Wandern und Krimischreiben sind für Irene Hohe eng verwoben. Auf einer Wanderung wurde sie zur Krimiautorin. Und wer ihren Krimi genauer verstehen will, dem empfiehlt sie die Schauplätze abzuwandern.

Vor drei Jahren war die 56-Jährige mit ihrem Mann im Wiesenttal unterwegs, als er sie aufforderte: "Schreib doch endlich mal nen Krimi." Ein Mann hängt kopfüber an einem Baum und hat einen Pfeil im Kopf. "Die Situation mit dem Toten war die Vorgabe meines Mannes", erinnert sich Irene Hohe.

In den letzten drei Jahren machte sie dann die faszinierende Erfahrung, wie sich Fiktion und Realität zu einem Regionalkrimi verschmelzen lassen. Immer wieder tauchten Elemente ihres Lebens in dem Roman auf, ohne dass die Autorin es bewusst geplant hatte.

Die Bogenschützin mit der Feder

Zum Beispiel: Im richtigen Leben haben die Autorin und ihr Mann einen Schäferhund. Die beiden sind Bogenschützen, wandern gerne in der Fränkischen Schweiz und bewundern Fledermäuse. Irene Hohe geht ins Fitnessstudio, ihr Mann lernt Tschechisch...

All diese Versatzstücke tauchen in der Krimi-Wirklichkeit wieder auf. Schon im Titel "Myotis", was auf Latein Fledermaus heißt. Der aus der Tschechei stammende Kommissar besitzt einen Wolfshund und ermittelt in der Fränkischen Schweiz. Der Tote, der am Baum hängt, stellt sich als Bürgermeister von Wiesenttal heraus. Dahinter stecke aber keinerlei Anspielung auf den real amtierenden Bürgermeister der Gemeinde Wiesenttal, betont Irene Hohe.

Ihren Schreibprozess schildert sie so: "In der Fantasie kommt ein Bild zum nächsten. Mir erscheinen immer wieder Personen vor Augen. Bei einem Mann, den ich aus dem Fitnesstraining kenne, dachte ich plötzlich: So sieht mein Kommissar aus. Dann kriegen die Personen Leben und manchmal entwickeln sie ein Eigenleben und machen was sie wollen."

Traindorf ist ihre Kindheit

Dass die geborene Nürnbergerin, die im Landkreis Bamberg lebt, ihren Krimi in der Fränkischen Schweiz spielen lässt, begründet sie mit ihrer Verbundenheit zu dieser Landschaft: "Traindorf ist nicht nur der Schauplatz meines Krimis, sondern meiner Kindheit. Es ist eine wahnsinnig schöne Gegend - außerdem gibt es hier perfekte Parcours zum Bogenschießen, zum Beispiel in Oberfellendorf."

Traindorf, Wiesenttal, Birkenreuth, Oberfellendrof, Ebermannstadt, Wannbach, das sind die Schauplätze; auch Forchheim, wo der Hund des Kommissars einen Termin beim Tierarzt hat. Irene Hohe zieht die Leser förmlich in ihre Lieblingslandschaft hinein; fordert sie in einem Nachwort sogar dazu auf, die Zwanzig-Kilometer-Tour der Lohmanns (so der Namen ihrer Protagonisten) nachzuwandern: "Mit großer Wahrscheinlichkeit entdecken Sie auf der Wanderung viele lauschige Plätze. Leichen, die an Bäumen hängen dagegen eher weniger."

Von Islandbüchern zum Krimi

Irene Hohe musste sich an den literarischen Umgang mit Leichen erst gewöhnen. Denn die 56-Jährige schreibt zwar seit ihrer Kindheit und hat ab 2004 eine Reihe von Romanen veröffentlicht. Doch sie schrieb ausschließlich leichte Unterhaltungsbücher über Island - und vor allem Islandpferde.

"Krimischreiben ist schwieriger als Pferderomane zu verfassen", sagt Irene Hohe. "Beim Krimischreiben muss alles miteinander stimmen, diese ganze Logik aus wann, wer und was."

Die Autorin aus Lohndorf hat das Glück, ihre ehemalige Verlegerin Kerstin Kehl als Co-Autorin an ihrer Seite zu haben. Die Hamburgerin habe die erste Fassung ihres Romans "analysiert und zerpflückt", erzählt Irene Hohe: "Kritik muss man abkönnen." Andernfalls werde ein Krimi nicht stimmig. Irene Hohe nahm die Kritik an und schrieb die erste Fassung ihres Fränkische Schweiz Krimis komplett um.

Am Ende habe sogar einer ihrer kritischsten Leser, ihr Ehemann, den Roman lesenswert gefunden.