Seit März 2022 ist die Commerzbank AG Opfer von Erpressern. Nun sind in einer Kanzlei in Fürth und zuvor schon in einer Firma in Frankfurt verdächtige Postsendungen eingegangen, bei deren Öffnung eine chemische Reaktion ausgelöst wurde. Die Polizei geht davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen den Briefen und der Erpressung besteht. Aus diesem Grund appelliert sie an die Bevölkerung.
Am Donnerstag (19.05.2022) ging eine verdächtige Postsendung in einer Kanzlei im Fürther Stadtteil Poppenreuth ein. Am selben Tag kam es außerdem zur Zustellung einer gleichartigen Briefsendung in Frankfurt am Main. Die Ermittler der besonderen Aufbauorganisation (BAO) Klammer gehen davon aus, dass die Briefe in Fürth und Frankfurt a. M. Teil des bereits bekannten Erpressungsszenarios zum Nachteil der Commerzbank AG sind, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken mitteilt.
Bei der Öffnung des Umschlags in der Kanzlei in Fürth war es zu einer chemischen Reaktion gekommen, die nach ersten Zeugenangaben zur Freisetzung einer gasförmigen Substanz geführt haben sollte. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei räumten daraufhin das betroffene Bürogebäude in der Hans-Vogel-Straße. Der Rettungsdienst betreute zunächst vier Personen, die sich bei der Öffnung des Kuverts in unmittelbarer Nähe aufgehalten hatten, im Hinblick auf eine mögliche Kontamination mit einem Schad- oder Gefahrstoff.
Chemische Reaktion nach Brieföffnung - Wurde Gift gesendet?
Im Laufe des weiteren Einsatzes stellten Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA) die verdächtige Postsendung sicher. Im Vorfeld war von den Beamten die Freisetzung eines Gefahrstoffs geprüft worden. Eine entsprechende Messung bestätigte diesen Verdacht jedoch nicht. Darüber hinaus konnten die Rettungskräfte bei den in Behandlung befindlichen Personen keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen feststellen.
Die Wahrnehmung der Zeugen, dass es beim Öffnen möglicherweise zur Freisetzung eines Gases gekommen sein soll, hat sich durch die Untersuchungsergebnisse nicht bestätigt.
Wie sich zwischenzeitlich herausstellte, war am selben Tag (19.05.2022) eine gleichartige Postsendung bei einer Firma in Frankfurt a. M. eingegangen. Dort zogen Mitarbeiter der Firma das Schreiben allerdings vor dessen Öffnung aus dem Verkehr und verständigten die Polizei.
Teil der Commerzbank-Erpressungsserie?
Mit Blick auf die Erpressung, die sich seit Ende März 2022 gegen die Commerzbank AG richtet, gingen die Ermittler der BAO Klammer frühzeitig der Frage nach, ob die beiden verdächtigen Postsendungen ebenfalls der genannten Erpressungsserie zugeordnet werden können. Die Beamten führten aus diesem Grund beide Briefe einer kriminaltechnischen Untersuchung beim BLKA in München zu.
Die abschließenden Ergebnisse der Spurensicherung und deren Auswertung liegen derzeit noch nicht vor. Allerdings gehen die Ermittler aufgrund einer bereits durchgeführten optischen und technischen Begutachtung sowie zweier Bekennerschreiben bereits zum aktuellen Zeitpunkt davon aus, dass die Briefsendungen mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich dem bereits bekannten Erpressungsszenario zuzurechnen sind.