Zum zweiten Mal in dieser Handball-Saison ist ein Spieler des Bundesligisten HC Erlangen positiv auf Corona getestet worden. Das für Sonntag geplante Heimspiel gegen die HSG Nordhorn-Lingen wurde deshalb abgesagt. Es wäre die letzte Partie des Jahres gewesen. "Jetzt haben wir eben zwei Tage früher Pause", sagt Trainer Michael Haaß, der seine Nationalspieler mit eineinhalb weinenden und einem halben lachenden Auge zur Weltmeisterschaft nach Ägypten fahren sieht.

Viel Verständnis von Haaß

"Ich verstehe alle Interessen, die da im Spiel sind. Ich verstehe jeden, der die Chance wahrnehmen will. Und ich kann alle Absagen von Akteuren nachvollziehen", erklärt Haaß am Telefon in häuslicher Quarantäne noch weitgehend diplomatisch, bekennt dann aber Farbe: "Ich sehe das in der jetzigen Situation kritisch, das Risiko ist einfach zu hoch. Ginge es nach mir, würde die WM nicht stattfinden."

Mitte November war HCE-Torwart Klemen Ferlin mit einer Infektion von der Länderspielreise mit Slowenien nach Erlangen zurückgekehrt, eine aufwendige Kontaktnachverfolgung in Reihen seiner Vereinskollegen erübrigte sich. Diesmal war die Lage heikler. Den betroffenen Spieler möchte der Bundesligist (vorerst) nicht nennen. Zumal das Ergebnis eines Kontrolltests aussteht. Ob und wann die anderen Profis ihre Isolation verlassen dürfen, entscheidet sich ebenfalls anhand der Testreihe. "Wir erwarten die Ergebnisse spätestens im Laufe des Montags", sagt Haaß.

Die Nachricht über den positiven Befund erreichte den Coach am Samstag auf dem Weg zum Training, das daraufhin auch abgesagt wurde. "Wir haben uns sofort mit der HBL und mit dem Gastverein in Verbindung gesetzt", erzählt der 37-Jährige. Einen Nachholtermin für die Partie gegen Nordhorn gibt es noch nicht. "Bisher sind wir ganz gut durchgekommen. Es sollte also nicht all zu schwer werden, in der Rückrunde einen Tag zu finden."

Möglichst bald aus der Quarantäne wollen vor allem Kreisläufer Sebastian Firnhaber und der rechte Rückraumakteur Antonio Metzner, die erstmals im deutschen Aufgebot für ein großes Turnier stehen. Das Erlanger Duo rutschte zum einen wegen der prominenten Absagen von Steffen Weinhold, Fabian Wiede, Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek, aber auch aufgrund eigener starker Leistungen in den Kader von Trainer Alfred Gislason. Die Vorbereitung des DHB-Teams beginnt am 3. Januar in Neuss, Abflug ist am 12., sein erstes Spiel bestreitet Deutschland am 15. Januar.

Fränkische Beteiligung in der Handball-Bundesliga gab es am Sonntagabend trotzdem: Der HSC Coburg holte sich bei den Rhein-Neckar-Löwen die erwartete Packung ab (24:39).