In den letzten Wochen und Monaten überschlugen sich die Nachrichten über extreme Wetterbedingungen und deren schweren Folgen. Sind diese Meldungen übertrieben - oder spielt unser Wetter wirklich verrückt? Tatsächlich gab es dieses Jahr einige ungewöhnliche Wetterlagen zu beobachten: Nach einigen sehr warmen Tagen im Ausklang des Winters fielen die Temperaturen nach Ostern wieder.  Als dann Ende April die Temperaturen deutlich stiegen, sprachen Experten von einem "Blitzsommer". Stattdessen folgte der "Mai-Monsun" mit erheblichen Niederschlägen um die Zeit der Eisheiligen. Der Juni sollte dann ungewöhnlich heiß werden - was er auch war, bis eine ganze Reihe schwerer Unwetter das Sommervergnügen trübte. Mittlerweile gehen Experten davon aus, dass der "Schaukel-Sommer" auch das Wetter im Juli und August bestimmen wird

Während wir in Franken derzeit über verregnete Tage klagen und die bayerische Stadt Landshut von einer wahren Springflut überschwemmt wurde, ächzen die Menschen auf der anderen Seite der Welt - im Westen Kanadas - bei einer Rekordtemperatur von 49,5 Grad. Ist das alles noch normal? Haben die Experten recht, die in den Wetterkapriolen Auswirkungen des Klimawandels sehen? Oder sind die Meldungen übertrieben und am Ende alles so wie immer?

Temperatursturz zum Sommeranfang: Wie sah der Juni 2021 im Vergleich aus?

Als uns das Wetter bereits Ende Februar 2021 mit sommerlichen Temperaturen überraschte, freuten sich viele Menschen auf ein warmes Jahr. Nach den harten Wintermonaten im Lockdown konnte man endlich wieder mehr Zeit draußen verbringen - mancherorts wurde sogar schon angegrillt. Als dann im Mai und Juni der Sommer eingeläutet werden sollte, kam die Überraschung: Massenhaft Regen ging mit eher milden Temperaturen einher.

Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung ist vor allem der Juni 2021 im Vergleich zum Vorjahr ein warmer Sommeranfang für Franken. Wie man in der Grafik sehen kann, lag die Durchschnittstemperatur im Juni um fast drei Grad höher als noch 2020. Schwankungen um ein paar Grad sind auf jeden Fall eher Regel als Ausnahme. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 19 Grad lag der Juni dabei über dem langjährigen Mittel.

Von 2010 bis 2017 hatte Franken das Glück, dass die Temperaturen im Juni einigermaßen stabil blieben. Ab 2017 traten verstärkt regionale Unterschiede auf und 2019 war ein Jahr mit absoluter Spitzentemperatur - ähnlich wie 2003. Die Grafik zeigt: Eine echte Juni-Temperatur gibt es nicht. Der Sommer läutet sich jedes Jahr anders ein und das Spektrum reicht von warmen 21,5 Grad bis hin zu eher kühlen 13,5 Grad.

Dauerregen und Wolkenbrüche: Ist der Sommeranfang 2021 ins Wasser gefallen?

Was vielen Menschen - zusätzlich zur gefühlten Kälte - aufs Gemüt schlägt: Regen im Sommer. Die vielen Unwetterwarnungen und zahlreiche örtliche Wolkenbrüche zeichneten das Bild eines verregneten Sommeranfangs. Doch entspricht diese Wahrnehmung auch der Realität? Vergleicht man die Werte aus dem Jahr 2020 mit den aktuellen aus 2021, erkennt man ein klares Muster.

Während das Jahr 2020 mit großen Niederschlagsmengen im Februar begann, war das gesamte Frühjahr 2021 vergleichsweise niederschlagsarm. Im März und April gab es sowohl 2020 als auch 2021 kaum Niederschlag. Der Mai beider Jahre konnte einen Anstieg der Wassermenge beobachten, welcher fließend in eine Niederschlagsspitze im Juni überging. 

Ist der Juni 2021 also ins Wasser gefallen? Zumindest nicht viel mehr als der Juni 2020. Der größte Unterschied zwischen den beiden Jahren ist die Trockenheit in den frühen Frühlingsmonaten. Die Regenflaute machte Landwirten und Gemeinden gleichermaßen zu schaffen und rief auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz auf den Plan.

Das unberechenbare Wetter: Schwankungen sind normal

Vergleicht man die fränkischen Niederschlagsdaten der ersten Jahreshälften seit 1970, wird deutlich, dass die Mengen stark schwanken können. Besonders extrem war der Wechsel zwischen 1995 und 1996: Konnte 1995 noch ein Niederschlagsrekord verzeichnet werden, war das Ergebnis im Folgejahr sehr unterdurchschnittlich. Wenn das Wetter also schon immer gerne schwankt, wieso nehmen es die Menschen dann trotzdem als unnatürlich war?

Der Meteorologe Prof. Felix Ament erklärt im SZ-Podcast "Auf den Punkt", dass tatsächlich viele Menschen das Gefühl haben, das Wetter werde wilder und unberechenbarer. Ein gewitterreicher Juni komme jedoch oft vor und sei keine Seltenheit. Außerdem tragen regionale Unterschiede zur Verwirrung bei: Beispielsweise hatte der Mai in Bayern laut dem BR 22 Regentage. Im Nordwesten Deutschlands fiel dagegen im gleichen Zeitraum kaum Niederschlag.

Das tatsächliche Problem sei nicht, dass Temperaturen oder der Niederschlag im Durchschnitt etwas schwanken, sondern dass Extremwetterlagen zunehmen und lange am selben Ort verweilen. Außerdem kann eine Durchschnittstemperatur von 20 Grad bedeuten, dass es einen Monat lang jeden Tag 20 Grad warm war. Jedoch liegt die Durchschnittstemperatur eben auch bei 20 Grad, wenn das Thermometer die Hälfte der Tage 10 Grad und die andere Hälfte 30 Grad anzeigte.

Langanhaltende Dürren strapazieren die Böden und das Grundwasser. Wenn an diese Trockenphasen Wolkenbrüche und Dauerregen folgen, kann das schwere Folgen für Mensch und Natur haben, wie in weiten Teilen Bayerns zu beobachten war. 

Wetterschwankungen und einzelne Wetterextreme gab es schon immer und wird es immer geben. Problematisch wird es für Mensch und Natur dann, wenn eine Vielzahl solcher Extreme sich aneinanderreihen. Gerade in der Landwirtschaft ist das deutlich zu erkennen: Die meisten Pflanzen können ein paar sehr kalte Tage im Frühjahr vertragen. Doch folgt darauf eine trockene Hitzeperiode die auch noch mit massiven Wolkenbrüchen endet, kommen auch die widerstandsfähigsten Pflanzen irgendwann an ihr Limit und Ernteausfälle drohen.

In einem eigenen Artikel haben wir außerdem einen  Blick auf die Frage geworfen, ob es dieses Jahr ungewöhnliche viele Gewitter in Deutschland gibt