"Wann liest du mir mal wieder was vor?"; "Wann darf ich mit dir wieder in das Spiellager?"; "Seh' ich dich nun gar nicht mehr?" Mit solchen Fragen von fünf- und sechsjährigen Kindern sah sich die Früh...
"Wann liest du mir mal wieder was vor?"; "Wann darf ich mit dir wieder in das Spiellager?"; "Seh' ich dich nun gar nicht mehr?" Mit solchen Fragen von fünf- und sechsjährigen Kindern sah sich die Frühförderung der Arbeiterwohlfahrt in den vergangenen Monaten immer wieder konfrontiert.
Die Fachkräfte reagierten und sammelten allerlei Ideen für Beschäftigungsformen. Dank der technischen Ausstattung, um die sich Einrichtungsleiterin Pia Hempfling und technischer Leiter Ralf Baumann kümmerten, entstanden Möglichkeiten der digitalen Einzelbehandlung.
Neben den medizinisch-therapeutischen Behandlungseinheiten, die wegen ihrer Bedeutung für den Erhalt der Gesundheit der Kinder im direkten Kontakt stattfinden durften, führten einige Fachkräfte Online-Besprechungen mit Eltern, Kindern und Netzwerkpartnern durch. So konnte zum Beispiel im logopädischen Bereich dennoch gut weiterbehandelt werden - zwar auf ungewohnte Art und Weise, aber dennoch irgendwie hilfreich in dieser außergewöhnliche Zeit.
Hauptbestandteil der heilpädagogischen Arbeit war das "Päckchenpacken". So erhielten die Jungen und Mädchen eine individuelle Lerntüte oder -kiste vor die Tür gestellt. Über den Gartenzaun konnten mit Abstand ein Schwätzchen oder doch ein längerer Austausch stattfinden. Jede Woche gab es Briefe mit Anleitung, Aufgaben und Materialien, die auf jeden einzelnen Entwicklungsstand zugeschnitten waren.
Der Aufwand war immens. Tüten, Briefmarken, Briefumschläge, Papier, Spiele, all das hatte urplötzlich einen höheren Gebrauchs- und Verbrauchswert. Nach dem Abholen wurden die Materialien desinfiziert und gereinigt. Auch das nahm viel Zeit in Anspruch.
Medienaffine Fachkräfte drehten kürzere und längere Videos von drei bis 20 Minuten - so zum Beispiel "Drache sucht Zahnarzt", "Faltanleitung Dino", "Raupe Nimmersatt", "Wo ist Mami?" oder "Kasimir Pflanzbohne". Mithilfe eines Dinotheaters entstand ein Gemeinschaftsprojekt, das inzwischen in den Fluren des Awo-Frühfördergebäudes aushängt.
Freude war das Wichtigste
Das Wichtigste bei all den Aktionen war, den Kindern eine Freude zu bereiten. Denn durch die Päckchen und Videos ist der Kontakt in all der Zeit nicht gänzlich abgebrochen.
Einen besonderen Vorteil hatte die neue Situation außerdem: Der Elternkontakt lief vielerorts nicht mehr über das Kita-Personal, vielmehr kommunizierten die Väter und Mütter zwangsläufig häufiger direkt mit den Fachkräften und fühlten sich so mehr einbezogen. Manchmal bedarf es einer Änderung des Blickwinkels, um mit anderen Ideen zu einem ebenso positiven Ergebnis der gemeinsamen Zusammenarbeit zu kommen.
Dies war auch tatsächlich zu spüren - auch auf Elternseite gab es gelungene "Aha"-Effekte. Die gegenseitige Wertschätzung nahm zu und hat mittlerweile eine andere Wertigkeit. red