Druckartikel: Valeo streicht in Franken über 600 Jobs - vier Werke betroffen

Valeo streicht in Franken über 600 Jobs - vier Werke betroffen


Autor: Ellen Schneider

Franken, Freitag, 16. Januar 2026

Ein Autozulieferer plant in Franken massive Einschnitte. Nun wird klar: In der Region sind mehr Werke betroffen als zunächst angenommen. Ein Standort schließt ganz.
Ein Autozulieferer plant in Franken massive Einschnitte. Nun wird klar: In der Region sind mehr Werke betroffen als zunächst angenommen. Ein Standort schließt ganz.


Der Schock sitzt tief bei zahlreichen Mitarbeitern des Autozulieferers Valeo in Franken. Denn wie das Unternehmen jüngst bekanntgab, sind dort zahlreiche personelle Änderungen geplant. Der Standort in Bad Neustadt an der Saale (Landkreis Rhön-Grabfeld) mit 183 Mitarbeitern soll demnach komplett geschlossen werden. An drei weiteren Standorten werden Stellen abgebaut.

Wie Unternehmenssprecher Andreas vom Bruch am Donnerstag (15. Januar 2026) im Gespräch mit inFranken.de angibt, sollen an den Standorten in Ebern (Landkreis Haßberge) sowie in Erlangen Stellen abgebaut werden. Die dpa berichtet am Freitag (16. Januar 2026): Auch Bad Rodach (Landkreis Coburg) ist betroffen. In Ebern sollen laut dem Valeo-Sprecher 134 Arbeitsplätze abgebaut werden, in Erlangen 158 Stellen. In Bad Rodach sind laut der dpa 230 Stellen betroffen.

Umbruch bei Valeo: Stellenabbau in Ebern, Erlangen und Bad Rodach - Werksschließung in Bad Neustadt

Hintergrund für die Umstrukturierungen an den Standorten sei der Entschluss des Unternehmens, den Forschungs- und Entwicklungsansatz aufgrund der schwierigen Lage der Industrie und des hohen Wettbewerbs im Ausland anzupassen. "In der Branche gibt es Hiobsbotschaften seit Monaten. Angesichts dieser dramatischen Situation muss auch Valeo handeln", betont der Pressesprecher. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des Unternehmens soll demnach in größeren Zentren zusammengefasst werden.

Das entsprechende Zentrum in Deutschland, das durch die neue Strategie künftig gestärkt werden soll, befindet sich in Erlangen. 37 der abgebauten Stellen in Ebern und 40 der gestrichenen Stellen in Bad Neustadt sollen daher künftig nach Mittelfranken verlegt werden. Die Kompetenz aus dem Bereich Elektromotoren aus Bad Neustadt und die elektromechanische Kompetenz aus Ebern würden die vorhandenen Ressourcen in Erlangen demnach vervollständigen. Auch dort sei ein Stellenabbau jedoch nicht zu vermeiden. Diese Maßnahmen sind nun geplant:

  • Standort Ebern: Nachdem dort bereits 250 Stellen abgebaut wurden, sollen nun etliche weitere folgen. 134 Arbeitsplätze sind von den neuen Maßnahmen betroffen. Aus dem Forschungszentrum sollen demnach 37 Arbeitsplätze nach Erlangen verlegt und 72 Stellen gestrichen werden. Im Bereich unterstützender Funktionen sollen weitere 25 Stellen abgebaut werden. Am Standort werden Gummi- und Metallkomponenten gefertigt.
  • Standort Bad Neustadt: Die Belegschaft vor Ort wurde in den vergangenen Jahren bereits massiv reduziert, die Produktion eingestellt. Laut dem Unternehmenssprecher soll der Standort jetzt komplett aufgelöst werden. 183 Mitarbeiter waren dort zum Jahreswechsel noch tätig. 143 Mitarbeiter sollen nun ihren Job verlieren, 40 Stellen nach Erlangen verlegt werden.
  • Standort Erlangen: 77 der in Bad Neustadt und Ebern abgebauten Arbeitsplätze werden in das Forschungs- und Entwicklungszentrum nach Erlangen verlegt. Auch dort sollen jedoch Stellen gestrichen werden - und zwar 158, wie der Unternehmenssprecher mitteilt. Betroffen sei der Bereich Forschung & Entwicklung. 
  • Standort Bad Rodach: Bis Ende 2028 sollen hier laut der dpa 230 Stellen wegfallen. 100 davon in der Produktion, 70 in der Forschung und Entwicklung sowie 60 Arbeitsplätze in unterstützenden Funktionen wie beispielsweise der Verwaltung. Der Bereich Systementwicklung soll laut Valeo demnach jedoch am Standort gestärkt werden. In Bad Rodbach werden Thermokomponenten wie Klimaanlagen produziert. 

