Die Corona-Pandemie stellt die fränkischen Unternehmen vor eine riesige Herausforderung. In vielen Branchen kam das Geschäft durch den wiederholt notwendig gewordenen Lockdown komplett zum Erliegen. Droht nun eine Insolvenzwelle durch ausbleibende Gewinne?

Frankens Unternehmen sind von der Corona-Krise stark gebeutelt. Der Coburger Automobilzulieferer Brose beklagte bereits im Frühjahr 2020 Gewinneinbrüche und trieb den Abbau von 900 Stellen voran. Kleinere Geschäfte sind ebenso betroffen und stehen oftmals vor dem Aus. So sahen sich zum Beispiel Anfang Februar zwei langjährige Mieter der Erlanger Arcaden zur Aufgabe ihrer Läden gezwungen.

Insolvenzzahlen in Franken

Dies sind nur ein paar der zahlreichen Beispiele für fränkische Unternehmen in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Für das Corona-Jahr 2020 wurde daher mit einer Zunahme der Unternehmensinsolvenzen gerechnet. Doch wie sieht der aktuelle Stand der Dinge in Franken tatsächlich aus? Der Blick in die Zahlen zeigt einen klaren Trend.

Betrachtet man, wie viele Unternehmen in Franken pro Jahr Insolvenz anmelden, so ist ein klarer Abwärtstrend zu erkennen. In allen drei fränkischen Verwaltungsbezirken haben sich die Zahlen seit 2010 sogar beinahe halbiert. Diese Entwicklung ist vor allem in Ober- und Unterfranken klar zu erkennen.

Dass Mittelfranken im Vergleich zu Unter- und Oberfranken viel mehr Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, liegt vor allem an der wirtschaftlichen Position der Stadt Nürnberg. Von hier werden jedes Jahr knapp die Hälfte aller Insolvenzanträge Mittelfrankens gestellt. Nürnberg fällt aus dem Rahmen, da die dort ansässigen Unternehmen viel zahlreicher sind, als es in anderen Städten und Landkreisen Frankens der Fall ist.

Daten sind mit Vorsicht einzuordnen

Der Abwärtstrend bei den Unternehmensinsolvenzen in den fränkischen Bezirken, ist gerade in den Jahren vor Corona ein positives Zeichen. Der fränkischen Wirtschaft kann eine gute Ausgangsposition bescheinigt werden. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020 ist dennoch überraschend niedrig. Welche Gründe gibt es für diese Entwicklung?

Seit dem Beginn der Corona-Pandemie und dem ersten Lockdown im März 2020, sind die Daten verzerrt und können nicht mit denen aus den Vorjahren verglichen werden. Der Grund liegt in der für alle neuen Situation und in den staatlichen Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft.

Weil die Wirtschaft zu großen Teilen still steht, bangt die Politik um den Status Quo aus der Zeit vor Corona. In einer Pressemitteilung des Ministeriums für Justiz und Verbraucherschutz heißt es, dass auch Unternehmen mit tragfähigen und vormals erfolgreichen Geschäftsmodellen aufgrund der Corona-Beschränkungen in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Insolvenz dieser Betriebe zu verhindern hat oberste Priorität, was sich in der Insolvenzstatistik niederschlägt.

Bund und Länder wollen den Unternehmen unter die Arme greifen

Vonseiten des Bundes sowie des Freistaats Bayern wird versucht, die Unternehmen in diesen schweren Zeiten zu unterstützen. Dies geschieht hauptsächlich durch finanzielle Mittel, welche den Betrieben zugutekommen sollen. Insolvenzen können so verhindert oder zumindest hinausgezögert werden. Seit dem 12. Februar 2021 können viele Unternehmen und Selbstständige eine finanzielle Überbrückungshilfe vom Bund ausgezahlt bekommen.

Die sogenannte Überbrückungshilfe III kann eine Höhe von maximal 100.000 Euro im Monat erreichen. Unternehmen, die durch die finanzielle Unterstützung des Staates eine Pleite abwenden können, müssen seit März 2020 für die Beantragung der Insolvenz keine Frist mehr einhalten. Durch die Aussetzung der Insolvenzpflicht kann eine Pleite somit hinausgeschoben und die Auszahlung der Hilfen abgewartet werden. Die Regelung wurde im Januar 2021 von der Bundesregierung bis zum 30. April verlängert. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht spricht von einem wichtigen „Baustein, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern und Arbeitsplätze zu erhalten.“

Kritik kommt von Insolvenz-Experten: Das Gesetz sei zu schwer verständlich und würde falsche Möglichkeiten vorgaukeln. Ausschließlich Unternehmen, welche durch die Ausschüttung der staatlichen Hilfen gerettet werden könnten, müssen ihre Insolvenz tatsächlich nicht anmelden. Reichen die maximal 100.000 Euro monatlich nicht aus, um einen Betrieb zu retten, muss er trotzdem Insolvenz anmelden. Die „Aussetzung der Insolvenzpflicht“ gilt somit nicht für jeden.

Wird die Insolvenzwelle kommen?

Trotz der guten Zahlen ist der Blick in die Zukunft kein rosiger. Der Handelsverband Bayern geht davon aus, dass der Freistaat im Jahr 2021 rund 8.000 Einzelhändler verlieren wird. 150.000 Unternehmen stünden finanziellen Problemen gegenüber, schätzt der Bayerische Industrie- und Handelskammertag.

Die Realität für Gastronomie- & Tourismusbetriebe sieht nicht viel rosiger aus. Eine Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes in Bayern ergab, dass drei Viertel der Unternehmen in dieser Branche mindestens in ihrer Existenz gefährdet sind. Rund ein Viertel stehe gar vor dem Aus.

Das ifo Institut untersuchte im Auftrag der IHK die Entwicklung des Eigenkapitals deutscher Mittelständler. Die Ende Februar veröffentliche Studie zeigt, dass große Unternehmen kaum existenzbedrohende Liquiditätsprobleme haben. Vielmehr seien kleine und mittelständische Unternehmen betroffen.

Frankens Insolvenzzahlen werden steigen

Dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2020 so gering ausgefallen ist, liegt also sehr wahrscheinlich an den versprochenen finanziellen Hilfen und der Aussetzung der Insolvenzpflicht. Die Befürchtung ist nun, dass bei einem Ende der Unterstützung viele Unternehmen ihre aufgeschobene Insolvenz anmelden.

Forscher des Leibniz-Institutes für Europäische Wirtschaftsforschung gehen bundesweit von bis zu 25.000 betroffenen Unternehmen aus. Das Statistische Bundesamt verzeichnete für das Jahr 2019 knapp 19.000 Unternehmensinsolvenzen. Diese Zahl lag zuletzt im Jahr 2013 über 25.000. Die Insolvenzen würden somit in der Tat deutlich steigen.

Eine Insolvenzwelle wird auf jeden Fall auch die fränkischen Unternehmen treffen. Die Hoffnung ist, dass trotz Corona nicht übermäßig viele Betriebe zur Geschäftsaufgabe gezwungen werden. Die aktuelle Lage dämmt die Erwartungen.