In der Region werden zur Osterzeit Hunderte Brunnen aufwendig mit Eiern, Blumen und Kränzen geschmückt. Die Tradition der Osterbrunnen ist über 100 Jahre alt.
Die farbenfrohe Tradition des Osterbrunnenschmückens hat ihren Ursprung in der Fränkischen Schweiz – ein Brauchtum, das in Bayern einzigartig ist. Bereits seit mehr als einem Jahrhundert erwartet Besucher in der Osterzeit ein ganz besonderer Anblick: In zahllosen Orten werden Brunnen und Quellen festlich dekoriert, sodass sie zu lohnenden Zielen für Wanderungen oder Radtouren werden.
Nahezu 200 Gemeinden verwandeln ihre Brunnen zwischen Karwoche und etwa zwei Wochen nach Ostern in echte Kunstwerke. Tausende bunte Eierschalen, frische Blumen, aufwendige Kränze und kunstvolle Girlanden schmücken die Wasserspender und zeugen von Liebe zum Detail.
Seit mehr als 100 Jahren: Der Ursprung der Osterbrunnen-Tradition in Franken
Der Hintergrund dieser Tradition liegt in der Bedeutung des Wassers für die einst wasserarme Region der Fränkischen Alb. Durch die spezielle Geologie des Fränkischen Juras, der überwiegend aus wasserdurchlässigem Dolomit- und Kalkgestein besteht, gab es nur wenige natürliche Wasserreserven. Um die Versorgung zu sichern, errichteten die Menschen Brunnen und Zisternen.
Dem Osterwasser wurde laut der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz früher eine besondere Wirkung zugeschrieben. So sollten etwa Kinder, die mit frisch geweihtem Wasser an Ostern getauft wurden, besonders klug werden. Auch sollte das Trinken von Osterwasser dem Volksglauben nach vor Krankheiten schützen, und wer Osterwasser im eigenen Haus verspritzte, sollte so Ungeziefer fernhalten können.
Das "Putzen" der Brunnen beginnt dabei in den verschiedenen fränkischen Ortschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Zumeist aber Ende März oder etwa zwei Wochen vor Ostern.
"Pioniere": Hier steht Frankens ältester Osterbrunnen
Als ältester Osterbrunnen der Region gilt der im Ortsteil Haag bei Aufseß in der Fränkischen Schweiz. Laut einem Bericht vom Bayerischen Rundfunk (BR) wird der Osterbrunnen dort seit über 100 Jahren geschmückt – Filmaufnahmen von 1909 belegen das. Gleichzeitig sei dort "vermutlich" der Ursprung des inzwischen über ganz Franken verbreiteten Brauchtums, denn die Aufseßer würden als die "fränkischen Pioniere des Osterbrunnenschmückens" gelten.
Der Grund: Im selben Jahr – also 1909 – bekamen die Aufseßer ihren ersten Brunnen. Davor musste das Wasser aufwändig mit einer sogenannten Butte den Berg hinaufgetragen werden. Geschmückt wurde er daher aus "Freude und Dankbarkeit" von den Einwohnern, so der BR. Das geschehe in der Regel am Gründonnerstag.