Jedes zweite Säugetier, jeder dritte Vogel, jeder dritte Fisch und jede dritte Pflanze seien vom Aussterben bedroht. Deshalb, so Klaus Stangl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sollen Lebensräume mit einer besonderen Artenvielfalt, so genannte Flora-Fauna-Habitate, unter besonderen Schutz gestellt werden. Eines dieser Gebiete ist die Region zwischen der "Friesener Warte" und der "Langen Meile".

Bei einer Informationsveranstaltung in der Eggerbachhalle in Eggolsheim präsentierten Vertreter des Landwirtschaftsamtes die Ergebnisse der Kartierung des knapp 1900 Hektar großen Gebietes, von dem 56 Prozent im Landkreis Bamberg und 44 Prozent im Landkreis Forchheim liegen. Der überwiegende Teil, rund 80 Prozent, sind Waldgebiete. Im Zuge eines Management-Planes wurden Maßnahmen vorgestellt, die den Erhalt des Status Quo sicherstellen sollen.


Quillt über vor intakter Natur

Das Gebiet repräsentiere eindrucksvoll typische Laubwald und Fels-Lebensräume, unterstrich Martin Renger vom Kartier-Team. Angesichts des Strukturreichtums mit blütenreichen Wiesen, Kalkmagerrasen und Wacholderheiden, Kalktuffbächen, krautreichen Waldsäume und einer vielfältigen Tierwelt unterstrich Renger: "Der Landkreis Forchheim quillt über vor intakter Natur. "

Exakt listeten Renger und sein Kollege Michael Rampp die Anzahl und Größe von Wacholderheiden, Kalk-Pionierrasen Kalkmagerrasen mit und ohne Orchideen, mageren Flachland-Mähwiesen, Kalktuffquellen, Kalk-Schutthalden, Kalkfelsen und Höhlen auf. Besonders wertvoll machen solche Flächen wie etwa Kalkmagerrasen besondere Orchideen wie die Mücken-Händelwurz, die Bienen-Ragwurz oder das Helm-Knabenkraut. An seltenen Pflanzen entdeckten die Kartierer auf 30 Hektar aber auch die Bocks-Riemenzunge, den Deutschen Enzian, der sonst nur im Hochgebirge wächst, die Küchenschelle oder die Kalkaster.


Fledermäuse und Salamander

Die Waldgebiete unterteilen sich in Hainsimsen- und Orchideen-Buchenwälder, Hang-Schluchtenwälder, 17 Hektar Auwälder, Quellenwälder und Buchenwälder mit so genannter Mittelwald-Bewirtschaftung. Die solle unbedingt weiter betrieben werden, denn nur so behielten die hoch spezialisierten Lebensgemeinschaften mit seltenen Pflanzen ihre Lebensräume.

Joachim Preißer berichtet von Vorkommen der Mopsfledermaus, der Bechsteinfledermaus und des Großen Mausohres. Ihre wichtigsten Rückzugsräume seien ein Keller zwischen Frankendorf und Ketschendorf und die Karsthöhle nördlich von Frankendorf. Die bekannteste "Kinderstube" der Mausohr-Fledermäuse sei der Dachboden der Kirche in Amlingstadt.

Zu den seltenen Tierarten gehört neben dem Salamander, der in Kalktuffbächen lebt auch die "spanische Flagge", eine Schmetterlingsart, deren wichtigste Wirtspflanze, der Wasserdost, unbedingt erhalten werden soll. Um den Charakter der Landschaft zu bewahren sei die Hüte-Schafhaltung ebenso unentbehrlich wie Ziegen, die dafür sorgen, dass schwer zugänglich Flächen nicht verbuschen .


Weiter so!

Der wichtigste Tipp, den Gebietsbetreuer Andreas Schmitt den Grundstückeigentümern mit auf den Weg gab, lautete: "Weiter so wie bisher. Nur so habe sich die einzigartige Artenvielfalt entwickeln können. In Einzelfällen riet er zu einer Vermehrung des Totholz-Anteiles in den Wäldern. Ebenso bat er darum, lebensraum-typischen Baumarten wie Mehlbeeren, Feldulmen, Eschen, Linden und Vogelbeeren eine Chance zu geben.