle!", steht in schwarzen Lettern auf einem gelben Plakat. Der Discounter setzt damit den Aufbau von Zapfsäulen an seinem Filialnetz auch in Bamberg fort.

Mitte 2018 hatte Aldi Süd zunächst in Stuttgart und Ludwigsburg mit einem Test begonnen. Anfang des Jahres konnten Kunden schon an neun Filialen in Baden-Württemberg und Bayern nicht nur Klopapier und Kaffee kaufen, sondern auch gleich noch das Auto volltanken.

Die Tankautomaten werden von der österreichischen Firma Avanti betrieben, Aldi verpachtet die Parkplatzflächen an das Unternehmen. "Wir möchten unseren Kunden den Einkauf so einfach und angenehm, aber auch so praktisch wie möglich machen. Dazu gehört auch, sie in ihrer Mobilität zu unterstützen - nicht nur mit Automatentankstellen, sondern auch mit einem Netz von Elektrotankstellen", erklärt Aldi-Sprecherin Berit Kunze-Hullmann.

Die Selbstbedienungstankstelle kommt ohne Personal aus und soll voraussichtlich Mitte Oktober fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Allzu viele Parkplätze müssen für die Zapfsäulen wohl nicht wegfallen: Es handelt sich um 16 Plätze, die laut Aldi gewöhnlich nicht stark frequentiert sind. Nach der Fertigstellung der Tankstelle verfüge die Filiale vielmehr weiter über rund 100 Kundenparkplätze. Auch aus Sicht der Stadt besteht nach der Fertigstellung nach wie vor ein Überhang für die vom Discounter vorgehaltenen Stellplätze. Die Zufahrt zur Tankstelle soll ebenso wie die Abfahrt weiterhin über die vorhandene Einfahrt an der Gereuthstraße erfolgen.

An dieser Stelle regt sich jedoch Protest: Norbert Tscherner, Bamberger-Bürgerblock-Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Bürgervereins Gereuth, bekommt derzeit laufend Anrufe: Demnach sind die Anlieger des Stadtteils Gereuth und der Wunderburg angesichts der Pläne empört. "Es wird künftig ein höheres Verkehrsaufkommen zu erwarten sein, da Aldi keinen Markenkraftstoff verkauft und somit günstiger ist", drückt Tscherner die Befürchtung in dem Stadtteil aus. In einem Schreiben an Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hat Tscherner entsprechende Fragen zur Baustelle gestellt. Auch, weil er sich ebenso übergangen fühlt: "Dieses Bauvorhaben wurde anscheinend auf dem Verwaltungsweg genehmigt. Wofür brauchen wir noch einen Bausenat und einen Stadtrat?", fragt er. Unter anderem will Tscherner wissen, ob andere Stadtratsfraktionen informiert wurden.

Tankstelle im Gewerbegebiet zulässig

Bei der Verwaltung heißt es, dass keine Behandlung im Stadtrat erforderlich war: "Gemäß Bebauungsplan sind Tankstellen im dortigen Gewerbegebiet nicht ausgeschlossen und damit regelzulässig", erklärt Steffen Schützwohl, Sprecher der Stadt Bamberg. Planungsrechtlich habe es ebenso keine Rechtsgrundlage für eine Bedarfsprüfung gegeben, dahingehend, dass bereits zwei Tankstellen in der Nähe am Kunigundendamm und am Berliner Ring vorhanden sind.

BBB-Chef Tscherner wittert eine Entscheidung über die Köpfe der Anlieger hinweg. "Wo bleibt die von der Fraktion Grünes Bamberg und hier besonders von der Landtagsabgeordneten Ursula Sowa geforderte Bürgerbeteiligung?" Die angesprochene Politikerin wusste ebenso nichts von der Tankstelle. Sie findet aber zumindest auch, dass man die Anlieger vorab hätte informieren können.