Wandern in der Rhön birgt für Touristen Hürden. Grund sind weniger unwegsame Pfade, sondern irreführende Wegweiser. Dem Engagement aller Engagierten sei an dieser Stelle dennoch höchster Respekt für ihren Einsatz entgegengebracht. Ohne sie wäre die Situation auf manchem Wanderweg wohl noch prekärer. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Zeiten von verschiedenfarbigen gefüllten oder ungefüllten Keilen, Tropfen, Zahlen, Buchstaben und Pfeilen nicht vorbei sind. Zur Zeit boomt der Inlandstourismus. Und: Unsere Heimat profitiert davon. Schon vor zwei Jahren gab es das Zitat eines Fachmanns im Wirtschafts- und Umweltausschuss des Landkreises: Touristen werden die Rhön in den nächsten Jahren überrennen. Die Beschilderung des 8000 Kilometer weiten Wanderwegenetzes beruht derzeit jedoch auf Traditionen, die teils nicht einmal den Einheimischen in ihrer Gänze geläufig sind und richten sich nach den vier "Gauen". Ein uraltes Wort, das durch die Deutschtümelei im 19. Jahrhundert groß in Mode kam und später von den Nazis inflationär verwendet wurde. Die Beschilderung atmet von ihren Ursprüngen bis zur Umsetzung stickige Luft aus dem Vorvorgestern und eignet sich bestenfalls als Kuriosum in einem Wandermuseum. Die Meinung, "des hammer scho immer so gemacht", ist rückständig. Wie soll sich hier ein Tourist zurechtfinden? Technische Helfer wie das Smartphone stoßen in der Rhöner Weite häufig an ihre Grenzen. Stichworte sind der schlechte GPS-Empfang oder die mangelnde Verfügbarkeit mobiler Daten. Karten lesen können nur noch wenige. Und nur der Tradition wegen an einer Tradition festzuhalten, ist schlichtweg falsch. Kurzum: Die Rhöner-Wander-Hieroglyphen sollen weichen. Es braucht Wegweiser der Zukunft und keinen Schilderturm zu Babel. Eine sinnvolle Stoßrichtung gibt ein im Lauf der Jahrzehnte verkürztes Zitat des französischen Sozialisten Jean Jaurès vor: "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers." Dementsprechend sollten sich Rhönklub, Kommunen, Rhön GmbH, Biosphärenreservat, sonstige Beteiligte und Naturpark gemeinsam an einen Tisch setzen. Das verbindende traditionelle Element ist dabei die Wander-Region Rhön. Nicht etwa der Schilderwald und auch nicht das Pochen auf die eigenen vereinsinternen Traditionen. Von diesem kleinsten gemeinsamen Nenner aus sollte es den beteiligten Gruppen dann möglich sein, eine zeitgemäße Lösung für die Rhön zu erarbeiten. Das österreichische Modell sollte hierfür Pate stehen. An Wegkreuzungen finden sich dort klar strukturierte Wegweiser mit Richtungsangaben ohne altbackene Hieroglyphen. J.Schlereth@infranken.de