Die Spielrunde 2 (Frühjahrsrunde) im Jugendfußball fällt aus. Die Auf- und Abstiege, die in der Herbstrunde ausgespielt wurden, gelten nun für die Saison 2021/22, wie Florian Weißmann unlängst bekanntgab. Im Gespräch äußert sich der Jugendleiter des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) zur Situation.

Aufgrund der Corona-Pandemie ruht der Ball in Bayern, und das bereits seit November. Wie unwohl ist Ihnen dabei?

Florian Weißmann: Wir haben an den zwei Wochenenden vor dem Lockdown eine immens steigende Unsicherheit zur Austragung von Fußballspielen gespürt. Das hat sich in der Absagenflut bemerkbar gemacht. Zu diesem Zeitpunkt war der Lockdown im Sport wohl richtig. Unwohl ist mir mehr bei der möglichen Dauer des Lockdowns bis ins Frühjahr hinein.

Vereinzelt darf in anderen Bundesländern trainiert werden. Hatte der BFV nicht die Kraft, um eine solche Ausnahmeregelung bei der Landesregierung durchzusetzen oder wurden gar keine Anstrengungen unternommen?

Ganz im Gegenteil: Wir halten ein Training für unsere Kinder und Jugendlichen aus sozialen und gesundheitlichen Gründen für extrem wichtig. Gemeinsam mit der Bayerischen Sportjugend und zahlreichen weiteren Jugendleitungen aus den anderen Sportverbänden versuchen wir, die Staatsregierung zu einem Umdenken zu bewegen.

Die offiziellen Hallenmeisterschaften fallen aus. Wird es irgendein Angebot für die Nachwuchsfußballer in der Halle geben?

Unser Ziel ist es, einen Futsal-Ligaspielbetrieb anzubieten. Das Interesse dafür war in diesem Jahr extrem hoch. Abhängig ist das von der Freigabe des Mannschaftssports in der Halle.

Es gibt Leute, die sich um das psychische Wohl der Kinder im Lockdown sorgen. Ist das ein Thema, das den BFV beschäftigt?

Mich bewegt das Thema sehr. Bei Kindern und Jugendlichen wirken sich die Einschränkungen aus meiner Sicht deutlicher aus als bei Erwachsenen. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung bestehen gar nicht. Diese Maßnahmen werden unsere Kinder und Jugendlichen in gewisser Weise prägen. Wie stark und wie nachhaltig, kann ich nicht beurteilen.

Die Spielrunde 2 wurde bereits in der geplanten Form abgesagt. Können sich die Jugendmannschaften trotzdem darauf verlassen, dass sie, sobald es wieder erlaubt ist, Pflichtspiele unter Wettkampfbedingungen austragen können?

Ja, klar. Es wird einen Spielbetrieb geben. Ziel ist es, diesen leistungsgerecht zusammenzustellen. Die Absage bezieht sich ausschließlich auf die Option eines Wettbewerbs mit Auf- und Abstieg. Dieser kann bei den noch offenen Spielen nicht durchgeführt werden.

Rechnen Sie mit einem großen Schwund an Nachwuchsfußballern nach dem Corona-Jahr?

Ich hoffe, dass Kindern und Jugendlichen in dieser Zeit noch mehr bewusst wird, wie wichtig das Treffen mit Freunden und die körperliche Bewegung sind. Der Zulauf im Sommer hat aber bereits deutlich nachgelassen.

Sind die Vereine bei der Bewältigung des Nachwuchsproblems auf sich gestellt oder kann ihnen der Verband unter die Arme greifen?

Wir können gemeinsam Ideen umsetzen, wie wir wieder mehr junge Menschen für den Fußball gewinnen. Wichtig finde ich, dass wir bisherige traditionelle Denkweisen ablegen und kinder- und jugendgerechte Angebote machen. Gleichzeitig dürfen wir das Engagement, das Interesse und die Freizeitgestaltung der Eltern nicht vergessen. Die aktuelle Studie zeigt uns, wo wir ansetzen können. Wir haben bereits Ideen und wollen diese in Projekten ausprobieren.