von unserem Mitarbeiter rainer glissnik

Seibelsdorf — Pfadfinderei ist eine Lebenseinstellung, dies galt für den "Stamm König Artus" in Seibelsdorf/Waldbuch seit der Gründung vor 60 Jahren. Das Jubiläumszeltlager - es dauert noch bis zum 6. August - bot jede Menge Spaß und Action.
"Für mich ist die Pfadfinderei eine Philosophie", zeigte sich "Schneehasen-Mama" Petra begeistert. "Ich kann ganz viel geben und bekomme dies tausendfach zurück. Es ist einfach schön." Man müsse Kinder einfach mögen und mit dem Herz dabei sein. "Pfadfinderei ist eine gute Sache. Einem Kind können wir nichts Schöneres bieten als die Natur, die Gemeinschaft, Kameradschaft." Überhaupt gebe es bei den Pfadfindern keinen Konkurrenzkampf. "Jeder wird genommen, wie er ist. Was er leisten kann ist gut so."
Mit dabei waren auch befreundete Pfadfinder wie der Stamm "Waldläufer" aus Grafenwöhr. "Wir sind auch im Pfadfinderbund Mosaik und schon lange befreundet. Da haben wir gedacht: Wenn der "Stamm König Artus" schon Jubiläum feiert, müssen wir vorbei schauen", erklärte Stammesführer Andreas Schmidt. Eindrucksvoller Mittelpunkt war die Jurtenburg: Ein Zelt, das mit großen Baumstämmen aufgebaut wurde. Mit einem Kettenzug und etlichen Zweibeinen wurde dieses Riesenzelt in schweißtreibender Arbeit aufgestellt - insgesamt drei Tage harter Arbeit. Günther Ernst aus Großviechtach organisierte einen Langholztransporter, mit dem die Baumstämme zum Festplatz gebracht wurden. Das gehört auch zu den Pfadfindern: Stets finden sich nette Menschen, die hier mithelfen.
Für die Abende wurde lange vorher eine Beleuchtung zurecht gemacht. Kerzenstummel wurden ein Jahr lang im ganzen Ort gesammelt. Lediglich sechs Meter Docht mussten gekauft werden.
Der Sonntag war "Tag des offenen Lagers", an dem die Bevölkerung eingeladen war. Auftakt bildete die Erinnerung an Stammesgründer Konrad Hofmayer an dessen Grab. Die ersten Fahrten seines Stamms erfolgten mit Fahrrädern, aber schon bald gab es Großfahrten an den Rhein, in den Bayerischen Wald, zur Weltausstellung nach Brüssel und nach Italien. Wesentlich half der Bruderstamm "Löwe von Meißen" in Neustadt bei Coburg. Größter Erfolg war die Übergabe des Löwenschilds beim Bundeslager 1971.

"Füreinander da sein"

Als der Stamm immer größer wurde, wurde ein Haus in Unterrodach angemietet. Konrad Hofmayer verkaufte sein Auto, um einen VW-Bus anzuschaffen und acht Jugendliche mitnehmen zu können. "Er war als Lehrer geachtet und ein Vorbild für unseren Stamm", würdigte Willi Pechtold. "Er wäre stolz nach den Jahren, was aus seinem Stamm geworden ist."
Eingeleitet wurde der "Tag des offenen Lagers" mit einem Feldgottesdienst, den Tom Sauer mit musikalischer Begleitung von Georg Mäusbacher gestaltete. "Füreinander da sein" war Leitmotiv. "Ich wünsche euch, dass ihr füreinander da seid, nicht nur bei den Pfadfindern", sagteTom Sauer, der vom Jahr 2000 bis 2005 selbst Stammesführer war.
"Vor rund 50 Jahren war ich selbst Pfadfinder", blickte Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner zurück. Er war einige Jahre aktiver Pfadfinder, noch beim "Chef" Konrad Hofmayer. "Ich war auch mit bei Lagern, etwa im Fichtelgebirge. Das Pfadfinderleben war einfach toll." Davon profitiere man das ganze Leben. Füreinander da zu sein, das Leitmotto jeden Tag eine gute Tat, dies passe auch in der heutigen Zeit.
"Es gibt einen Wert, den dieser Stamm besitzt", hieß es in einem Schreiben, das die Pfadfinder vom "Stamm König Artus" auf der Rückseite eines alten Bildes von Pfadfinderbewegungs-Gründer Robert Baden-Powell gefunden hatten. In Kleingruppen sollten sie zu Häusern in Waldbuch und Seibelsdorf gehen, um Bruchstücke des Schatzes zu finden.
Dies war Teil des Geländespiels, das sich die Pfadfinder zu ihrem Jubiläumszeltlager ausgedacht hatten. Yannik Yasar, Christoph Scheller und Frederik Gareis hatten aus dem Pfadfinderheim ein Bild von Pfadfinderbewegungs-Gründer Robert Baden-Powell in die Jurtenburg mitgebracht. Auf der Rückseite - so begann die von ihnen ausgedachte Geschichte - war ein mit Kerzenwachs festgeklebtes Schreiben von Stammesgründer Konrad Hofmayer zu finden.

Nach "Bruchstücken" suchen

Im Gedenken an den Stammesgründer machten sich zahlreiche Pfadfindergruppen auf die Suche. Sie erhielten jeweils mehrere Adressen, die sie suchen mussten. Dort standen sie vor von den betreffenden Familien ausgedachten Aufgaben. Nach erfolgreicher Erledigung erhielten die Gruppen Bruchstücke - von den Familien gestaltete Holzscheiben. In einer der Gruppen mussten sich Amelie Fischer (Oberrodach), Katharina und Lisa-Marie Höfer (Weißenbrunn), Oliver Gareis (Birnbaum) und Lukas Mühlnickel (Unterrodach) zu vier Hausnummern in Waldbuch auf den Weg machen, um dort Aufgaben zu lösen. Das war vor allem deshalb nicht einfach, weil hier die Hausnummern völlig durcheinander waren. Aber Pfadfinder sind ausdauernd und kommen auch gemeinsam in schwierigen Situationen zurecht.
Bei Roswitha Heil und ihrem Bauernhof ging es darum, Getreidesorten zu erkennen. Die Jugendlichen bekamen Infomaterialien und Kressesamen - und vor allem ihr "Bruchstück". Weiter ging es zu Barbara Fleischmann. Hier galt es, auf dem benachbarten Dorfplatz die kleinen Sträucher zu gießen. Auch bei Barbara Kirschner mussten Pflanzen gegossen werden. Die jungen Pfadfinder erledigten ihre Aufgaben gern.
Aufgabe einer anderen Gruppe war es, Kompost umzustechen. Auch musste eine beladene Schubkarre zum Kompostplatz gefahren werden. Sichtbar wurde, wie die Pfadfinderei ganz Seibelsdorf prägt.