Fallende Schweinepreise, sich ändernde Konsumentenbedürfnisse und höhere Auflagen beim Tier- und Umweltschutz: Schweinebauern auch im Kulmbacher Land stehen seit einiger Zeit unter massivem Druck, viele Betriebe sogar kurz vor dem Aus. Das haben die Fraktionen von Freien Wählern und CSU mit einem Dringlichkeitsantrag im Landtag deutlich gemacht, wie die Abgeordneten Rainer Ludwig (FW) und Martin Schöffel (CSU) mitteilen.

"Die Situation auf den Höfen ist bereits so desolat, dass Landwirte derzeit bei jedem Verkauf Verlust machen", sagt Ludwig. "Wir müssen jetzt handeln - sonst steht uns eine neue Welle des Höfesterbens ins Haus."

Kreisbäuerin Beate Opel, mit der er eigenen Angaben zufolge im engen Austausch steht, sagt: "Die Marktlage ist für viele Betriebe existenzbedrohend. Ohne staatliche Unterstützung werden viele Schweinehalter in der Region diese strukturelle Krise nicht bewältigen." Die Ursachen für den Preisverfall seien vielfältig. Zum einen sei der Export von Schweinefleisch in viele Drittländer infolge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nicht mehr möglich gewesen. Zudem habe die Schließung von gastronomischen und kulturellen Angeboten während der Corona-Pandemie zu einem sinkenden Absatz geführt. "Die steigende Nachfrage nach vegetarischen und veganen Fleischersatzprodukten tut ihr Übriges", fasst Beate Opel zusammen. Die Folge: Innerhalb eines Jahres habe sich der Schweinepreis nahezu halbiert. Gewinner des Preisverfalls sei der Einzelhandel.

Krise wird verschärft

Verschärft werde die Krise durch die steigenden Erwartungen an Tier- und Klimaschutz. "Landwirte sollen ihre Ställe umbauen, mehr Auslauf ermöglichen und umweltschonender wirtschaften. Das alles kostet Geld und setzt die Betriebe zusätzlich unter Druck", erklärt MdL Rainer Ludwig.

Konkret soll der Freistaat schweinehaltende Betriebe schnellstmöglich über die Modalitäten zur Gewährung von Überbrückungshilfen bei coronabedingten Umsatzausfällen informieren. Zudem sollen baurechtliche Erleichterungen beim Umbau von Stallanlagen geprüft werden. Auch eine Lieferkette "Schwein" für bayerische Qualitätsschweine soll auf den Weg gebracht werden. Daneben seien aber auch längerfristige Förderungen der Betriebe - etwa für Investitionen in moderne Haltungssysteme - dringend erforderlich, betont Ludwig.

"Wir fordern vor allem vom Bund eine wirksame Unterstützung der Schweinehalter", so Martin Schöffel, der agrarpolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion. Gerade jetzt komme es auch auf die Stärkung des Herkunftskennzeichens "Geprüfte Qualität Bayern" an, das von Handel und Verbrauchern gut angenommen werde. red