Bei der SG Kleinsendelbach/Hetzles aus der Fußball-Kreisklasse 2 ER/PEG gibt es in der Sommerpause einen Trainerwechsel. Dass der bisherige Co-Trainer den Posten von Markus Lutz übernimmt, ist an sich keine Seltenheit. Dass der zukünftige Trainer bei seinem Amtsantritt aber erst 18 Jahre alt sein wird, das kommt dann doch nicht alle Tage vor.

Als Simon Müller zum Start der laufenden Saison das Amt des Spielertrainers der U19-Spielgemeinschaft zwischen Neunkirchen, Hetzles, Dormitz und Kleinsendelbach übernahm, war das bereits ungewöhnlich, da es in der Jugend normalerweise nur Übungsleiter Trainer an der Seitenlinie gibt. Ein Jahr später schreibt er die nächste Schlagzeile, denn mit nur 18 Jahren - im September wird er 19 - wird Müller Cheftrainers der SG Kleinsendelbach/Hetzles, die in ihrer ersten gemeinsamen Spielzeit von Markus Lutz betreut wird. "Wenn ich es mir nicht zutrauen würde, hätte ich den Posten nicht übernommen", sagt der Jungspund, der gerade eine Ausbildung zum Physiotherapeuten absolviert.

"Klar ist das eine Riesenaufgabe, aber seit der Winterpause bin ich bereits Co-Trainer der ersten Mannschaft und habe meine ersten Erfahrungen gemacht", erklärt Müller. Der Teenager kennt das Team und vor allem die Spieler, die im Sommer aus der A-Jugend in den Herrenbereich aufrücken. Ob es überregional schon einmal einen jüngeren Trainer einer Kreisklassenmannschaft gab, ist nicht bekannt. In der Geschichte der beiden Fusionsklubs sowie des Spielkreises Erlangen/Pegnitzgrund ist Müller aber sicherlich der jüngste aller Zeiten.

"Wir bekommen eine große Zahl von Jugendspielern dazu. Simon trainiert diese bereits, von daher war es für uns naheliegend, ihn als Kandidaten auf dem Schirm zu haben" , berichtet der sportliche Leiter Michael Friedrich über den Inhaber einer Trainer-C-Lizenz. Gleichwohl sprechen beide von einem gewissen Risiko, das mit einem derart jungen Übungsleiter einhergeht. Nicht zuletzt deshalb ist die SG noch auf der Suche nach einem Co-Trainer, der dem jungen Spielertrainer zur Seite stehen soll.

Müller begann mit dem Kicken in Dormitz. Weil sein Vater Fritz dort Coach der Ersten war, wechselte er aber in der E-Jugend zu seinem eigentlichen Heimatverein SV Hetzles. Ab der C-Jugend probierte es der Ebersbacher unter anderem beim Baiersdorfer SV, SK Lauf, FC Eintracht Bamberg und TV 48 Erlangen. Als er in die Landesliga-A-Jugend des BSV zurückkehrte, wurde er von einer schweren Verletzung zurückgeworfen. Mittlerweile läuft er jedoch wieder auf und traf in der laufenden Saison für den Kreisklassisten in zwölf Partien bereits elf Mal.

Der Blick geht nach oben

Seine Vision? "Wir wollen mit den vielen jungen Spielern über die Jahre etwas aufbauen und den Blick in Zukunft nach oben richten", sagt Müller. Aktuell steht die SG auf Rang 5, Aufstiegsrelegationsplatz 2 ist 18 Zähler entfernt. "Sportlich läuft es gut, wenn man bedenkt, dass das Ziel der Verantwortlichen war, dass wir nicht absteigen", merkt Lutz an, der die interne Liste mit 15 Treffern vor seinem Co-Trainer anführt. "Das Jahr hat Spaß gemacht, aber die Vorstellungen von mir und der SG was die nächste Saison betrifft waren zu verschieden. Wir trennen uns im Guten", erklärt der 31-Jährige zu seinem Abschied nach knapp zwölf Monaten. Ob er zur neuen Spielzeit wieder einen Trainerposten übernimmt, weiß er noch nicht.