Die ersten vier Stolpersteine in Forchheim werden verlegt vor dem Anwesen Paradeplatz 4 für Emma Rosalie Braun und Ilse Cilly Israel und vor dem Anwesen Klosterstraße 13 für Gottlieb und Rosa Braun. Ihr Wissen über die vier deportierten Forchheimer jüdischen Glaubens werden Schüler der Ritter-von-Traitteur-Schule (RVT) dabei vortragen.

Sie, insbesondere die achten Klassen haben sich intensiv mit diesem lokalgeschichtlichen Thema befasst. Im Geschichtsunterricht und als Projekte in Religion und Ethik trugen sie wesentliche Fakten für Forchheims jüdische Mitbürger zusammen. Bei einem Gang zu deren Häusern wurde ihnen bewusst, "dass das welche von uns waren", berichtete Schülersprecherin Julia Ciftci den Organisatoren der Stolpersteinverlegung vom Netzwerk Respekt und Toleranz. Dieser Vereinigung gehören neben den beiden Kirchen das Bündnis gegen Rechtsextremismus "Bunt statt braun" und das "Bündnis gegen Extremismus jeder Art" ("Bügex") an.

"Im Geschichtsunterricht nimmt man es nicht so wahr, aber jetzt ist das anders", sind sich die Schülersprecher sicher. Man spürt die Betroffenheit, versichert Vertrauenslehrerin Seyran Reyhan.
Mit dem Historiker Rolf Kießling erarbeiteten die Schüler die einzelnen Lebensläufe.


Die Jüngste war 30

"Ilse Cilly war mit 30 Jahren die Jüngste, die aus Forchheim deportiert wurde", nennt als Beispiel Schülersprecherin Madeleine Haller. Besonders berührt hat sie, dass deren Tante Emma Rosalie am 27. November 1941 noch bleiben durfte, weil sie ihre schwer kranke, greise Mutter Karolina pflegte. Die starb im Februar 1942 und einen Monat später wurde auch die Tochter abgeholt.

Reyhans Absicht, Geschichte für Schüler greifbar zu machen, ist offenbar aufgegangen. "Sie sind sehr stolz darauf, denn den Paradeplatz kennen alle und sie wissen nun, das waren Forchheimer Menschen." Für Reyhan und ihren Kollegen Frank Welz ist es ein Beitrag, den Titel "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" zu leben.


Negative Erfahrung

Das Engagement der Schule rührt allerdings aus einer negativen Erfahrung her. Vor einiger Zeit besuchten die Schüler die Ausstellung gegen Fremdenfeindlichkeit, die das Netzwerk "Respekt und Toleranz" in die Forchheimer Rathaushallen geholt hatte. Dabei äußerten drei Schüler rechtsextreme Positionen, wie es Huber bei der anschließende Diskussion mit den Schülern erlebte.

Mit vier Steinen für die Mitglieder der Familie Braun beginnt es in diesem Jahr. In vier oder fünf Schritten sollen Stolpersteine für alle Forchheimer verlegt werden, die durch die Nazis in Todeslager deportiert wurden. "Erinnerungskultur ist wichtig, damit es nicht noch einmal passiert", erläuterte Udo Schönfelder von "Bügex".

"Eine Zukunft der Verantwortung" sieht Ludwig Preusch ("Bunt statt braun") angesichts von Versuchen, solche Erinnerungsinitiativen totzumachen.

Sind Stolpersteine der richtige Weg? Die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, möchte nicht, dass man über die Toten trampelt. Anders sieht das, so wusste Emmerich Huber persönlich von einer Verlegung in Bamberg, die Familie eines Umgekommenen: "Die Leute steigen darauf, aber sie sehen es sich auch an", äußerte damals der Enkel. So sehen das auch die Schüler: "Klar läuft man vorbei, aber man schaut sie auch an und liest und reagiert", formuliert es Ciftci. Deshalb haben die RVT-Schüler auch zugesagt, als Steinpaten zu fungieren und nach dem Rechten zu sehen, wenn sie dort fast täglich vorbeikommen.