Verstreute Papiertücher entdeckt Susi Dufey oft in den Büschen und am Wegesrand. Regelmäßig findet sie außerdem Kothaufen. Es sind nicht nur diese Hinterlassenschaften an der Wiese am Wölmer Steg, die sie zur Weißglut treiben. Wenn Dufey morgens oder abends von ihrem Haus in Behringersmühle hier zur kleinen Wiesentbrücke spaziert oder radelt, dann sind sie oft schon da: Wildcamper, die hier über Nacht ihr Zelt aufgeschlagen haben.

"Die Krux ist in meinen Augen: Das sind alles Menschen, die gerne am Busen der Natur leben, so wie wir", ärgert sich Dufey. Doch eben diese Freiluft-Suchenden, die auf der Wiese übernachten, würden die Naturlandschaft dort gefährden. Dufey zeigt den Wendehammer an der Straße oberhalb des kleinen Holzsteges außerhalb von Behringersmühle in Richtung Doos. "Bis zu acht Camping-Fahrzeuge, Kleinbusse oder Pkws parken oft hier. Und auf der Wiese schlagen sie dann ihre Zelte auf", berichtet Dufey. Aber es ginge noch schlimmer: Einige Camper würden mit ihren Fahrzeugen bis runter zur Wiese direkt an der Wiesent fahren.

Corona verstärkt den Freizeitdruck

Der Ansturm durch die illegalen Camper sei in Behringersmühle enorm, bestätigt ihr Nachbar Mathias Kraus: "Diesen Freizeitdruck gab es bei uns zwar schon vorher, aber durch Corona ist es noch ein bisschen verstärkter." Während in den vergangenen Jahren zahlreiche Camping-Urlauber aus dem Ausland wie Polen, Tschechien oder den USA den Wölmer Steg über Nacht besetzt hätten, seien es heuer vor allem Touristen aus Bayern oder der fränkischen Umgebung.

Wenn die Familie Kraus mit ihrem Hund am frühen Morgen Gassi geht, kommt es öfters auch zu Streitgesprächen mit den Wildcampern. "Viele der hier Übernachtenden wissen sogar, dass es verboten ist", ärgert sich Mathias Kraus. Wenn er die Urlauber darauf anspreche, würden sie abwinken: Sie würden sowieso nur eine Nacht oder ein Wochenende bleiben. Vor einer möglichen Strafen würden sie sich nicht fürchten, meint er.

Der Wölmer Steg wird im Internet in der Wildcamper-Szene sogar als Geheimtipp angepriesen. Auf der Webseite www.park4night.com zum Beispiel haben Nutzer die Stelle samt GPS-Standort-Daten andern Campern empfohlen. Vor allem Outdoor-Liebhaber, die zum Klettern, Wandern, Mountainbiken oder Bootfahren in den Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst kommen, würden häufig in der freien Natur übernachten wollen, weiß Rangerin Melanie Chisté. "Wenn man offiziell parkt und im Fahrzeug nur eine Nacht schläft, wird es theoretisch geduldet. Aber Tische, Stühle oder einen Grill aufstellen, sind zum Beispiel verboten."

Der Wendehammer am Wölmer Steg, auf dem Touristen oft ihre Fahrzeuge über Nacht stehen haben, ist aber kein ausgewiesener Parkplatz. Das Übernachten unter freiem Himmel (siehe Artikel unten) ist hier demnach verboten.

Nicht nur in Behringersmühle

"Das Problem besteht aber nicht bloß hier in Behringersmühle. In der ganzen Fränkischen Schweiz gibt es immer wieder Beschwerden wegen Wildcampern", meint Rochus Grün vom Bund Naturschutz. Schädlich für die Natur sind vor allem der liegen gelassene Müll und das illegale Parken auf den Wiesen und Feldern direkt an der Wiesent.

Besonders schlimm sei das Wildcamping-Problem am Wölmer Steg an den Wochenenden. " Ab Freitag ist es exzessiv. Es werden offene Feuer gemacht, es wird gegrillt und auch gefrühstückt", verdeutlicht Mathias Kraus. Viele der Freiluft-Übernachter würden ihr Geschirr auch direkt im fließenden Wasser am Wiesentufer sauber machen. Mathias Kraus und seine Frau sind Jäger, Fischer und Falkner und haben deshalb einen starken Bezug zur Natur. Sie ärgern sich besonders über die Wildcamper "aus der Stadt", die nur "auf öko und outdoor" machen würden, aber mit ihrem Verhalten der Umwelt schaden.

Die Kraus' und Susi Dufey wünschen sich, dass Plätze wie der Wölmer Steg öfter auf Verstöße der Wildcamper kontrolliert werden. Denn selbst Zufahrts- und Feuerstellen-Verbotsschilder sowie ein massiver Stein, den Mitarbeiter des Gößweinsteiner Bauhofs auf dem Weg platzierten, hätten die Wildcamper dort bis heute nicht abschrecken können.

Übernachten unter freiem Himmel: Das ist erlaubt, das ist verboten

Zelten im Freien ist in Bayern zwar nicht ausdrücklich verboten, aber auch nicht überall erlaubt.

Die Rechtslage

In einem bayerischen Wald zum Beispiel darf man übernachten, man darf aber weder ein Zelt aufschlagen noch eine andere Behausung errichten, und sei sie noch so primitiv. Übernachten ohne alles kann aber auch im Wald verboten sein, wenn es sich um einen privaten Forst handelt oder der Naturschutz entgegen steht.

Auf der sicheren Seite ist man, wenn man in der freien Flur, etwa auf einer grünen Wiese, zeltet. Vorher aber den Eigentümer ausfindig macht und dessen Einwilligung einholt.Beim illegalen Zelten drohen Wildcampern Bußgelder von 25 bis 500 Euro. Wer mit dem Wohnwagen unerlaubt campt, dem drohen Geldstrafen von 25 bis 2500 Euro.

Die wichtigste Regel

Es sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht, deshalb noch einmal ausdrücklich: Wer in der Natur unterwegs ist und in der Natur campiert, hinterlässt die Plätze, die er besucht hat, genau so, wie er sie vorgefunden hat. Das heißt: Abfall mitnehmen, offenes Feuer nur unter ständiger Aufsicht und in Grillschalen oder befestigten Feuerplätzen, für das große "Geschäft" ein Loch graben ... mit einem Satz: keine Spuren hinterlassen!

Wer in einem Camping-Mobil, Kleinbus oder Pkw übernachten will, sollte einen offiziellen Camping- oder Caravaning-Platz aufsuchen, erläutert Rangerin Melanie Chisté vom Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst. Eine Liste von Wohnmobil- oder Caravaning-Stellplätzen im Landkreis Forchheim finden Sie unter anderem auf der Webseite der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz unter www.fraenkische-schweiz.com/de/wohlfuehlen/camping-wohnmobil/. "Vor allem an den touristischen Hotspots, wie im Wiesenttal, sind die meisten Urlauber unterwegs", sagt die Rangerin und rät allen Urlaubern, die ruhigere Flecken suchen, den nördlichen Naturpark zu erkunden.gf/rh