Reges Treiben herrscht derzeit in und um das Musikheim von Weingarts. Noch eifriger als sonst üben die Musiker. Und dazu haben sie auch allen Grund: Am kommenden Wochenende feiert der Musikverein Weingarts seinen 50. Geburtstag. Gleichzeitig tagt der Festausschuss unter dem Vorsitz von Johannes Will.

Wie sich die Zeiten über die Jahrzehnte geändert haben, zeigt ein Blick in die Chronik. Vor 25 Jahren hat sie der damalige Vorstand Kilian Galster zusammengetragen, Sandra Förtsch schrieb sie zum aktuellen Anlass fort. 14 Förderer und Mitglieder riefen die Knabenkapelle 1964 ins Leben. Insbesondere Benno Zametzer war ein Motor der Gruppe, die zunächst nur für kirchliche Anlässe gedacht war.

Die Jüngsten waren neun

14 junge Musiker wagten den ersten Auftritt am 5. April 1964. Sie spielten zur Erstkommunion in der Pfarrkirche St. Georg. Die Jüngsten mit neun Jahren waren Edmund Harrer und Rudolph Zehner. Die Instrumente mussten die Eltern der jungen Spieler bezahlen.

Die erste Probe hatte zuvor in der Küche der Familie Jakob Kaul stattgefunden, später fand sich die Schreinerwerkstatt von Jakob Kaul als neuer Übungsraum für die Knabenkapelle. Strenger waren die Sitten noch 1967. Bei der Einweihung des neuen Leichenhauses spielten zwar die jungen Musiker - allerdings außerhalb des Friedhofs: Die Ruhe der Toten sollte nicht gestört werden.

Am 15. Mai 1968 stand die formelle Gründung im Vereinslokal "Zur Linde" an. Aus der Knabenkapelle wurde der Musikverein. Geprobt wurde künftig bei Erich Kohlmann, ein Jahr später im Gasthaus "Weißes Lamm". Alfred Hoffrichter war der Dirigent.

Josef Engelhardt und Benno Zehner waren die ersten Vorstände. Schrittweise verstärkten Mädchen die Kapelle. 1972 wurde die erste Tracht des Musikvereins gekauft. Hermann Seiler wurde Dirigent. Er war es auch, der ein Probegeld in Höhe von 1,50 DM pro Musiker einführte.

1976 übernahm Hans Kaul die musikalische Leitung. Mit ihm stabilisierte sich der Verein auf lange Sicht. 1977 und 1978 war dennoch wieder einmal der Umzug in einen neuen Proberaum fällig. Es war das alte, leer stehende Wohnhaus der Familie Hirschmann. Gut zu beobachten ist, wie der Verein langsam aber stetig die Musikausrüstung erweiterte, vieles im täglichen Leben anspruchsvoller wurde. So leistete er sich schon 1979 eine Verstärkeranlage für 10 000 DM und eine neue Tracht.

Zeichen der Versöhnung

1988 übernahm Kilian Galster die Vereinsführung. Halb amüsiert erinnert er sich, wie man am 19. März 1988 sämtliche Musikutensilien auf den Wagen lud und Karl Blank mit dem Schlepper die Ausrüstung zum neuen Proberaum im Feuerwehrhaus fuhr.

Das war der erste Raum, den die Gemeinde zur Verfügung stellte, und damit kehrte dann auch Kontinuität ein. Die Gemeinde bleibt Eigentümer, der Verein hat Sicherheit auf lange Sicht. 2005 nehmen die Musiker einen weiteren Aus- und Umbau des Proberaums in Angriff.

Im Juni 1989 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen. Die Musiker waren längst eine geschätzte Gruppe, mit Aufnahmen bei Funk und Fernsehen. Die die Jahre sind jeweils gezeichnet von vielen gesellschaftlichen Höhepunkten. Musik wird eben an vielen Stellen gepflegt, ja gebraucht.

Eine weitere Besonderheit des Musikvereins Weingarts ist seine freundschaftliche Verbindung zu Kreta. Dort gedenkt die Oberfränkische Gebirgsjägerkameradschaft regelmäßig ihrer Gefallenen im Weltkrieg.
Die nächste Reise ist 2015 geplant. Bei diesem sensiblen Thema setzen die Weingartser Musiker ein musikalisches Zeichen der Versöhnung.
2010 ging Kilian Galster auf eigenen Wunsch und nach 22 Jahren als Vorsitzender von Bord. Heute ist er Ehrenvorsitzender. "Mir ist es eine große Freude gewesen, den Verein zu übernehmen. Ich habe Respekt vor der Leistung der Mitglieder und freue mich, dass es so gut weitergeht", urteilt er über sein hinterlassenes Erbe. "Ohne Musikkapelle ist die Ortschaft tot", glaubt er. Die Leute auf dem Dorf wüssten das.


Festprogramm

Freitag, 16. Mai
Guide Henn und seine Goldenen Blasmusik spielen um 20 Uhr. Einlass ist um 18 Uhr.

Samstag, 17. Mai
Um 20 Uhr spielen die Dorfrocker. Einlass ist um 18 Uhr.

Sonntag, 18. Mai
Der Tag beginnt um 9 Uhr mit einem Kirchenzug zur Pfarrkirche St. Georg. Dort findet ein Festgottesdienst statt. Anschließend gibt es einen Frühschoppen mit den "Schlegler Blasmusikanten".
Um 13.30 Uhr findet ein Gemeinschaftskonzert am Sportplatz statt, dem ein Festzug durch Weingarts folgt.
Ab 14.30 Uhr unterhält die Jubiläumskapelle die Besucher im Festzelt.