Der 12-jährige Rasul ist seit seiner Geburt auf einen Rollstuhl angewiesen und braucht rund um die Uhr Hilfe. Besonders gut schlägt bei ihm eine Therapie an, die leider nur in der Slowakei angeboten und von der Kasse nicht übernommen wird. Der Kiwanisclub hat den Erlös aus dem Verkauf seines Dreikönigsloses im Dezember der Familie als finanzielle Hilfe für diese Therapie zur Verfügung gestellt. Das waren 5000 Euro.

Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich der Kulmbacher Kiwanisclub mit Leidenschaft und Herzblut für Kinder und Jugendliche in und um Kulmbach. Schnelle und unbürokratische Hilfe sozial benachteiligter Kinder ist den Mitgliedern immer ein großes Anliegen. Das bewies der Serviceclub jetzt wieder einmal eindrucksvoll.

Rasul ist ein cleverer und fröhlicher Junge. Das ist nicht so selbstverständlich. Denn der 12-Jährige hat ein großes Handicap. Er kam 11 Wochen zu früh auf die Welt. Durch Sauerstoffmangel leidet er seither an einer spastischen Cerebralparese, ist dadurch auf einen Rollstuhl und in vollem Umfang auf Unterstützung im Alltag angewiesen. Charakteristisch für diesen Schaden sind Störungen des Nerven- und Muskelsystems. Die Muskeln werden steif und erschweren die Beweglichkeit.

Rasul besucht die 5. Klasse der Montessori-Schule in Bayreuth. Seine Mutter bringt ihn jeden Tag dorthin. Hier fühlt sich Rasul wohl. Er ist geistig fit und hat gute Noten. Sein Lieblingsfach ist Mathematik. Wie viele Jungs in seinem Alter beschäftigt er sich in seiner Freizeit natürlich mit seinem Notebook.

Therapie und Reha

Ein- bis zweimal in der Woche kann Rasul physiotherapeutische Behandlungen und logopädische Therapiemaßnahmen in Anspruch nehmen. Aber: "Die dauern jeweils nur 25 Minuten, da kann man nicht wirklich viel machen", bedauert Mutter Elena. "Du musst halt einfach schauen, wie du zurechtkommst. In Deutschland wird alle vier Jahre eine Reha übernommen. Für einen Erwachsenen mag das vielleicht reichen, für ein spastisches Kind nicht. Mit dem muss in der Wachstumsphase die ganze Zeit gearbeitet werden, damit sein Zustand nicht schlechter wird. Denn das Kind wächst, aber die Muskeln wachsen nicht mit."

Besonders gut schlägt bei Rasul die "Adeli-Therapie" an, die in einem Medical-Center in der Slowakei angeboten wird. Das Besondere dabei ist die Intensität und Individualität der Rehabilitation. Alles mit dem Ziel, Bewegungsabläufe zu verbessern und mittels Koordinationstraining den Körper so selbstständig wie möglich zu steuern. "Bis zu fünf Stunden täglich und sechs Tage pro Woche kümmern sich dort drei Therapeuten um ein Kind. Das wäre in Deutschland nicht zu bezahlen", erklärt Mutter Elena.

Elena Mammadov wird die Osterferien wieder dazu nutzen, mit ihrem Sohn zwei Wochen in dem Reha-Zentrum zu verbringen. Obwohl sie für Reise- Therapie- und Hotelkosten selbst aufkommen muss. Aber die Fortschritte sind deutlich erkennbar. "Früher konnte Rasul nicht alleine sitzen ohne umzukippen. Mittlerweile kann er mit einem Rollator selbst laufen und sogar ein paar Sekunden alleine stehen."

"Was wirklich hilft, wird von der Krankenkasse leider nicht übernommen", bedauert die Mutter. Deshalb freute sie sich umso mehr, als der Kiwanisclub beschlossen hat, den Erlös aus dem Verkauf seines Dreikönigsloses im Dezember für Rasul zu spenden. Und dafür bedankte sich auch Rasul nach der Übergabe. Dieter Hübner