Der Aufsteiger empfängt ein vermeintliches Spitzenteam: Zum InFranken-Kick bekommt es die SpVgg Weißenohe in der Kreisklasse 3 am Sonntag um 15 Uhr mit dem FC Wichsenstein zu tun. Durch ein 0:1 scheiterten die Gäste im Vorjahr gegen Hiltpoltstein im Entscheidungsspiel um den Vizetitel. Weißenohe schaffte mit 122:34 Toren den direkten Wiederaufstieg in die Kreisklasse und erzielte dabei fast doppelt so viele Treffer wie Vizemeister Egloffstein. Das ist Makulatur. Beide Rivalen sind punktlos und bereits leicht unter Druck.


Kreisklasse 3

SpVgg Weißenohe - FC Wichsenstein
Der Saisonstart hätte besser verlaufen können. Während die SpVgg in der relativ ausgeglichenen Auftaktpartie gegen den SV Gößweinstein das 1:2 erst in der sechsten Minute der Nachspielzeit kassierte - die erste Heimniederlage in einem Punktspiel seit Oktober - ging die auf vergangenen Donnerstag verlegte Partie in Betzenstein verdient mit 0:3 verloren. Zu allem Überdruss musste Bastian Hager mit Rot vom Platz.

Gökhan Kül, in seiner zweiten Saison als Spielertrainer in Weißenohe, geht dennoch mit kühlem Kopf in die Saison: "Die Euphorie im Verein und im Umfeld ist groß, auch innerhalb der Mannschaft. Wir sind Meister mit fünf Punkten Vorsprung geworden, sollten aber trotzdem die Kirche im Dorf lassen." Der 36-jährige Nürnberger ist im Spielkreis durch seine Engagements in Thuisbrunn und Neuses sowie beim TKV Forchheim und durch seine Schusstechnik - vor allem bei Standards - ein Begriff: "Wir sind Aufsteiger, deshalb ist unser Hauptaugenmerk, möglichst nicht im Abstiegsbereich zu landen. Sollten wir das meistern, wäre alles, was dann kommt, eine willkommene Zugabe." Da der Kader zusammenblieb und mit einem Neuzugang sowie aus der eigenen Jugend aufgefüllt wurde, sieht Kül sein Team für die Kreisklasse gewappnet: "Wir sollten somit stärker geworden sein und bauen auf unsere mannschaftliche Geschlossenheit. Vor allem meine jüngeren Spieler sind sehr hungrig und motiviert, da muss man sogar manchmal etwas bremsen. Sie gieren nach einem Erfolgserlebnis, das ist positiv. Ich hoffe, dass jetzt in der heimischen Atmosphäre und mit Unterstützung unserer Anhänger der Knoten platzt."

Ebenso holprig startete Wichsenstein und ging mit einem 1:4 beim Absteiger SC Eckenhaid baden. Spielertrainer Stefan Rubner, der mit Co-Trainer Johannes Sebald in die vierte Spielzeit geht, will nichts schönreden: "Das Resultat spiegelt in etwa die Leistungen, wir suchen nicht nach Ausreden. Aber die Vorsaison wirkt bei uns noch immer nach. Unsere Gegner sagten in hoher Häufigkeit ausgerechnet die Spiele gegen uns ab, so dass wir von Ende März bis Ende Mai binnen acht Wochen 15 Partien bestreiten mussten, darunter sechs Spiele unter der Woche, von denen wir fünfmal auswärts anzutreten hatten." Für einen Verein mit überschaubarem Kader sei diese permanente Dauerbelastung nicht zu stemmen, die Verletzungsanfälligkeit nehme von Spiel zu Spiel zu, da sich die Akteure nicht wirklich erholen können, sagt Rubner, dem selbst im Entscheidungsspiel gegen Hiltpoltstein Anfang Juni die Achillessehne riss und der noch bis 2018 wird pausieren müssen: "Die Sehne war zuvor schon leicht gereizt, ich konnte sie aber nicht auskurieren. Und ich wollte meine Mannschaft in den wichtigsten Saisonspielen nicht im Stich lassen."

Auch andere seiner Akteure hätten in jener Phase große muskuläre Probleme verschleppt und sind nach dem verlorenen Kampf um Platz 2 trotz des geleisteten Kraftaufwandes nun in ein mentales Loch gefallen, was Rubner mehr Kopfzerbrechen bereitet als die noch längst nicht erholte Physis: "Vor allem bei meinen jüngeren Spielern galt es zunächst, das negative Erlebnis aus den Köpfen zu drängen. Ich hoffe, es ist gelungen. Und bei den erfahrenen Akteuren, die über ihrem Leistungszenit sind, dauert die körperliche Regenerationsphase halt einfach länger. Wir sind keine Profis, haben nebenbei Beruf und Familie." Zudem fiel das zweite Saisonspiel gegen Herpersdorf aufgrund der Platzverhältnisse aus - wiederum ein frühes Nachholspiel ist die Folge.