Seit einigen Tagen rollt der Bagger wieder. Ob die Straße noch vor Wintereinbruch asphaltiert wird, ist aufgrund der zeitlichen Verzögerung allerdings immer noch fraglich. Vor drei Wochen legte die Baufirma alle Arbeiten nieder. Der Grund dafür war ein heilloses Durcheinander, das zu unbezahlten Rechnungen führte.
"Der Hauptfehler wurde bei der Baufirma gemacht, was zu Differenzen beim Amt für Ländliche Entwicklung, beim Verband für Ländliche Entwicklung und bei der Stadt führte", erklärt Günther Eichler.
Er ist für den zweiten Bauabschnitt der Dorferneuerung in Sollenberg der örtliche Beauftragte der Stadt Gräfenberg und einer der sechs Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft für die Dorferneuerung.

Diese Erneuerung wurde noch vor der Gebietsreform beschlossen und war als Bestandteil des Eingemeindungsvertrages mit der Stadt Gräfenberg festgeschrieben worden. Am 4. April 2016 wurde der zweite Bauabschnitt eröffnet: Von der Straße vom Dorfplatz und dem Milchhäuschen bis zum "Dreieck". Das war eine mit Heckenpflanzen eingerahmte Grünfläche in Form eines Dreiecks, mit einer Linde in der Mitte des Platzes.


Ärger mit der Telekom

Dort wurde zunächst die 106 Jahre alte Wasserleitung durch die Betzensteingruppe erneuert und die Stromleitungen von Eon unterirdisch verlegt. Nur die Telekom weigerte sich, auch die Telefonleitungen zu erneuern. Von "Papierleitungen", teils maroden Leitungen sprach die ausführende Baufirma.

Eine von der Telekom schließlich getroffene Zusage wurde revidiert. Schließlich begann der eigentliche Straßenbau. Der Oberbau wurde abgegraben und eine sogenannte "Homburger Kante" als Straßenbegrenzung angebracht. "Auf Gehwege wurde bewusst verzichtet, um Grünflächen ins Dorf zu bringen", erklärt Eichler. Auch Blumenbeete vor den Grundstücken der Häuser sollen das Dorf attraktiver machen. Eine Straße wurde aufgelassen und durch schlängelndes Weglein ersetzt, aufgefüllt und mit einem Schotterrasen versehen.

Das wird Grün und kann trotzdem befahren werden. Doch dann begann der Ärger. "Vieles hätte sich schon im Vorfeld klären lassen", findet Eichler. Zunächst war es der Verband für Ländliche Entwicklung, der bei Durchsicht der Rechnungsstellung seitens der ausführenden Baufirma Unklarheiten feststellte. Nicht nach ausgeschriebenen Leistungsverzeichnis sei abgerechnet worden, war deren Meinung und man strich die Rechnung zusammen.


Fehler schaffen Durcheinander

Dann setzte das Amt für Ländliche Entwicklung nochmals den Rotstift an. Aber es passierten noch mehr Fehler, wie Eichler aufzählte. Teils wurden von der Firma Rechnungen an die falschen Abteilungen geschickt - beispielsweise die Wasserrechnung an die Stadt. Schließlich blieben falsch adressierte Rechnungen erst einmal liegen. Kurzum: Es war ein Durcheinander. Die Firma wartete auf ihr Geld und stelle ein Ultimatum.

Die Bürger warteten angesichts der fortschreitenden Zeit auf ein Fortführen der Baumaßnahmen. In der letzten Oktoberwoche sollte eigentlich asphaltiert werden. Mittlerweile steht auch der Wintereinbruch bevor. Doch selbst als die Bauarbeiter die Baustelle am Sollenberger "Dreieck" verlassen hatten, passierte zunächst nichts.
"Die Bürger waren die Leidtragenden. Sie konnten aber nichts für diesen Zustand", erklärt Eichler, der aktiv wurde und E-Mails an alle Beteiligten verschickte - an das Amt, den Verband, die Stadt. Eichler wurde daraufhin enger mit einbezogen, nahm bei Treffen am Runden Tisch teil, in dem der Papierkram sortiert wurde. "Bürgermeister Nekolla bemühte sich sehr, dass es weitergeht", lobt Eichler. Am zweiten November kam die ersehnte Mail, dass die Arbeiten fortgeführt werden. Auch er bekam während der Zeit des Stillstands den Unmut der Bevölkerung und deren Sorgen zu hören.

In diesem Zuge betont er, dass seine Arbeit wie die Arbeit der anderen fünf Vorsitzenden unentgeltlich ist. Die neun Euro Stundenvergütung werden, dafür haben Eichler und die anderen Vorsitzenden unterschrieben, zu 100 Prozent dem Dorf zugute kommen. Ob von dem Geld ein Spielgerät oder eine Sitzbank gekauft wird, darüber habe man sich noch keine Gedanken gemacht.
Kopfzerbrechen bereitet derzeit derzeit eher das Wetter. Eichler bleibt optimistisch, dass trotz der dreiwöchigen Verzögerung der Asphalt noch vor den ersten Schneeflocken trocken wird.