Reifen wechseln oder Fleisch zerlegen und Ausbeinen ist schwere Arbeit. Ein Mechaniker oder Metzger braucht Kraft. Was aber zwei Handwerkerinnen aus Weilersbach nichts ausmacht.

Jasmin Fibich und Carmen Gelbhardt arbeiten in Berufen, die als Männerdomäne gelten. Die 33-jährige Jasmin und die 39-jährige Carmen sind beide Mutter von zwei Kindern und Hausfrauen wie viele andere auch. Das Besondere an ihnen ist aber ihre berufliche Tätigkeit.

Carmen Gelbhardt ist Kraftfahrzeug-Mechatronikerin und Jasmin Fibich Fleischermeisterin. "Da stehen wir unseren Mann", lacht Jasmin. Fleischereifachverkäuferin wollte sie werden und absolvierte ihre Ausbildung in einer Nürnberger Großmetzgerei. Mit Unterstützung ihres ehemaligen Chefs, Alexander Schatz aus Ebermannstadt, schloss die junge Weilersbacherin ihre Meisterprüfung in kürzester Zeit ab. Seitdem arbeitet sie in der Fleischverarbeitung, seit August im Rewe-Markt in Buttenheim


Abwechslungsreich

Sie schätzt den Abwechslungsreichtum, den ihr Beruf zu bieten hat. Dazu gehören Fleisch zuschneiden, ausbeinen, Wurstwaren oder verbrauchsfertige Gerichte herstellen. Ja, anstrengend sei ihr Beruf schon. Beim Schlachten war sie zwar dabei, doch das sei eine Tätigkeit, die Frauen körperlich nicht zumutbar ist, erklärte sie. "In diesem Beruf gibt es auch Grenzen für eine Frau."

Auch für Carmen ist Mechaniker ihr Traumberuf. "Ja, sonst hätte ich ihn nicht gemacht", sagt sie. Sie wollte immer etwas Handwerkliches machen. Doch ihr Opa "Schorsch" fand die Schreinerei für seine Enkelin nicht als optimal. Also machte sie ein Praktikum in den Ferien und entschied: "Jetzt will ich Automechanikerin werden."


Störend fürs Betriebsklima?

Das war 1993. Doch das war damals gar nicht so einfach, wie sich Carmen erinnert, denn Frauen waren in dem Beruf eher eine Seltenheit. "Man dachte, Frauen würden das Betriebsklima stören, oder es fehle zum Beispiel an sanitären Anlagen."

Schließlich bekam sie die Zusage vom Autohaus Riediger in Eggolsheim, wo sie heute noch ist und ihren Beruf von der Pike auf lernte: "Im Betrieb bin ich als Frau voll anerkannt und gehöre bereits zum Inventar."

Schon in der Berufsschule war sie als einziges Mädchen "der Hahn im Korb". Natürlich gab es in ihrem Beruf auch raue Umgangstöne. "Aber geweint habe ich deshalb nicht - nur geschluckt". Der jungen Carmen wurde damals bald plausibel, dass unter Männern ein anderer Umgangston herrscht als unter Frauen. Doch Männer sind auch sehr hilfsbereit, hat sie erfahren.

Stehen schwere Arbeiten an, wird zusammengeholfen, zum Beispiel beim Reifenwechsel.


Ausgleich und Entspannung

Für Carmen und Jasmin gibt es auch einen Ausgleich zu ihrer Arbeit. Bleibt Zeit, engagiert sich die Carmen als Feuerwehrfrau bei der Weilersbacher Feuerwehr, liest gerne oder macht einen Spaziergang mit dem Vierbeiner ihrer Schwiegereltern. Und Jasmin arbeitet mit Freude im Vorstand des örtlichen Kindergartenfördervereins mit, schmökert zur Entspannung in einem Buch oder bastelt.

Worüber jedoch beide Handwerkerinnen sehr glücklich sind: Ihre berufliche Tätigkeit ist mit dem Familienleben prima vereinbar. Die Familie stehe für beide eigentlich an erster Stelle.