Mit einem Hüftgürtel und daran angebrachten Handschellen, sodass er seine Hände kaum auf Brusthöhe brachte, wurde ein 36-jähriger Mann aus dem Landkreis Kronach aus seiner Untersuchungshaft in Würzburg der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Coburg vorgeführt.
Die Staatsanwaltschaft Coburg wirft dem verheirateten Kunststofftechniker einen schwunghaften Handel mit Rauschmitteln vor. In zwölf Fällen soll der gebürtige Russe mit deutscher Staatsangehörigkeit vorsätzlich unerlaubt Handel mit Heroin und Crystal Speed getrieben haben.
Der Mann ließ sich von zwei Anwälten vertreten. Diese forderten, den Angeklagten während der Verhandlung von den Handschellen zu befreien. Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, stimmte dem Antrag zu, bestand jedoch auf Fußfesseln während der zahlreichen Verhandlungspausen. Seit September 2014 bis zum Mai 2015 soll der Kronacher in seiner Wohnung Heroin und Crystal Speed angekauft haben, darunter in Mengen von jeweils 100 Gramm. Das Rauschmittel soll er sowohl von seiner Wohnung im Landkreis Kronach aus als auch in einer Schrebergartenanlage in Coburg weiterverkauft haben. Für ein Gramm Crystal kassierte er laut Staatsanwaltschaft 70 Euro, für ein Gramm Heroin 100 Euro.
Am 22. Mai 2015 wurde ihm ein Drogengeschäft zum Verhängnis. In seiner Wohnung traf sich der Mann laut Anklageschrift mit einem Kompagnon und einem vermeintlichen Kunden. Gemeinsam boten die beiden rund 50 Gramm Heroin zum Preis von 3000 Euro an. Was die beiden Männer allerdings nicht wussten: Der Käufer war ein verdeckter Polizeibeamter. Unmittelbar nach Abschluss des Geschäfts griff die Polizei zu, verhaftete das Duo und stellte die Drogen sicher.


Vereinbarung getroffen

Bereits kurz nach Beginn der Verhandlung beantragte Verteidiger Helmut Mörtl aus Regensburg ein Verständigungsgespräch mit Kammer, Staatsanwältin Susanne Heppel und Rechtsanwälten. Dabei vereinbarte das Gericht eine Unter- und eine Obergrenze für ein entsprechendes Urteil. Richter Gillot würdigte dabei die neunmonatige Untersuchungshaft des Angeklagten und eine eventuelle zweijährige Unterbringung und Therapie des Mannes in einer Entziehungsanstalt. Voraussetzung sei allerdings, dass der Angeklagte ein umfassendes Geständnis über Rauschgiftmengen, Wirkstoffgehalt und die Geschäfte mit seinem Lieferanten und besagten Kompagnon ablege. Dafür werde - bis auf die Aussage des ermittelnden Polizeibeamten - auf Zeugenaussagen verzichtet.
Um allerdings in den Genuss der Vereinbarung zu kommen, "müsse der Angeklagte aus der Deckung kommen", sagte Gillot. Nach langwierigen Verhandlungen und Modifikationen über Art und Umfang des Geständnisses war der Mann schließlich bereit, detaillierte Aussagen zu machen. Damit droht dem Kronacher eine Freiheitsstrafe von mindestens vier Jahren und neun Monaten und maximal fünf Jahren und sechs Monaten.
Die Verhandlung wird am Freitag, 26. Februar, fortgeführt.