Der Forchheimer Zahnarzt Markus Schlee ist auf Implantate spezialisiert. Seine Erfindung ist in der ganzen Welt begehrt.
Wenn Markus Schlee in seinem Operationssaal in der Bayreuther Straße 39 steht, dann sehen ihm manchmal auch Kollegen irgendwo in Europa oder Amerika über die Schultern.
Längst hat der promovierte Zahnarzt nicht mehr die Zeit, um dauernd herumzureisen und allen Interessierten sein Wissen weiterzugeben. Daher werden viele seiner Operationen live von Forchheim aus via Internet in die Welt übertragen.
Der aus Ebermannstadt stammende (und in Forchheim niedergelassene) Zahnarzt ist auf Parodontologie und Implantologie spezialisiert. Er weiß also Bescheid, wie man Zähne erhält - und wie man sie nötigenfalls wieder ersetzt. Drei Lehraufträge hat Markus Schlee angenommen. Seine Räume in der Bayreuther Straße nutzt er als Praxis - und als Fortbildungszentrum. 50 Gäste finden hier Platz. 1#googleAds#100x100 An vier Tagen der Woche praktiziert Schlee in Forchheim; an zwei Tagen ist der Implantologe "unterwegs" und bildet andere Zahnärzte aus.
Wobei der 52-Jährige betont, dass er die Bezeichnung Implantologe "eigentlich nicht mag". Der Begriff lege nahe, dass es darum gehe, den Menschen Implantate einzusetzen. "Doch die Implantologie ist nur ein notwendiges Übel", betont Markus Schlee. Er verstehe sich eher als "Zahnarzt, der Implantate setzt."
Und diese Fähigkeit übt er nicht nur erfolgreich aus - er hat sie erfolgreich weiterentwickelt. 8000 Implantate hat Schlee in den letzten 20 Jahren eingesetzt. Und seit 2005 wendet er eine eigene Erfindung an, die er mittlerweile 150 Mal erprobt hat und die den Patienten viel Schmerz und Geld erspart.
Denn, wenn Zähne fehlen, dann bildet sich der Knochen zurück. Lange Zeit stand die Implantologie daher vor zwei schwierigen Fragen: Woher soll der zu ersetzende Knochen kommen - und wie kann er optimal dem Kiefer des Patienten angepasst werden?
Gewonnen wurde der Knochen bisher oft entweder aus dem Kiefer oder aus dem Beckenkamm des Klienten. Dafür war eine größere Operation nötig. "Und die Anpassung des Knochens fand im Mund statt, also in einem mit Speichelbakterien verseuchten Milieu", erläutert Markus Schlee. Folge: Das Risiko von Komplikationen war hoch. Außerdem mussten die Klienten nach der OP am Beckenkamm oft noch lange an Krücken gehen.
All das gehört der Vergangenheit an: Dr. Markus Schlee hat ein Verfahren ausgetüftelt: Bonebuilder® . Es beruht auf zwei Neuerungen. Erstens: Das von ihm verwendete Knochenmaterial kommt von einer Spenderbank. Was später im Kiefer landet, wird aus Knochen gewonnen, den andere Menschen gespendet haben - etwa nach einer Hüftgelenksoperation.
Zweitens: Markus Schlee hat sich von einem Softwarespezialisten ein Programm schreiben lassen; es ermöglicht, das Implantat "am Rechner vorzukonstruieren".
Virtueller Knochenersatz
Nachdem per Computertomographie ein dreidimensionales Bild vom Kiefer des Patienten gemacht wurde, kann Schlee nun am Bildschirm einen virtuellen Knochenersatz dreidimensional nachbauen. "Der Entwurf ist auf 0,05 Millimeter genau", sagt der Zahn-Experte. Diesen am Rechner vorkonstruierten Knochenblock verwendet dann eine Spezialfirma, um das Original zu fräsen.
Der tatsächliche Eingriff am Patienten dauert nach all diesen Vorarbeiten "nur noch 20 Minuten", sagt Schlee. Und so erspare sich der Patient nicht nur eine über zweistündige Operation am Becken. Er spare auch Geld.
Bevor es diese Entwicklung gab, lagen die Kosten für einen Knochenaufbau mit Beckenkamm (oft mit stationärem Aufenthalt) bei bis zu 5000 Euro. Nun sind sie in den meisten Fällen auf unter 2000 bis 2500 Euro gesunken.Vor zwei Jahren war der Forchheimer Zahnarzt mit seinem Patent in die Öffentlichkeit gegangen. Seitdem wurde das Verfahren weltweit über 1000 Mal übernommen. Und im Umkreis von Forchheim schicken mittlerweile viele Zahnärzte ihre Patienten zu Markus Schlee, damit sie sich in der Bayreuther Straße behandeln lassen.
Das Patent habe seinen Berufsalltag "total verändert". Und schon ist Dr. Markus Schlee dabei, an weiteren Verbesserungen zu arbeiten. Offensichtlich reizt ihn die Weiterentwicklung seines Faches. "Ich will nicht nur Löcher bohren", sagt Schlee. Sein neuestes Patent, das er zusammen mit einer Forschungsgruppe entwickelt hat (insgesamt schon sein siebtes) liefert eine Antwort auf die Frage, wie Entzündungen an Implantaten behandelt werden können. Bislang sei das nicht möglich gewesen. Aber jetzt sieht es danach aus, dass es einen Therapieansatz geben wird. Die entsprechende Methode wird Markus Schlee seinen Kollegen am 16. März bei einem Kongress in Frankfurt präsentieren.