An Baulücken und Bauland mangelt es nicht in Forchheim. Dennoch bewegt sich im Wohnungsbau kaum was. Der Frust darüber entlud sich am Dienstag im Planungs- und Umweltausschuss.
René Franz, Chef der Stadt- und Verkehrsplanung, stellte dem Ausschuss ein neues Planungsinstrument vor, den sogenannten "Fachplan Wohnen". Er bietet die Möglichkeit, neue Baugebiete zu entwickeln, ohne den gesamten Flächennutzungsplan ändern zu müssen, was bis zu zehn Jahre dauern könnte.

Wöchentlich gebe es Anfragen. Die Zahl der Familien, die das Baulandmodell in Anspruch nehmen wollen und in der Warteschleife sind, bezifferte Franz auf 79. Gleichzeitig seien neue Wohnungen in der Innenstadt bei Quadratmeterpreisen zwischen 3000 und 4000 Euro für die meisten nicht bezahlbar. "Das führt zur Landflucht", warnte Franz. Und dazu, dass eine Gemeinde wie Hallerndorf im Vergleich zu Forchheim 27 Prozent mehr Wachstum habe.


400 Lücken

Die Hoffnung, Baulücken zu schließen und so die Wohnraum-Not zu lindern, hat sich vorerst zerschlagen. Gerhard Bauer, der das Sachgebiet Geodatenverwaltung leitet, berichtete von seinen Recherchen bei den Eigentümern. 142 Baulücken gebe es alleine in der Innenstadt, im gesamten Stadtgebiet sind es 400. Zusammen sind das "27,7 Hektar Bauland, das sofort bebaubar ist", sagte Gerhard Bauer.

Die "fränkische Mentalität" sieht Franz Lehnard (CSU) als einen Grund, weshalb die Leute ihre Grundstücke nicht hergeben. Nur 3,3 von möglichen 50 Hektar seien in Forchheim seit 2011 bebaut worden. Aber auch die Niedrigzinsphase, so Manfred Hümmer (FW), verhindere, dass Bauland zu Geld gemacht werde.

Der Fachplan Wohnen (der am Ende gegen Stimmen der Grünen und des SPD-Rates Uwe Kirschstein beschlossen wurde) soll die Rettung bringen. 19 Wohngebiete werden gleichzeitig untersucht. Dass der Plan auch die Nachverdichtung am Weingartssteig vorsieht und bislang unangetastete Grünflächen zu Bauland machen will ("Beim Heiligen Graben" in Burk zum Beispiel), das brachte die Grünen in Rage. FGL-Rätin Annette Prechtel wiederum brachte Manfred Hümmer (FW) "in Wallung", weil sie das Bauland in Kersbach als "ökologisch weniger wertvolle Fläche" bezeichnete und vorschlug, vor allem dort aktiv zu werden; 600 Bauplätze könnten geschaffen und zugleich die Infrastruktur des Ortes aufgemöbelt werden.
Der Verkehr in Kersbach habe laut eines aktuellen Gutachtens schon jetzt "dramatisch zugenommen", warnte Hümmer davor, das Baugeschäft in Kersbach zu "überheizen". Der Ort habe nicht die Infrastruktur für plötzliches Wachstum, er könne nur "organisch wachsen".

Für die beiden großen Baugebiete Stampfäcker und Point äcker in Kersbach sei vor allem der Lärmschutz nicht gelöst, betonte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO): "Der Ort ist extrem vom Lärm belastet und selbst ein 13 Meter hoher Schutzwall würde eine Bebauung rechtlich nicht zulassen."


Kirschstein erbost Stumpf

Uwe Kirschstein (SPD) vertrat die These, dass das Baulandmodell die Baupolitik bremse. Beispiel Burk: Weil sich ein einzelner Grundbesitzer weigert, geht nichts voran. OB Stumpf hält es für "intelligent", auf die Zwangsumlegung zu verzichten. Für Kirschstein ist die "Freiwilligkeit" des Modells ein Grund, den Fachplan Wohnen abzulehnen. Das erboste Stumpf: "Sie wollen die Leistung der CSU runterreden, Ihnen geht es nicht um die Sache."
Das war einer von vielen Vorwürfen, die zu hören waren. Annette Prechtel sagte zu Stadt-Planer René Franz, dass es ihr "graut", wenn Flächen im Fachplan Wohnen auftauchen, "die Forchheim lebens- und liebenswert machen". In Richtung CSU merkte Prechtel an, dass "vergleichen unglücklich macht" und dass es "überhaupt nicht positiv ist, wenn andere Gemeinden mehr Flächen verbrauchen". Manfred Hümmer warf Annette Prechtel eine "ökologische Grundsatz-Ideologie" vor; sie mute den Bürgern in Kersbach genau den Verkehr und Lärm zu, den sie anderorts vermeiden wolle. Hümmer: "So werden Stadtteile gegeneinander ausgespielt."


Dittrich warnt vor Wettbewerb

Sebastian Körber (FDP) warf allen, die Bedenken äußerten, vor, sie diskutierten mit "destruktiven Gedankengut und verhindern bezahlbares Wohnen". Nachdem Körber "Vollgas" beim Bauen gefordert hatte, hielt ihm Sabine Dittrich (FGL) Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Denken vor. Körber sei sich nicht bewusst, dass die Politik "Verantwortung für alle" tragen müsse. Die FGL-Rätin warnte davor, im Wohnungsbau einen Wettbewerb zu entfachen: "Den können wir nicht gewinnen, auch deshalb nicht, weil wir die meisten Flächen schon mit Gewerbe belegt haben."