Ein Qualifikant, ein Routinier, der Titelverteidiger und Benjamin Becker (ATP 106) bestreiten die heutigen Halbfinalbegegnungen beim Bauer Watertechnology Cup. Wenn man als Qualifikant - zu einem 35000-Dollar-Challenger wie diesem antritt, ist man erst einmal heilfroh, wenn man die drei Runden erfolgreich übersteht. Bis dato ist außer Spesen finanziell noch nichts gewesen. Ist man dann aber eine Woche später, also am heutigen Samstag, im Halbfinale, dann schaut die Tenniswelt schon wieder rosiger aus. Zum einen werden die Übernachtungskosten übernommen ("Hospitality"), zum andern hat man schon 1760 Euro sicher in der Tasche.

Einer der vier Auserwählten ist der Qualifikant Ante Pavic (ATP 586), der im ersten Viertelfinale seinen sechsten Sieg binnen sieben Tage feiern konnte. Das Losglück und der bisherige Spielverlauf wollten es so, dass es zu einem Qualifikantenduell mit Marton Fucsovics kam.
Pavic, über 300 Ränge hinter Fusovics, steckte den Satzverlust weg, bekam mehr und mehr Oberwasser und verwandelte nach zwei Stunden den Matchball zum überraschenden 6:4 im Finalsatz.

Noch eine halbe Stunde länger dauerte der Auftritt des heutigen Pavic-Kontrahenten: Mikail Youzhny, ehemals die Nr. 8 der Welt und bereits über 12 Millionen Dollar in seiner langen Karriere erspielt, lag gegen Luca Vanni 3:6, 0:3 und zwei Breakchancen für den Italiener zurück, als er sich aus der Verliererrolle herauskatapultierte. Die vergebenen Möglichkeiten rächten sich für den Südeuropäer bitter, denn der Russe präsentierte sich nun spielerisch besser und blieb cool, ganz besonderes im Tiebreak und dem extrem spannenden dritten Durchgang (7:5), der an die Substanz ging.

Nach diesen Marathon-Matches hatte Vorjahressieger Ruben Bemelmans (ATP 109) es viel eiliger. Gegen den Bosnier Aldin Setkic waren nur die ersten Spiele umkämpft (4:3), ehe das schnelle Schicksal seinen Lauf nahm. Der Belgier als Nr. 2 des Turniers machte in einer Stunde alles klar und gab kein Spiel mehr ab. Wie im Vorjahr eilt Bemelmans "zweigleisig" von Erfolg zu Erfolg.


Bei Brown geht nichts

Es ist nicht verwunderlich, dass Dustin Brown im Spiel des Tages gegen Benjamin Becker zunächst böse unter die Räder kam (1:6), wenn man weiß, dass der starke Aufschläger Ladehemmung hatte: nur drei Asse, aber sechs Doppelfehler. Im zweiten Satz trat Besserung ein, jedoch nur bis zum fünften Spiel, als Becker seine Breakchance zum 3:2 verwandeln konnte. Im deutsch-deutschen Duell nahm dann alles seinen (befürchteten) Gang: Becker selbstbewusst und sicher, Brown fehlerhaft und chancenlos. In nur 53 Minuten war diese einseitige Partie beendet. Der nächste Becker-Herausforderer heißt Ruben Bemelmans, da ist viel mehr Widerstand zu erwarten.

Am heutigen Samstag finden die Halbfinals (14 Uhr Doppel, ab 16 Uhr Einzel) statt. Sollte es Bemelmans verwehrt bleiben, auch 2015 wieder in beide Finalspiele einzuziehen, dann lautet der Spielplan am Sonntag: Doppelfinale um 12 Uhr, Einzel-Endspiel um 14 Uhr. Falls der Belgier das "Double" angreifen kann, findet zuerst das Einzel (13 Uhr), dann das Doppel statt.