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Fußball

Kein Amateurfußball vor September

Die Zwangspause wird sich um einige Zeit verlängern. Der Bayerische Fußballverband will am Freitag bekanntgeben, dass die unterbrochene Saison frühestens im Herbst fortgesetzt wird.
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Der Ball im bayerischen Amateurfußball ruht mindestens bis zum 31. August.  Foto: Sportfoto Zink
Der Ball im bayerischen Amateurfußball ruht mindestens bis zum 31. August. Foto: Sportfoto Zink
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Das Verbot von Großveranstaltungen bis 31. August infolge der Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf den Amateurfußball. Wie diese genau aussehen, will der Bayerische Fußballverband (BFV) am Freitag in einer Pressekonferenz bekanntgeben. Bereits durchgesickert ist, dass der Spielbetrieb auf Amateurebene - also von der Regionalliga bis zu den B-Klassen - mindestens bis Ende August ruhen wird.

Danach soll die unterbrochene Saison fortgesetzt werden. Der Vorlauf für den Wiederbeginn soll mindestens vier Wochen betragen. Ein Abbruch der Saison 2019/20 ist nach Informationen aus bfv-nahen Quellen keine Option. Grund dafür ist wohl, dass der Verband dann eine Klagewelle auf sich zukommen sieht. Warnende Beispiel sind Österreich und England. Nachdem in diesen beiden Ländern die Amateur-Saison mit sofortiger Wirkung beendet und annulliert worden war, formierte sich umgehend Widerstand, da sämtliche sportlichen Leistungen der Teams für nichtig erklärt wurden. Zahlreiche Klagen von Vereinen erreichten die jeweiligen Verbände.

Amateure: keine Geisterspiele

Der BFV hatte in den vergangenen Wochen bereits betont, dass es im Amateurbereich keine Partien unter Zuschauer-Ausschluss geben und sich der Verband zwingend nach den staatlich verordneten Einschränkungen richten wird. Darauf gelte es zu reagieren und die passenden Antworten für den Amateurfußball zu liefern. "Oberstes Gebot bei den Überlegungen ist es, allen Vereinen größtmögliche Flexibilität zuzugestehen. Ein stupider Saisonabbruch hilft uns gewiss nicht weiter", sagte BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher, der im Präsidium für den Spielbetrieb im Freistaat verantwortlich ist, Anfang April.

Flexibilität wird von den bayerischen Fußball-Chefs auch bei der Planung der Saison 2020/21 gefordert sein. Diese kann definitiv nicht im Juli/August starten. Ein neues Zeitfenster muss gefunden werden, wobei es wohl auch Überlegungen gibt, auf die Spielzeit 20/21 komplett zu verzichten - je nachdem, wann der Spielbetrieb nach der Corona-Zwangspause wieder aufgenommen werden kann.

Wir haben uns bei Vereinen in Franken umgehört, welche Lösung sie präferieren.

SC ELTERSDORF:

Verständlicher Weise begrüßt der SC Eltersdorf die geplante Fortsetzung der Saison. "Wurscht, wie. Von mir aus mit Geisterspielen und englischen Wochen", sagt Teammanager Joachim Uhsemann. Der Funktionär des Tabellenzweiten der Bayernliga Nord hofft sogar auf einen früheren Re-Start, falls sich die Pandemie schnell abschwächt. Die Problematik mit bereits unterschrieben Verträgen, die Spieler und Trainer ab Juli an einen neuen Verein binden, sieht Uhsemann relativ locker: "Der DFB soll das Fenster einfach um die entsprechende Zeit verschieben." Somit ist der Eltersdorfer optimistisch, dass im September auch Dickson Abiama noch für den SCE stürmen würde, der von Zweitligist Greuther Fürth verpflichtet wurde.

FC EINTRACHT BAMBERG:

"Der Verband muss eine schwierige Entscheidung treffen, ich verstehe, dass er sich reichlich Zeit lässt und sich rechtlich absichern will", sagt Jörg Schmalfuß, Vorsitzender des Bayernligisten. "Für uns wäre ein Saisonabbruch und ein sauberer Schnitt zum 30. Juni die ideale Lösung, das sagt sich in unserer Situation aber leicht. Wir sind Tabellensechster."

Sollte sich die Saison bis Jahresende ziehen, würde sich auch das bis 30. Juni laufende Geschäftsjahr um mehrere Monate verlängern. Nur bis zu diesem Stichtag laufen aber die finanziellen Vereinbarungen mit den Sponsoren sowie die Spielerverträge. "Die Kosten strecken sich dadurch in die Länge, ohne im vor Saisonstart erstellten Budget gedeckt zu sein", sagt Schmalfuß. In finanzielle Schieflage sieht er den Klub aber nicht steuern. "Wir haben Maßnahmen eingeleitet, seit 1. April sind die Aufwandsentschädigungen für Spieler und Trainer ausgesetzt."

