Verflucht noch mal, so einfach ist das aber nicht. Das am Donnerstagabend war kein Fluch. Es war Fußball. Zwei Mannschaften, elf gegen elf, und weil es ein Halbfinale war, muss eine Mannschaft gewinnen. Gestern war es die bessere. Italien. Italien, das mit seinen Pirlo-Löfflern und dem schwererziehbaren Sturm die deutsche Deckung durcheinander würfelte. Balotelli und Cassano hielten sich weder an Laufwege noch an Ordnungsmuster - zu viel für den deutschen Ordnungssinn.

Als Fußballfan freut man sich über diesen Fußball:

Schnell, überraschend, effektiv. Patrioten tun sich schwer. Stolz wird verletzt. Scham schwingt mit. Patrioten schimpfen dann. Man kann diese Entwicklung in Sportheimen beobachten: Aus"Wir" wird "Die". "Poldi" wird "Polack". "Italiener" wird "Itacker". Meist sind es Männer, die dort vor dem Fernseher sitzen und so schimpfen. Über 50, reichlich Bier im Kopf und aus einer Zeit, als es noch Vorstopper gab und Blutgrätschen ein adäquates Abwehrinstrument waren. Die Patrioten schreien und hauen mit den Handflächen auf die Tischplatte: Schauspieler, diese Italiener. Hast du das gesehen. Hast du das gesehen. Hast du das gesehen? Ja, hat man. Dreimal. Einmal real, zweimal Zeitlupe. Kein Foul. Als Fußballfan denkt man: Clever gemacht, das Foul genommen. Der Patriot schreit: Schauspieler, jedes Mal das gleiche. Der "Itaker" bescheißt uns.

Für uns Fußballfans sind diese Patrioten anstrengend. Sie nerven, können gefährlich werden. Weil da etwas mitschwingt, das eigentlich überholt ist.

Vom Patriotismus zum Nationalismus ist es nicht weit.

Aber der hat weder im Sport, noch sonst irgendwo etwas zu suchen. Am Donnerstag war es ein Fußballspiel. Nicht mehr, nicht weniger. Deutschland war die schlechtere Mannschaft, ist rausgeflogen. So einfach ist das. Jetzt spielen Italien und Spanien am Sonntag im Finale. Wir Fußballfans freuen uns auf das Spiel, weil wir die beiden besten Mannschaften Europas sehen. Und für die Patrioten ist es die Chance, Fußball endlich als das zu sehen, was es ist: ein Sport. Nationalismus hat dabei nichts verloren.

Die Fußball-Europameisterschaft zieht drei Wochen lang alles in ihren Bann - auch unsere Redakteure Tobias Köpplinger und Leopold Teuscher. Was die beiden rund um die Spiele und am Rande des Wettbewerbs so erleben, bloggen sie als "Einwurf" und "Abseits" auf em.infranken.de.