Wer muss für die Entfernung von Gespinstnestern des Eichenprozessionsspinners aufkommen, wenn die Schädlinge private Grundstücke befallen? Mit dieser Frage setzte sich vergangene Woche das Verwaltungsgericht Bayreuth auseinander. 2018 hatte die Verwaltungsgemeinschaft Gosberg für die Entfernung von Nestern auf einem Privatgrundstück circa 5000 Euro ausgegeben. Der Schritt wurde unternommen, weil die befallenen Bäume direkt an eine Schule grenzten.

Die Grundstückseigentümerin muss nun befürchten, dass die Kommune die angefallenen Kosten von ihr zurückfordern wird und reichte daher Klage ein. 

Urteil mit "Signalcharakter": Baumbesitzer könnten Eichen aus Angst vor Kosten fällen

Die Kammer des Verwaltungsgerichts wies ihre Klage allerdings ab. Dieses Urteil hat für Bernd Söhnlein, Anwalt der Klägerin, Signalcharakter. Die Bäume seiner Mandanten seien mittlerweile gefällt worden. "Sie können diese Kosten nicht jedes Jahr tragen", erklärt er. Söhnlein fürchtet, dass weitere Baumbesitzer dem Beispiel folgen könnten: "Aus Angst vor anfallenden Kosten könnten Eigentümer ihre Eichen fällen, das wäre eine Katastrophe für das Stadtklima und die Natur."

Der Kreis Forchheim leidet seit Jahren unter dem wiederkehrenden Befall des Prozessionsspinners. Das Problem: Die Brennhaare der Raupen können schwere allergischen Reaktionen hervorrufen. Selbst nach ihrer Entwicklung zum Falter bleiben die Raupenhärchen im Nest zurück. Mit einem Windstoß können sie so durch die Luft über Grundstücksgrenzen hinweg transportiert werden. In der Region Forchheim wird deshalb schon seit Monaten gegen die Eichenprozessionsspinner vorgegangen.