Seit vergangenen Dienstag hat sich die Wohnwelt für Peggy Frohberg und ihre Tochter Jennifer verdunkelt: Direkt vor ihrer kleinen Terrasse wurde eine zweieinhalb Meter hohe Mauer errichtet. Sie trennt den Neubau auf dem ehemaligen THW-Grundstück in der Hainbrunnenstraße 3 vom benachbarten Mietshaus Nr. 5. Alles nach Vorschrift, sagt die Baubehörde: Als Schallschutz für die Anwohner. "Doch dafür haben wir weniger Licht im Wohnzimmer", zürnt Peggy Frohberg. Für sie ist dies keine Schutz- sondern eine Schandwand: "Ich fühl' mich jetzt eingemauert".

Tatsächlich bietet sich vom Wohnzimmer aus ein graues Panorama: Im Abstand von nur rund dreieinhalb Metern erhebt sich die "Klagemauer". Man kann sich die Atmosphäre vorstellen, wenn im Herbst die Sonne tiefer steht. Einen goldenen Oktober wird's nie geben auf der Terrasse der Frohbergs. "Ich wohne schon 17 Jahre hier", erzählt die Mieterin. Damals habe sie auf dem benachbarten Gelände das Technischen Hilfswerkes (THW) die Garagen vor der Nase gehabt. Von ihrer Vermieterin sei ihr immer wieder gesagt worden, wenn das THW einmal weg sei, hätte sie auch mehr Licht. "Jetzt haben wir die Mauer vor der Nase".

Die Mauer wurde aufgestockt

Erst sei die Wand nur eineinhalb Meter hoch gewesen, betont Peggy Frohberg - als jetzt nochmals ein Meter drauf gemauert worden sei, habe sie sich beim Bauamt beschwert. "Die haben mir nur gesagt, dass alles so genehmigt worden sei", berichtet die frustrierte Mieterin.

Jochen Saam, der Bauleiter und Planer der Häuser auf dem ehemaligen THW-Grundstück, reagiert merklich genervt, wenn man ihn auf die Mauer anspricht: Es habe mehrere Sitzungen mit dem Bauamt und Landratsamt wegen des Immissionsschutzes gegeben - da sei alles detailliert festgesetzt.
Stadtplaner Alexander Dworschak verweist auf den Bebauungsplan: "Der gibt vor, dass eine Schallschutzwand gebaut wird".

Die Zufahrt zu dem Grundstück Hainbrunnenstraße 3 (siehe nebenstehendes Foto) habe nur an dieser Stelle gebaut werden können. Die Mauer sei zum Schutz der Anwohner. Ursprünglich sollte sie noch länger werden. Dies, was jetzt entstanden sei, sei ein Kompromiss, der mit dem Hausbesitzer erarbeitet worden sei. Die Art der Lärmschutzmauer sei allerdings nicht definiert. Dies bleibe dem Bauherrn überlassen, erklärt Dworschak. Wenn jetzt Beschwerden aus dem Nachbarhaus kämen, so erinnert der Stadtplaner, dann müsse man auch daran denken, dass man mit diesem Gebäude schon sehr nah an die Baugrenze herangegangen sei.

Das alles hilft Mieterin Peggy Frohberg nicht weiter. Ihr würde helfen, wenn die Wand aus Schallschutzglas wäre. Aber das scheint dem Bauherrn wohl zu teuer zu sein. Resigniert stellt sie fest: "Würden Tiere hinter dieser Mauer leben müssen, dann wäre schon längst der Tierschutz da".