Vor fünf Jahren starb der römisch-katholische Theologe und Autor Gerhard Boß im Alter von 89 Jahren in Ebermannstadt. Seine Werte und sein Engagement werden jedoch von den Mitgliedern seiner Stiftung, der Dr.-Gerhard-Boß-Stiftung, weitergeführt. Im Stiftungsvorstand tätig sind Alfons Galster, Peter Ehmann und Gerhard Habermann.

"Gerhard Boß ist in Nürnberg geboren, war aber in der ganzen Region bekannt, weil er zehn Jahre lang Rektor am Feuerstein war", erzählt Peter Ehmann. 1977 wurde Gerhard Boß zum Domkapitular gewählt. Sein besonderes Anliegen war die Ökumene.

"Er ist eine herausragende Persönlichkeit gewesen, und war sogar Studienkollege von Papst Benedikt. Aber hier in Ebermannstadt war er einfach ,der Prälat'", schwärmt Alfons Galster und zeigt Videos der Fernsehreihe "Credo", die vom Bayerischen Rundfunk produziert worden war. In denen gibt Gerhard Boß Erklärungen zu Themen wie Gebet, Ehe oder Glaube. Peter Ehmann erzählt, dass der Vater von Gerhard Boß evangelisch, die Mutter aber katholisch gewesen ist.

So wuchs der Junge mit gleich zwei Konfessionen auf. Nach dem Notabitur wurde er eingezogen und kam an die Front nach Russland. Hier erfroren ihm beide Beine - er bekam Prothesen.
"Er hatte es schwer danach, einen Studienplatz zu finden. Aber er gab nicht auf und studierte. Und das wollte er auch immer den anderen Menschen weitergeben: Egal, ob ihr behindert seid oder alt, habt Mut und haltet an euren Zielen und Visionen fest", erklärt Alfons Galster.


Selbstlos Gutes tun

Und so gründete Gerhard Boß 2004 im Alter von 80 Jahren seine Stiftung. Mit deren Geld sollen ältere und behinderte Menschen des Landkreises Forchheim, aber auch deren Helfer, unterstützt werden. "Es geht um Lebensqualität und Lebensfreude dieser Menschen", erläutert Alfons Galster und meint, dass die Gesellschaft erkennen solle, dass man auch den nahen Nächsten selbstlos etwas Gutes tun kann. Peter Ehmann berichtet, dass die Stiftung bisher bereits 44 000 Euro im Landkreis an alte, behinderte oder pflegebedürftige Menschen ausgeschüttet hat: "Man kann unkonventionell einen Antrag stellen, der dann geprüft wird."

Alfons Galster erzählt von einem jungen Paar mit einem schwerbehinderten Baby. Hier wurde Geld für besondere Windeln und Fahrtkosten gestellt. Einer Frau mit drei behinderten Kindern wurde für ein halbes Jahr finanzielle Hilfe für Reinigungen zur Verfügung gestellt. "Damit die Frau einfach ein wenig zu sich kommen konnte", erklärt Alfons Galster und erzählt weiter von einer schwerbehinderten Frau, die ihre Wohnung verlassen musste wegen Schimmelbefall.

Für ihre neue Wohnung wurde Kaution gestellt. "Wir haben hier im Landkreis bedürftige Menschen. Es gehört dazu, dass man Augen und Ohren aufmacht, um zu helfen", meint Alfons Galster. Zum Beispiel sollen Langzeitkranke auch einmal herauskommen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. "Da geben wir mal einem Ehrenamtlichen ein wenig Geld, damit er einen Rollstuhlfahrer spazieren fährt", berichtet Galster.


Unbürokratische Hilfe

Oder Mitarbeiter der Stiftung gehen mit bedürftigen Menschen in ein Restaurant zum Essen, damit diese auch einmal aus einer Speisekarte etwas auswählen dürfen. Auch hier: Lebensqualität und Lebensfreude schenken.
"Von Gerhard Boß haben wir gelernt, dass das Leben viel zu bieten hat, auch wenn man Gebrechen hat", sagt Peter Ehmann. Deshalb bietet die Stiftung unbürokratische Hilfe und vergibt zum Beispiel bauliche Zuschüsse, bildet Ehrenamtliche aus oder gibt Geld nach Bedarf im Einzelfall. Im Sinne von Gerhard Boß wird nicht nur geredet, sondern gehandelt.