Dieses Raubtier ist ein Reizthema. Der FT-Bericht über den Wolf, der am Samstag während einer Drückjagd zwischen Weilersbach und Serlbach gesichtet wurde, rief heftige Reaktionen hervor. Über 40 000 Nutzer klickten den Artikel auf Facebook.

Einer, der das Tier gesehen hat, ist Stephan Keilholz. "Wir wussten nicht, dass ein Wolf in der Gegend sein könnte", sagt der Forchheimer Forstbetriebsleiter (Bayerische Staatsforsten). "Man muss ein zweites Mal hinsehen." Doch zweifelsfrei sei es ein Wolf gewesen, betont Keilholz. Sechs Jäger hätten ihn identifiziert. Der Forstbetriebsleiter hat die "Sichtung" dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) gemeldet. Die Experten dort seien weniger überrascht gewesen.


Wandernde Jungtiere

Mit anderen Worten: Der Wolf von Weilersbach passt zu den vom LfU dokumentierten "Ausbreitungstendenzen" des Wolfes in Bayern. Wie ein LfU-Sprecher am Montag sagte, seien "durchwandernde Wölfe in Bayern" keine Seltenheit. "Für das Jahr 2016 gibt es eine ganze Reihe von gesicherten Nachweisen." Auch im Nürnberger Land sei ein Wolf gesichtet worden: "Oft sind es Jungtiere auf der Wanderung, sie bewegen sich bis zu 50 Kilometer am Tag fort, in Einzelfällen sogar bis zu 70 Kilometer."

Was den Umgang mit Wölfen betrifft, verweist der LfU-Sprecher auf die Homepage der Behörde. Hier findet sich fast unerschöpfliches Material. Auch zum Thema "Wolf und Mensch". Beispiel: "Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?" Antwort: "Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Haben Sie Respekt vor dem Tier. Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück." Und so weiter.
Die Reaktionen auf den Wolf im Kreis Forchheim schwanken zwischen Gelassenheit und Wut. Ein Jäger aus dem Landkreis, der namentlich nicht genannt werden will, kritisiert die hohe Aufmerksamkeit für das Thema: "Der Wolf ist heute da und nächste Woche nimmer. Das ist ein Streuner, das Revier bei uns ist viel zu klein für ihn." Sämtliche Facebook-Einträge sollten gelöscht werden, fordert der genervte Jäger: "Der Wolf ist eine Bereicherung der Natur, der Rest ist Panikmache."

Weit entfernt von Panikmache ist jedenfalls die Kreisbehörde. "Der Wolf ist ein streng geschütztes Wildtier in freier Natur. Der Fall ist weder seuchen-, noch tierschutzrechtlich relevant." So fasste Pressesprecher Holger Strehl die Aussagen der Veterinärmediziner und der Experten im Fachbereich Jagdrecht zusammen. Weniger gelassen reagierte Martin Winter aus Neuhaus/Pegnitz. Er züchtet Ziegen: "Ich könnte ein Opfer des Wolfes sein", sagt der Weide-Tierhalter mit Hinweis auf das Erscheinen des Wolfs bei Bayreuth und auf gerissene Tiere im Nürnberger Land.


Verschlossene Augen?

Die Wolf-Befürworter verschlössen die Augen vor der Realität", kritisiert Martin Winter. Daher werde auch Zensur geübt. "Die Bilder gerissener Tiere, die ich auf Facebook gestellt habe, wurden sofort entfernt." Winter plädiert dafür, Wölfe nur fern von Siedlungen zu dulden. Die anderen sollten gejagt werden.