1994 war für Affalterthal ein ganz wichtiges Jahr, weil nach 20-jähriger Vorbereitungszeit - "endlich", wie viele meinten - das Mehrzweckhaus in Angriff genommen wurde: Als Heim für die Vereine und für gesellige Dorffeste. 25 Jahre ist das nun her, eine Gelegenheit, etwas in der Vorgeschichte, die fast genauso lange dauerte, zu stöbern.

Es war das Projekt des Hans Deuerlein, früher Bürgermeister von Affalterthal und nach der Gebietsreform Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Egloffstein. Von der alten eigenen Gemeinde hatten die Affalterthaler einen schönen Batzen Geld mit in die "Zwangsehe" eingebracht und misstrauischen Blickes achtete vor allem Deuerlein darauf, dass das Geld in Sinne der Affalterthaler ausgegeben wurde.

"Opfer der Gebietsreform"

Wie auf einigen Tafeln beim Pavillon am Ortseingang nachzulesen ist, sah man sich 1978 als "Opfer der Gebietsreform" und prangerte die "diktatorische Auflösung unserer Gemeinde" an. Von 100 000 Mark "Mitgift" war die Rede, und das Geld sollte wieder nach Affalterthal zurückfließen.

Dass das neue Mehrzweckhaus letztendlich 1,7 Millionen Mark kostete, mag auch an der sehr langen Planungszeit gelegen haben, die dem Bau vorangegangen war. "Die Halsstarrigkeit von Hans Deuerlein", so der damalige Landrat Otto Ammon bei der Einweihung Ende April 1996, führte schließlich zum Erfolg.

Schon 1973 gab es erste Überlegungen für den Bau eines Vereinshauses. Der Gedanke wurde umso drängender, als sich im Zuge der Gemeindeauflösung 1978 der Schützenverein und der Heimatverein gründeten und plötzlich Bedarf für ein Vereinsheim/Schützenheim bestand. Und auch die Feuerwehr hielt Ausschau nach einem Schulungsraum für ihre Mannschaften, die bisher sehr eingeengt untergebracht waren. Durch die Gebietsreform, die andere Prioritäten setzte, wurden die Planungen für das Vorhaben zeitweise unterbrochen, erst 1981 ging die Planungsarbeit weiter.

Anlieger protestieren

Ursprünglich wollte man das Gebäude im Brunnleitental bauen, was den Widerspruch zahlreicher Anlieger dort hervorrief und das ganze Vorhaben wieder infragestellte. Es entstand eine Bürgerinitiative gegen den Bau der Halle. Sie ließ den Bau stoppen, weil man eine "große Lärmbelästigung" fürchtete.

Landrat Ammon wurde deutlich: "Wenn nicht schnell Einigkeit erzielt wird, dann ist das ganze Vorhaben Mehrzweckhaus gestorben." Elf Bürger hatten Einspruch gegen den Bau erhoben und die Regierung von Oberfranken forderte ebenfalls Einigkeit bis Ende des Jahres 1982. Danach gäbe es keinen Zuschuss mehr für die Halle, hieß es. Zudem entschieden sich in der Dezembersitzung die Egloffsteiner Gemeinderäte mehrheitlich gegen den Bau - trotz Unterschriftensammlung, in der sich die Mehrheit der Affalterthaler Bürger dafür aussprach.

Eklat im Gemeinderat

Die Sitzung, in welcher der Bauplan abgelehnt wurde führte zum Eklat, da anschließend alle Affalterthaler, auch die drei Gemeinderäte, unter lautem Protest den Sitzungsraum verließen. Erst im Frühjahr 1983 hatten sich die Gemüter wieder beruhigt. Es dauerte jedoch wieder fast zwei Jahre, ehe die Planungen wieder aufgenommen wurden.

1986 kam das Vorhaben erneut ins Stocken, weil sich im April in Bieberbach eine Interessengemeinschaft "Gegner der Mehrzweckhalle'' gebildet hatte, die den Bau in Affalterthal als "zu teuer" ablehnte und von jährlichen Unterhaltszahlungen in sechsstelliger Höhe sprach. Die große Befürchtung war, die Gemeinde Egloffstein verkaufe das leerstehende Schulhaus in Bieberbach, um mit dem Geld das Mehrzweckhaus in Affalterthal zu finanzieren. 43 Bieberbacher Bürger teilten diese Ansicht und traten der Interessensgemeinschaft unter Leitung von Hans Hofmann bei.

2500 Einsatzstunden

1987 wurde der Standort im Brunnleitental aufgegeben, da sich abzeichnete, dass die laufenden Einsprüche das Vorhaben auf viele Jahre blockieren könnten. Dann verzichteten die Affalterthaler noch auf den geplanten Einbau eines Gasthauses, was die Kosten senkte und schließlich fand man noch einen anderen Standort, den jetzigen am Ortseingang von Egloffstein kommend. Damit war die Idee gerettet.

1989 stellte die Affalterthaler einen neuen Bauantrag und 1994 begann schließlich die Bauphase, auch hier maßgeblich unterstützt von Hans Deuerlein, der beispielsweise den Maschinenpark seines Steinbruchunternehmens beim Aushub zur Verfügung stellte. Und auch die Affalterthaler halfen fleißig mit und arbeiteten rund 2500 Stunden an dem Projekt.

Platz für 130 Gäste

Heute hat nun die Feuerwehr einen Schulungsraum gegenüber dem Feuerwehrhaus oben im Dach und die Schützen ihr Domizil im Keller darunter. Dazwischen liegt die Festhalle mit 150 Quadratmetern und Platz für rund 130 Gäste. Eine kleine Warmhalte-Küche und eine Theke schließen sich an. Im angebauten Dörres-Haus, dessen Denkmalschutzcharakter für weitere Zuschüsse sorgte, ist ein Behinderten-WC untergebracht, Garderoben und ein Raum für Hochzeiten oder auch die Wahlen.

Vom Bau des Mehrzweckhauses legte Hans Deuerlein ein Fotoalbum an, das den Baufortschritt aufzeigt. Im Vorwort beschwor er den Geist und den Zusammenhalt des Dorfes: "Einigkeit macht stark" so sein Motto, das heute als große Tafel im Sitzungszimmer der Marktgemeinde Egloffstein einen guten Platz gefunden hat.