Über Jahrzehnte bestand zwischen der Stadt Forchheim und den Mallersdorfer Schwestern eine enge Verbindung. 118 Jahre lang haben sie im städtischen Krankenhaus in der Versorgung von Patienten und im Katharinenspital in der Betreuung von alten Mitbürgern hingebungsvoll Dienst geleistet. Vor genau 30 Jahren wurden die Armen Franziskanerinnen von der Ordensgemeinschaft der Heiligen Familie aus Forchheim abberufen. Aber ein reger Kontakt besteht weiterhin, amtlich festgelegt in einer zuletzt 2015 erneuerten Verfügung des Bürgermeisters.

Offiziell beauftragt ist damit der langjährige Geschäftsführer des Klinikums, Reinhard Hautmann. Er hat schon unter seinem Amtsvorgänger die wertvolle Arbeit der Schwestern - meist in Leitungsstellen - kennen und schätzen gelernt, aber ihm und seiner Ehefrau Eugenie ist es eine Herzenssache, die Verbindung mit Zeichen der Wertschätzung zu erfüllen. Zu Weihnachten und an Ostern überbringen sie im Auftrag der Stadt Präsente und legen an den Gräbern der Verstorbenen Blumengebinde nieder.

Bis zuletzt wurden sie oft vom früheren Chefarzt Karl-Heinz Gsänger begleitet. Auch Stadtpfarrer i.R. Monsignore Otto Donner weilte zu Besuchen in Mallersdorf und an dessen 60-jährigem Priesterjubiläum nahmen die Schwestern interessiert Anteil, berichtet Reinhard Hautmann.

Es war der Nachwuchsmangel

Der 1990 neu ins Amt gewählte Oberbürgermeister Franz Stumpf bezeichnete es als ersten betrüblichen Vorgang seiner Amtszeit, die Mallersdorfer Schwestern nach fast 120 Jahren Tätigkeit verabschieden zu müssen. Mehrere Redner würdigten im Rathaussaal deren uneigennütziges und hingebungsvolles Wirken. Übergroß stand das "Vergelt's Gott" über der Festversammlung. Nachwuchsmangel hatte die Ordensprovinz zu diesem Schritt veranlasst.

In all den Jahren danach hielt das Ehepaar Hautmann engen Kontakt zu den Schwestern, unter ihnen Alora Kaufmann, der unter OB Ritter v. Traitteur der Goldene Ehrenring der Stadt verliehen wurde, Franziska Zitzelsberger, Josefine Ebnet, Regis Feilnreiter, Gislena Auhofer (bekannt als "Storchentante" auf der Entbindung) und Sigisbalda Stöger (Leiterin Küche). Die Kontakteinschränkungen der Corona-Pandemie bedingten es, dass die Hautmanns das Kloster das letzte Mal an Weihnachten 2019 besuchen konnten. Unvergesslich ist ihnen, dass sie den Wunsch der 100 Jahre alten Babette Kröppelt aus Wimmelbach erfüllen konnten, das Grab ihrer Schwester in Mallersdorf besuchen zu dürfen, und ungewöhnlich war dieses Mitbringsel: ein Bienenvolk fürs Kloster von Imker Gerhard Dafner, das sie im Auto transportierten.

Mit Bamberg begann es

Die Mallersdorfer Schwestern betreiben ihr Mutterhaus in einer ehemaligen Benediktinerabtei, die 1109 von fünf Mönchen aus der Abtei Michelsberg in Bamberg begründet wurde. 1869 kaufte die Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie den in Privatbesitz befindlichen Teil des Klosters und siedelte 1869 von Pirmasens nach Mallersdorf (zwischen Regensburg und Dingolfing gelegen) über. Jahrzehntelang wuchs die Schwesterngemeinschaft, so dass Gebäude angebaut werden mussten.

Durch klostereigene Betriebe wurde deren Versorgung sichergestellt. Obwohl die Gemeinschaft inzwischen weniger geworden ist, leben, beten und arbeiten auf dem Klosterberg viele Schwestern.

Größter Konvent ist das Schwesternaltenheim "St. Marien", es besteht seit 1906. Über Jahrzehnte diente ein Gebäudekomplex Schwestern und Bewohnern der Umgebung als Krankenhaus. Um Patienten gut versorgen zu können, waren ausgebildete Fachkräfte notwendig. Darum entstand 1920 eine Krankenpflegeschule, die erste übrigens in Bayern. Das erklärt auch, weshalb hier ausgebildete Fachkräfte im Krankenhaus Forchheim tätig sein konnten.

Einsatz auch für Aids-Kranke

In Deutschland unterhalten die Mallersdorfer Niederlassungen an zehn weiteren Orten. In Rumänien betreut die Ordensgemeinschaft Kinder sowie arme und alte Menschen.

Seit 1955 sind die Franziskanerinnen in Südafrika tätig. Ihre Hauptsorge gilt Menschen, die von Aids betroffen sind. Darüber hinaus betreibt die Ordensgemeinschaft eine Schule und Kindergärten.

Näheres zum Wirken der Schwestern kann man der Hompage mallersdorfer-schwestern.de entnehmen.