DJK DON BOSCO BAMBERG:

Als einer der wenigen Vereine kamen die Wildensorger Anfang März in der Bayernliga in den Genuss eines Punktspielsiegs. Geht es nach dem sportlichen Leiter Holger Denzler, dann war der 3:0-Sieg beim FC Viktoria auch der letzte in dieser Spielzeit. "Dass bis zum 31. August keine Fußballspiele stattfinden, ist der richtige Schritt. Nun sollte der Verband Rückgrat beweisen, die aktuelle Saison abbrechen und sie im September neu beginnen." Als Kompromiss bringt Denzler ins Spiel, den Aufstieg zu ermöglichen und auf Absteiger zu verzichten. "Es würde sich zwar die Zahl der Mannschaften in einer Liga erhöhen, das ließe sich aber lösen, wenn in der Saison darauf mehr Teams direkt runter müssten."

FC SAND:

Dass im Herbst die Saison fortgesetzt werden soll, ist für Erich Barfuß nicht vorstellbar. "Wir haben zum 1. Juli einen großen Umbruch im Kader, einige Spieler sind dann weg, neue hinzugekommen. Und nach zehn Monaten Pause soll die Saison einfach fortgeführt werden? Das ist nicht machbar", sagt der sportliche Leiter des Bayernligisten. Erschwerend kommt hinzu: Auch der Vertrag von Trainer Dieter Schlereth endet, die Mission Klassenerhalt müsste sein Nachfolger Matthias Strätz fortsetzen. "Wir können froh sein, wenn im Herbst wieder der Ball rollt und die neue Saison im Oktober beginnen kann."

SV FRIESEN:

Beim Landesligisten aus dem Landkreis Kronach sieht Vorsitzender Alexander Graf, der bei der Abstimmung über Geisterspiele dagegen war, die Situation entspannt. "Weil es uns nicht betrifft. Unsere Mannschaften liegen alle im Mittelfeld. Ich kann es aber nachvollziehen, wenn Vereine, die kurz vor dem Aufstieg stehen, gegen einen Saisonabbruch sind."

Für Graf stelle sich nur die Frage, wie es nach dem 31. August weitergeht? In der Landesliga Nordwest stehen noch zwölf Spiele aus. Einen Plan gebe es offensichtlich nicht. Finanziell trifft die Corona-Pandemie den Verein wie jeden anderen. "Außerdem haben wir unser Vereinsheim verpachtet. Da kommt derzeit auch nichts rein. Allerdings steht der SV auf gesunden Beinen. "Es ist schwierig, eine vernünftige Regelung zu finden, aber was ist derzeit schon einfach?"

DJK Eggolsheim:

Für Christian Martin, scheidenden Coach des Teams aus der Kreisliga 1 ER/PEG, ergeben sich einige Fragen: "Was ist mit Akteuren, die ihre Karriere im Sommer beenden wollen oder aus aus privaten Gründen kürzer treten müssen? Was ist mit Spieler- und Trainerwechseln? Einige wären sicher bereit, länger zu bleiben, aber was, wenn der Verein bis dahin einen neuen Trainer hat, übernimmt der dann?"

Abgesehen von der unklaren Rechtslage gibt der 51-Jährige zu bedenken: "Wie will man Zweikämpfe führen oder den Gegner eng decken, ohne sich potenziell anzustecken?"

Für problematisch hält es Martin, dass bei Wiederaufnahme der Spielzeit im September für einige Teams fast zehn Monate seit der letzten offiziellen Partie vergangen sein werden. Seine Prognose lautet deshalb: "Die Saison wird annulliert." Während er seinen Kickern ein Programm aus Stabilitäts- und Kraftübungen zugesandt habe, finde er selbst mehr Zeit für die Familie und komme dazu, mal wieder ein Buch zu lesen. Gut für Martin, dass Bibliotheken demnächst wieder öffnen dürfen.

BSC ERLANGEN:

Udo Prell fand die Zwangspause zunächst ganz angenehm. "In der Vorbereitung ist man ja häufiger am Platz als daheim. Auf Dauer fehlt mit der Fußball aber natürlich", berichtet der Coach des BSC Erlangen aus der Kreisklasse 1. Statt auf Trainingspläne oder Videomeetings vertraute er bislang auf Fitness-Apps und die Ehrlichkeit seiner Jungs. "Jetzt wird die Motivation sicher schwinden", fürchtet der 44-Jährige. "Es liegt aber an jedem Spieler selbst, in welchem Zustand er zurückkommt."

Spannend findet Prell vor allem, wie die Saison zu Ende gespielt werden soll. "Mit englischen Wochen würde es vielleicht hinhauen. Der Verband muss sich auf jeden Fall bald und klar dazu äußern. Ich hoffe aber, dass die Saison 2020/21 nicht komplett ausfällt."

TSV KIRCHEHRENBACH:

Helmut Stock, langjähriger Funktionär des TSV Kirchehrenbach, war von der Meldung sehr überrascht. Zwar glaubte er vorher daran, dass die Saison fortgesetzt würde, allerdings wesentlich früher, so dass die kommende Spielzeit Mitte September hätte beginnen können. Egal, wie es kommt - mögliche Zeitfenster sieht Stock: "Bis vor wenigen Jahren haben wir ja auch bis weit in den Dezember hinein gespielt." Über die teaminterne WhatsApp-Gruppe erfahre der Spielleiter, der wegen der Ausgangsbeschränkungen zum Hobbygärtner mutiert, wie sich die Jungs aus der Kreisklasse 2 ER/PEG fithalten und sehe den TSV daher gut gerüstet für einen Neustart.

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