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LKR Forchheim
Mobile Dienste

Wenn der Kunde nicht kommen kann

Für immer mehr Handwerker und Dienstleister wird der demografische Wandel zum Geschäftsmodell. Die Friseurin oder die Fußpflegerin schaut zu Hause vorbei.
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Melanie Pfeufer frisiert eine Kundin zu Hause. Foto: Carmen Schwind
Melanie Pfeufer frisiert eine Kundin zu Hause. Foto: Carmen Schwind
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Mobilität ist für Menschen bis ins hohe Alter wichtig. Doch gerade im Alter gibt es da immer mehr Einschränkungen. Ein weiteres Problem in unserer Region ist, dass viele ältere Menschen auf dem Land wohnen - oft alleine in einem Haus - und dieses Land auch noch ziemlich hügelig ist. Wie kommt man da zum Beispiel zum Frisör oder Bäcker?

"Zuerst habe ich für ältere Menschen aus meiner Nachbarschaft am Samstag Brötchen mitgebracht" erzählt Bäckermeister Josef Kraus aus Oberehrenbach. Mittlerweile fährt er mittwochs und samstags mit seinem Auto voller Brötchen und Süßwaren durch die Nachbargemeinden. "Und da ist es wichtig, dass ich immer genau zur selben Zeit erscheine", sagt Kraus schmunzelnd.
Eine seiner Kundinnen kann sich an vieles nicht mehr erinnern, aber sie kauft gerne ein. Da sie nicht alleine unterwegs sein kann, wartet sie sehnsüchtig auf den Bäcker, um selbstständig auswählen zu können.


Den eigenen Kopf durchsetzen

Nadine Gerstner aus Forchheim ist mobile Augenoptikerin. "Ich habe einerseits Kunden, die in einem Seniorenheim leben und meist unter Betreuung stehen, und andererseits Senioren, die noch zuhause leben, aber halt kein Auto mehr fahren", erzählt sie. Entsprechend wird die Optikerin von Angehörigen oder Betreuern gerufen oder von den älteren Herrschaften selbst.

"Oft merken meine Kunden gar nicht, dass ihre Brille nicht mehr passt", berichtet Gerstner. Das sei gefährlich, wenn man zum Beispiel einen Gehstock braucht oder einen Rollator, denn da könne man leichter stürzen.

Die Augenoptikerin bringt nicht nur Brillen, sondern auch Lampen und Lupen mit. "Bei Kunden mit Grauem Star zum Beispiel bringt die Kombination von Brille, Lupe und Licht viel", informiert Gerstner, die sich vor zehn Jahren als mobile Augenoptikerin selbstständig gemacht hat. Schwieriger wird es in Seniorenheimen, wenn die Senioren dement sind oder nicht reagieren. Doch auch hier gebe es Möglichkeiten, die Sehschärfe zu messen.

Dazu nickt Melanie Pfeufer, Friseurmeisterin aus Forchheim-Burk: "Die Herrschaften haben ihren eigenen Kopf, den sie durchsetzen müssen. Da muss die Locke genau an der einen Stelle sitzen, sonst kann es schon mal Tränen geben." Pfe ufer frisiert ebenfalls Senioren in Heimen und bei ihnen zuhause. Allerdings gebe es viele Angehörige, die meinen, weil der Senior im Heim ist, müssten die Pfleger sich um dessen Haare kümmern. "Da heißt es schon mal, die Mama ist im Heim, die kommt doch nicht fort. Also warum zum Frisör gehen?"

Wenn sie privat nach Hause kommt, schneidet sie nur die Haare. "Das ist schwierig bei Hauswaschbecken, deshalb mache ich da keine Dauerwelle oder Farbe", informiert Melanie Pfeufer. Und auch sie darf sich manchen Schwank aus der Jugend des Kunden anhören.

"Ja, das ist ein wenig Psychologie", bestätigt Matthias Gulden aus Bamberg, der mobile Physiotherapie und Massagen im Landkreis Forchheim anbietet. Früher hatte er seinen Hund in den Heimen dabei. "Der war dann wichtiger als ich", so Gulden. In den Seniorenheimen gehe es eher darum, den körperlichen Zustand zu erhalten. Seine Privatkunden wollen da schon mehr tun. Deshalb hat er Massagebank, Massagestuhl, Therabänder und andere Geräte im Auto dabei.


Viele Ältere schämen sich

Andrea Deising aus Moggast ist als mobile Fußpflegerin unterwegs ist. "Bei mir ist es so, dass sich viele Leute schämen wegen ihrer Füße. Und dann kommen sie zu spät zur Behandlung", erzählt die Fußpflegerin. Sie betreut auch Patienten im Bezirkskrankenhaus in Erlangen in der Schlaganfallabteilung.
"Viele ältere Menschen können einfach ihre Nägel nicht mehr kürzen. Manche können dann schon fast nicht mehr laufen. Ich habe eine spezielle Apparatur. Da dauert die Behandlung eine halbe Stunde und alles ist wieder gut", so Andrea Deising.

Die fünf Dienstleister machen ähnliche Erfahrungen mit Senioren, doch eines haben sie gemeinsam: Sie lieben ihren Beruf.