In Bamberg oder Bayreuth schlägt der "Europäische Pulsschlag" schon vernehmbar. Jetzt soll auch in Forchheim eine Bewegung für Europa entstehen. Die Idee dazu hatte der 64-jährige Rechtsanwalt Emmerich Huber, der seit fünf Jahren in Forchheim lebt und sich auch sonst in gesellschaftspolitischen Bezügen ehrenamtlich engagiert. Er ist von der Bewegung "Pulse of Europe" begeistert.

"Ich finde die Idee einfach toll, Werbung zu machen für ein vereintes und friedliches Europa. Denn die Grundidee ist Frieden und der überwindet Nationalismus", meint Huber.
Es sei gerade in der aktuellen Zeit, in der es so viele Menschen gebe, die negative Einstellungen und Skepsis gegen Europa hegten, wichtig, für Europa auf die Straße zu gehen. "Europafeindlichkeit finde ich erbärmlich", sagt Emmerich Huber.

Er habe den Eindruck, dass sich viele Politiker nur deshalb negativ über Europa äußern, weil sie meinten, sich damit bei, Wähler beliebt zu machen. Huber möchte beweisen, dass dem nicht so ist. Ihm selbst habe sein Großvater noch beigebracht, dass "die Franzosen" Erbfeinde seien. "Irgendwann habe ich angefangen mich gegen solche pauschalen Aussagen zu wehren, denn wer sind denn ,die Franzosen' oder ,die Deutschen'? Die gibt es doch gar nicht. Verallgemeinerungen sind mir sowas von zuwider", schimpft der Rechtsanwalt. Als er eine "Pulse of Europe"-Aktion in Bayreuth besucht hatte, kam er auf den Gedanken, dass eine solche Bewegung auch Forchheim gut anstehen könnte.


Zu groß für Forchheim

Also schrieb er 70 Bekannte an und nahm sich das Folgende vor: Wenn sich innerhalb von 24 Stunden zehn Leute melden, dann würde er versuchen, eine solche Aktion zu organisieren.

"Ich bekam sogar 15 Antworten. Wobei eine negativ war", erzählt Emmerich Huber. Ein Antwortender argwöhnte nämlich, Forchheim könnte zu klein für eine solche Veranstaltung sein. Das sieht Huber, der auch Vorsitzender der Grünen in Forchheim ist, anders. Deshalb nahm er auch Kontakt zu Vertretern anderer Parteien auf. Denn er ist tief überzeugt davon, dass man eine solche Bewegung nur gemeinsam im Schulterschluss durchführen kann.
Huber berichtet, dass er von der SPD und den Freien Wählern bereits positive Resonanz erhalten habe. Unterstützt wird er von Wilmya Zimmermann, einer ein Poxdorf lebenden Niederländerin, die zwischen 1994 und 1999 für die deutsche SPD schon im Europaparlament saß. "Ich muss meine Nationalität nicht ändern, denn ich bin überzeugte Europäerin", sagt Wilmya Zimmermann. Sie findet es gut, dass die Menschen auf die Straße gehen wollen, um zu zeigen, dass auch sie sich als Europäer sehen "und dafür werben, dass wir weiter so leben können wie bisher".

Die erste Veranstaltung soll am Sonntag, 7. Mai, um 14 Uhr stattfinden. Emmerich Huber hofft nun, dass die Stadt eine Kundgebung vor dem Rathaus erlaubt.


Eine Stunde lang

Huber kauft persönlich eine Lautsprecheranlage, denn er möchte zu jeder Veranstaltung - geplant ist bis zum Herbst jeden Sonntag ein einstündiges Event - einen Prominenten einladen. Dieser den Teilnehmern soll berichten, warum er für Europa ist. Bei der ersten Veranstaltung wird voraussichtlich die Grünen-Landtagsabgeordnete Ulrike Gote sprechen. Die restliche Zeit gehört den Menschen, die als Teilnehmer gekommen sind. Jeder kann hier zu Wort kommen. Es wird einen Moderator geben, ansonsten aber kann über Zukunft und Vergangenheit gesprochen werden.

Beispielsweise darüber, dass es früher Grenzen gab. "Ich möchte nicht, dass jemand kommt, um einem Redner zuzuhören. Es geht darum, da zu sein und sich, wenn man mag, zu äußern. Für mich ist das ein Test, wie die schweigende Mehrheit aus Forchheim so ist", erklärt Huber. Er ist gespannt, ob auch in Forchheim eine Bewegung entsteht.