Im Kinderzimmer von Felix Augustin stapelten sich die Dino-Bücher, an seine Wände hängte er Poster der Urzeit-Tiere. Heutzutage gräbt der 27-Jährige echte Dinosaurier-Knochen aus und macht als Paläontologe neue Entdeckungen über das Leben auf unserer Erde vor hunderten Millionen Jahren. "Es gibt keine spannendere Geschichte als die Erdgeschichte", meint Augustin. Im Videochat mit dem FT verrät der Ebermannstadter, wie er seinen Berufswunsch Dinosaurier-Forscher wahr gemacht hat.

"Solange ich mich erinnern kann, wollte ich Paläontologe werden", sagt Augustin, der am Feuerstein und in Moggast aufgewachsen ist. Am Gymnasium Fränkische Schweiz hat er 2012 Abitur gemacht. Sein Abschlusszeugnis ziert das Ammonit-Logo der Ebermannstadter Schule. "Das war schon ein bisschen eine Verheißung." Seitdem hat der Paläontologie-Doktorand bereits zahlreiche Ausgrabungsstätten unter anderem in den USA, im Allgäu oder in den Karpaten erforscht.

Spektakuläre Funde

Augustins spektakulärsten Fossilien-Funden sind unter anderem eine Urzeit-Schildkröte und der Oberschenkel-Knochen eines verzwergten Langhals-Sauriers. "Bis wir diesen Knochen aus dem Gestein befreit haben, hat es ein paar Stunden gedauert", verdeutlicht der Forscher und zeigt das armlange Fossil, dass er bei einer Expedition im Hatzeg-Becken in Rumänien ausgegraben hat.

Die Erdgeschichte und Dinosaurier faszinierten Augustin zeitlebens. Nach dem Abi studierte er deswegen Geowissenschaften an der TU-Bergakademie Freiberg. Zum Masterstudium wechselte er ans geowissenschaftliche Institut der Uni Tübingen, einem weltweit bekannten Zentrum für Wirbeltier-Paläontologie. Seit 2019 ist er dort Doktorand. "Wissenschaftlich beschäftige ich mich vor allem mit dem Mesozoikum, also der Zeit der Dinosaurier", erklärt der Ebermannstadter.

Die Urzeit-Tiere lebten grob vor 230 Millionen bis 66 Millionen Jahren auf unserer Erde. Um neue Erkenntnisse über die Dinosaurier zu gewinnen, untersucht der Paläontologe ihre Fossilien. Das Hatzeg-Becken in den südwestlichen Karpaten in Siebenbürgen ist seit seiner Masterarbeit eines seiner Forschungsschwerpunkten. In der Oberkreide war Rumänien zum Beispiel eine Insel, klärt er auf. An gefundenen Saurier-Knochen haben er und seine Forscher-Kollegen außergewöhnliche Spuren entdeckt.

Goldenes Zeitalter der Dinosaurier-Forschung

"Wir waren eine der ersten, die Fraßspuren zum Beispiel von Termiten, anderen Dinosauriern und Säugetieren nachweisen konnten. Und das liefert neue Einblicke in die Ökosysteme damals", erläutert Augustin. Der Paläontologie-Doktorand hat bereits fünf wissenschaftliche Fachpublikationen veröffentlicht. "Wir leben wahrscheinlich im Goldenen Zeitalter der Dinosaurier-Forschung", betont der 27-Jährige: "Und viel wartet noch darauf, erforscht zu werden."

Franken war Dino-Land

Auch in Franken hinterließen Dinosaurier ihre Spuren. Im Sebalder Forst bei Buchenbühl wurden die Knochen-Überreste des Plateosaurus engelhardti gefunden. Und die Solnhofener Plattenkalke im Altmühltal sind weltweit bekannt: Dort ist eine Fundstelle von Archeopteryx-Fossilien. Der älteste echte Vogel dokumentiert den Übergang von den Flug-Sauriern hin zu den Vögeln. "Deutschland und ganz Europa ist Dinosaurier-Land", betont Augustin.

Das Wissen um die Erdgeschichte habe auch seine Sicht auf die Welt. Durch das "Lesen in Gesteinen" hat Augustin gelernt, wie veränderlich die Erde sei. Man gewinne auch ein anderes Verständnis von Zeit und Raum. Leben auf der Erde gibt es seit 3,8 bis vier Milliarden Jahren - "eine unvorstellbar lange Zeit." Augustin verdeutlicht es an einem Beispiel: "Der bekannte Tyrannosaurus zum Beispiel ist vor rund 66 Millionen Jahren ausgestorben. Aber zeitlich ist er näher an uns Menschen dran als zum Beispiel am Stegosaurus, einem anderen sehr bekannten Dinosaurier."

Dinosaurier waren "hochkomplexe Tiere"

Der Ebermannstadter begrüßt das große Interesse an der Paläontologie und die anhaltende Faszination für Dinosaurier. "In der Öffentlichkeit wird auch immer bekannter, dass Dinosaurier sehr komplexe Tiere waren", freut sich Augustin. Die Forschung zeigt immer deutlicher, dass die Dinosaurier wahrscheinlich warmblütig waren und womöglich sogar Sozialverhalten an den Tag legten. "Die Vorstellung, dass Säugetiere den Dinosauriern überlegen sind, ist ein falsches Bild", meint der Paläontologe. Über 160 Millionen Jahre beherrschten die Saurier die Erde, während die viel kleineren Säugetiere wortwörtlich "im Schatten der Dinosaurier" lebten.

Endkretazische Massenaussterben: Glücklich für uns Menschen

Das Massenaussterben am Ausgang der Kreidezeit läutete das Ende ihrer Vorherrschaft ein: Der Einschlag eines Asteroiden vor rund 66 Millionen Jahren bei Yukatan im Golf von Mexiko sowie Vulkanausbrüche im heutigen Indien veränderten das Klima der Erde und führten so zum Aussterben der Dinosaurier. Auch wenn einige Details noch offen sind, ist das endkretazische Massenaussterben das besterforschte Aussterbe-Ereignisse der sogenannten Big-Five, erklärt Augustin. "Letztendlich war es wohl eine Verkettung von unglücklichen Ereignissen, dass sie ausgestorben sind. Für uns Menschen natürlich glücklich. Wenn die Dinosaurier nicht ausgestorben wären, würden wir heute hier nicht sitzen."