Edwin Mayer und Enno Weidt kleben die Plakate für die Lesung von Zekarias Kebraeb an. "Die Schilderung seiner Überfahrt über das Mittelmeer hat mich gepackt. Wie jeder da nur mit dem eigenen Überleben beschäftigt war", sagt Mayer.

Zekarias Kebraeb liest am Dienstag, 9. Dezember, um 19.30 Uhr im Forchheimer Rathaussaal. Am Mittwoch, 10. Dezember, liest er zudem um 10 Uhr im Gasthaus Resengörg in Ebermannstadt. Kebraeb ist für den Pfarrer von St. Johannis eine wortmächtige Stimme für die Asylsuchenden, die mangels Sprachkenntnissen ihre Geschichte nicht erzählen können.

Im Jahr 2002 versuchte der damals 17-jährige Abiturient Kebraeb, dem brutalen Militärdienst in seinem Heimatland Eritrea zu entgehen. Er machte sich auf den Weg nach Europa. Seine Flucht entwickelte sich zu einem Höllentrip durch die Sahara und über das Mittelmeer.
Statt ihm Sicherheit zu geben, entließen die italienischen Behörden den jungen Mann in die Obdachlosigkeit. "In Italien ist er seinem Schicksal überlassen worden und dann sagt Deutschland: Dublin II gilt, du bist über Italien eingereist", kritisiert Weidt.

Wichtiger Sprachunterricht

Weidt, Mayer und die Integrationslotsin Donata Kaman organisieren die Öffentlichkeitsarbeit für das "Netzwerk Asyl". Sie möchten durch die öffentlichen Lesungen um Verständnis werben "für das Schicksal des einzelnen", wie Weidt betont.

Sie engagieren sich dafür, dass die Menschen im Landkreis ein Gefühl für die Nöten und Zwangslagen der Flüchtlinge bekommen. Rund 500 Flüchtlinge leben inzwischen im Landkreis Forchheim. "Das ,Netzwerk Asyl' will Kreise ziehen", betonen Weidt und Mayer.

Ein besonderes Augenmerk legt das Netzwerk darauf, dass die Asylbewerber Deutsch lernen. Schon in der Vergangenheit bot das Berufsförderzentrum entsprechende Kurse an. Allerdings sind diesen finanzielle Grenzen gesetzt. Derzeit läuft kein einziger Kurs.

In diese Lücke ist schon im März die Kirchengemeinde St.- Johannis gesprungen. Dank der Hilfe ehrenamtlicher Lehrer laufen inzwischen vier Kurse. Zwei Frauen betreuen währenddessen die kleinen Kinder. "Wir suchen noch dringend Helfer, es müssen keine Pädagogen sein", wirbt Weidt um weitere Unterstützung.

Ihm sind die unvermeidlichen Probleme nur zu bewusst, die immer dann entstehen, wenn die Deutsch-Kenntnisse der Asylbewerber für den Alltag nicht ausreichen.