Bei der geplanten Erweiterung des Schuhhauses Mücke auf dem Gelände des ehemaligen Teppichhauses Aro um 1460 auf 7754 Quadratmeter Verkaufsfläche hätten die Mitglieder des Bauausschusses die Wahl zwischen Pest und Cholera, formulierte Stadtrat Erwin Held (FW). Demgegenüber fand Bauamtsleiter Gerhard Zedler, dass die Stadt viel erreicht habe. Die Expansionspläne des Schuh-Giganten mit 14 Filialen in ganz Bayern könnten noch viel größer sein.

"Der könnte eines oder zwei Stockwerke auf die vorhandenen Gebäude draufsetzen, ohne dass wir das verhindern könnten", erklärte Zedler. Die beantragte Erweiterung sei das kleinere Übel, denn die bebaubare Fläche auf den drei Einzelgrundstücken addiere sich auf 9265 Quadratmeter. So würden nur 83 Prozent der Fläche ausgeschöpft.
Und der mittlerweile zur Ariston-Nord-West-Ring-Schuh-GmbH gehörende Schuh-Gigant mit einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro habe sich schriftlich verpflichtet, am Standort Forchheim nicht mehr zu erweitern.


Begrenzter Spielraum

Reinhold Otzelberger (SPD) bekräftigte, dass der Gestaltungsspielraum in dieser Angelegenheit sehr begrenzt sei. Es gehe nur darum, einer Zusammenlegung der Handelsflächen zuzustimmen oder auf einzelnen Geschäften zu bestehen. Auch Holger Lehnard (CSU) fand, dass faktisch herausgeholt wurde, was herauszuholen war. Er wünschte sich allerdings gestalterische Verbesserungen. "So etwas ist immer wünschenswert. Da muss man reden mit ihm", pflichtete Otzelberger bei.

Ganz anders Sebastian Körber (FDP). Er verwies auf die Leerstands-Problematik in der Innenstadt und die Dimensionen des Bauantrages. "Die Verkaufsfläche, die hier entsteht, das ist die komplette Hauptstraße rauf und runter, auf beiden Seiten", gab Körber zu bedenken.
 


Vorgaben machen

Aufgabe des Bauausschusses sei es, Vorgaben zu machen. Angesichts des für die Innenstadt relevanten Sortiments gelte es jetzt Einfluss zu nehmen. "Weil mir meine Stadt am Herzen liegt", argumentierte Körber. Er monierte die zu geringe Zahl der Parkplätze ("viele der eingezeichneten Stellflächen funktionieren nicht"), den zu geringen Grünflächenanteil und ein mangelhaftes Brandschutzkonzept. Deshalb sei die Vorlage nicht zustimmungsfähig.

Ein wenig in diese Richtung argumentierte auch Albert Dorn (SPD), zeigte sich aber zurückhaltend. "Ich bin immer noch nicht sicher, ob wir durch entsprechende Auflagen etwas aufhalten können. Gibt es eine Möglichkeit, dass durch die Summe von Auflagen das Vorhaben für den Bauherrn finanziell uninteressant wird?", wollte Dorn wissen. Bisher fühle er sich noch ein wenig zwischen den Stühlen. "Ich kann mich nur auf die Aussage eines qualifizierten Rechtsrates verlassen", sagte Dorn.

Stadtrat Thomas Werner (CSU) beteuerte, dass die Innenstadt fraktionsübergreifend allen am Herzen liege. Angesichts der Tatsachen bleibe aber nichts übrig, als mit Bauchgrimmen zuzustimmen. "Ich befürworte das Vorhaben mit einer geballten Faust in der Tasche", verdeutlichte Werner.


Stimmung geht steil bergab

Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Forchheim, Michael Csepai, dem Rederecht eingeräumt wurde, zitierte aus der jüngsten Sitzung der Gewerbetreibenden. Die Zustimmung zu der Erweiterung des Schuhhauses sei das Schlechteste,was man für die Innenstadt tun könne. Die Stimmung gehe steil bergab. Es gelte, jeden Strohhalm zu ergreifen, um das Vorhaben hinauszuzögern. Und Sebastian Körber ergänzte: "Wir müssen die Stadt jetzt gestalten." Dazu bedürfe es manchmal aber mehr als nur einer geballten Faust. "Da braucht es auch einen Arsch in der Hose", ließ Körber nicht an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Geholfen hat dieser Appell aber wenig.
Gegen die Stimmen von Erwin Held und Sebastian Körber wurde der Bauantrag des Schuhhauses Mücke gebilligt.