IG Metall zu Werksschließung im Kreis Bamberg: "Schlag ins Gesicht"

Die nun beschlossenen Zahlen können sich allerdings noch ändern, betont der Sprecher. Schließlich stünden die Verhandlungen mit den Sozialpartnern noch aus. Auch einen genauen Zeitrahmen könne er bisher nicht nennen. Es sei jedoch davon auszugehen, dass viele Veränderungen noch im laufenden Jahr stattfinden werden.

In Ebern ist die Enttäuschung groß. Wie die IG Metall in einer Mitteilung betont, würden Betriebsrat und IG Metall seit Jahren auf "die Missstände am Standort" hinweisen. Insbesondere Probleme in der Kostenstruktur, die interne Bürokratie und ineffiziente Abläufe seien dabei kritisiert worden. Dementsprechend sei man "maßlos enttäuscht und verärgert".

Denn Betriebsrat und IG Metall hätten demnach bereits Vorschläge und Alternativkonzepte erarbeitet, die das Unternehmen kaum verfolgte. "Es wurde nicht entschieden genug gegengesteuert. Ernst gemeinte Chancen für den Standort waren die letzten Jahre kaum erkennbar", bedauert Andrea Sicker, zweite Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg. "Jetzt zu sagen, es muss weiter abgebaut werden, denn der Standort ist seit Jahren verlustbringend, ist ein Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten", betont sie. Aktuell seien von einst 1.650 Beschäftigten im Jahr 2016 knapp zehn Jahre später nur noch 763 Mitarbeiter bei Valeo in Ebern beschäftigt. "Das ist bitter", betont Sicker.

Valeo schließt Werk in Bad Neustadt - Landratsamt Rhön-Grabfeld in Sorge

Ähnlich sieht es in Bad Neustadt aus: Die Nachricht der Werksschließung schockiert Reiner Gehring, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Schweinfurt und zuständiger Betriebsbetreuer: "Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein Schlag ins Gesicht der verbliebenen Beschäftigten, die mit Herzblut am Erhalt des Standortes gearbeitet haben. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, will sich das Unternehmen aus der Verantwortung ziehen", betont er in einer Mitteilung der IG Metall.

Damit trete das ein, was die IG Metall schon 2023 vermutet habe: "Wir haben klar gesagt: Ein Entwicklungsstandort ohne dazugehörige Produktion wird in diesem Konzern keine Zukunft haben", ordnet Gehring ein. Der Arbeitgeber habe dieses Szenario damals vehement bestritten. Für die Gewerkschaft ist klar: "Die IG Metall Schweinfurt hält die Entscheidung für den absolut falschen Weg." Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Jessica Reichert ergänzt: "Diese Nachricht ist ein Schock für uns. Es geht um Existenzen."

Man sei daher bereits in Abstimmung mit dem Landratsamt Rhön-Grabfeld und suche nach möglichen Lösungen. Dieses äußerte sich gegenüber der dpa zu der Nachricht und kommentierte die Entscheidung als schweren Schlag für den Industriestandort und den ländlichen Raum in Bayern. Der "schleichende Abbau von Industriearbeitsplätzen im Bereich Automotive und Maschinenbau" erfordere "gewaltige Gegenanstrengungen bundesweit, von der Bayerischen Staatsregierung, den Verantwortlichen vor Ort und den Beschäftigten". Landrat Thomas Habermann kündigte demnach an, "mit aller Kraft nach zeitnahen Zukunftsperspektiven für die betroffenen Beschäftigten" zu suchen.

Dieser Artikel wurde mit Material der dpa erstellt.