Zumindest Herbert Wolfrum und seine Mitstreiter können in dieser Geschichte entspannt agieren. Denn die 17 Mitglieder des Kolpingshaus-Vereins haben sich entschieden: Verkaufen werden sie das Gebäude am Kolpingsplatz auf keinen Fall.
Wenn die Stadt dort also eine Kulturhalle bauen will, kann sie das nur auf Basis eines Erbpacht-Vertrages. "Wir bieten 99 Jahre an", sagt Vorsitzender Wolfrum, "wenn nicht, betreiben wir das Haus weiter wie bisher. Wir veranstalten Konzerte, türkische Hochzeiten und Ähnliches. Wir haben so unser Auskommen."

Um mit der Kolpingsfamilie verhandeln zu können, hat die Stadtverwaltung ein Wertgutachten und eine Wirtschaftlichkeits-Analyse in Auftrag gegeben. Doch die Inhalte kennen die Stadträte noch nicht.
Udo Schönfelder, Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion, spricht von einem "dreistufigen Verfahren". Das Wertgutachten sei Stufe 1. "Jetzt muss mit Kolping verhandelt werden und dann folgt Stufe 3, der Realisierungswettbewerb." Schönfelder propagiert den Erbpachtvertrag. "Was soll auch die bessere Alternative sein? Eine Stadthalle auf der grünen Wiese käme erheblicher teurer. Wir müssten auf Denkmalschutz-Fördermittel verzichten und hätten am Ende eine fantasielose Schuh-Schachtel." Annette Prechtel, die Vorsitzende der FGL-Stadtratsfraktion, kritisiert, dass "die "Rahmenbedingungen noch immer nicht auf dem Tisch liegen". Der Standort Kolpingshaus sei geeignet, betont Prechtel. Doch es fehle jegliche Transparenz bei der Umsetzung des Projektes. Die Rolle der Kulturschaffenden sei noch immer ungeklärt und OB Uwe Kirschstein (SPD) lasse "seine Vorstellungen nicht erkennen". Die FGL-Rätin warnt: Die Verzögerung gefährde die Kulturarbeit der Stadt. Zudem sei es "indiskutabel", hohe Summen zu investieren, ohne Eigentümer des Kolpinghauses zu werden.

Von 17 bis 19 Millionen Euro war zuletzt die Rede. Daher haben sich die Freien Wähler vom Thema verabschiedet. FW-Rat Ludwig Preusch erinnert an die "Millionensummen" für die Rathaussanierung. Hinzu kämen Schulsanierungen. Folglich müsse das Thema Kulturhalle verschoben werden: "Das Kolpingshaus jedenfalls begeistert uns nicht. Das Konzept ist nix Gescheites, ein Teil der 800 Besucher würde die Bühne nicht sehen. Außerdem wäre ein Neubau günstiger", sagt Preusch.

Für die SPD erinnert Fraktionssprecher Reiner Büttner an die Beschlüsse: Die Eigentumsverhältnisse müssten geklärt, eine Wirtschaftlichkeits-Analyse vorgelegt werden. "Das Haus sollte in das Eigentum der Stadt übergehen und das Raumkonzept für 800 Zuschauer muss auch die Idee einer Stadthalle mit umsetzen", fordert Büttner.
Sebastian Körber (FDP) hält dagegen: "Wir waren uns mit den Freien Wählern und den Grünen einig, dass wir eine Stadthalle ablehnen." Körber schwebt ein Kulturzentrum "wie das E-Werk Erlangen" vor. Das sei am Kolpingsplatz realisierbar. Eine Erbpacht käme aber überhaupt nicht in Frage: "Das machen wir nicht bei einem Projekt, in das die Stadt 15 bis 20 Millionen Euro steckt."


Kommentar

Kulturhalle wird scheitern

D er Plan für den Bau einer Kulturhalle am Kolpingsplatz zieht sich schon zu lange hin. Ärgerlich ist das vor allem für jene Kulturschaffenden (etwa im Jungen Theater), die sich um ihren künftigen Spielort sorgen und weder aus noch ein wissen. Gleichzeitig zeichnet sich ab: Aus einem Kulturzentrum Kolpingshaus wird nichts werden. Die Freien Wähler haben das Projekt aus Kostengründen ohnehin schon abgeschrieben. Und da die Kolpingsfamilie das Haus nicht aus der Hand gibt, werden es auch die Grünen und die FDP abschreiben müssen, da sie eine Erbpachtvertrag-Lösung ablehnen. Das tut im Grunde auch die SPD. Doch selbst wenn sie sich noch umstimmen ließe, dürfte sie kaum die schwarzen Stimmen für ihre Stadthallen-Idee am Kolpingsplatz gewinnen können. Wer soll also das Kulturzentrum durchsetzen? Selbst ein geschlossenes CSU/JB-Votum reichte dafür nicht aus. Davon abgesehen, dass es auch in der CSU Stimmen geben wird, die kein 17-Millionen-Euro-Projekt befürworten, solange niemand weiß, wovon die mindestens so teure Sanierung des Rathauses bezahlt werden soll.