Bereits in den 60er-Jahren stellte der Marktgemeinderat von Neunkirchen am Brand fest, dass eine Westumgehung des Ortes "dringend notwendig" sei. Als Dringlichkeit 1R (für Reserve) war das Vorhaben 2001 aufgenommen worden. 2010 wurde der Vorentwurf genehmigt. Das Staatliche Straßenbauamt Bamberg hat nun den Plan erstellt für die Ortsumgehung.

Seit 16. Januar läuft das öffentliche Anhörungsverfahren zur geplanten Westumfahrung von Neunkirchen am Brand. Die Regierung von Oberfranken hat die Auslegung auf Antrag des Staatlichen Bauamtes Bamberg für das Vorhaben eingeleitet.

Gegen das Vorhaben stemmt sich ein Bündnis, darin die Bürgerinitiative für ein modernes, umwelt- und verkehrsbewusstes Neunkirchen am Brand (BI Munk), die Interessengemeinschaft der Landwirte Ebersbach, die Bürgerinitiative Umweltverträgliche Mobilität im Schwabachtal (BI Umis), der Landesbund für Vogelschutz und der Bund Naturschutz.

Aber es gibt auch viele Befürworter, allen voran die Neunkirchner Gemeinderatsfraktionen von CSU, SPD und FWG, die sich für eine Verkehrsberuhigung im Ortskern stark machen, sowie die Bürgerinitiative "Pro Westumgehung für Neunkirchen am Brand". Bei einem Bürgerentscheid vom 14. Juli 2013 stimmte eine Mehrheit von knapp 59 Prozent der Bürger dafür, dass die Gemeinde 110 000 Euro für ein vorgezogenes Planfeststellungsverfahren für eine Westumgehung ausgibt.

Bis zum 17. Februar liegen nun die Pläne noch im Rathaus aus. Einwendungen können Bürger bis zum 2. März vorbringen.

Der geplante Trassenverlauf: Vom Norden aus Effeltrich kommend verläuft die Westumgehung nach der Abzweigung Ebersbach, umfährt Neunkirchen im Westen und schließt zwischen Neunkirchen und Dormitz an die Staatsstraße an.

Eine Zählung von 2010 nennt täglich 5600 Fahrzeuge von Effeltrich kommend, 9300 Fahrzeuge im Ortsbereich Neunkirchens und danach noch 9000 Fahrzeuge. Innerorts wäre eine Entlastung durch die drei schmalen Tore, an denen die Durchfahrtsmöglichkeiten beschränkt sind, nicht realisierbar gewesen. Eine Hochrechnung der täglich fahrenden Autos für 2030 nennt bis zu 11 500 Fahrzeuge täglich im Ortsbereich.


Pro Umgehung

Argumente für die Umgehung bringt Mario Hemmerlein, Sprecher der Bürgerinitiative Pro Westumgehung Neunkirchen, wie folgt vor:

"Nun liegt die Planung der Westumgehung auf dem Tisch. Rund 770 Seiten führen auf, warum sie notwendig ist. Mit umfangreichen Maßnahmen wird der Eingriff in die Natur gering gehalten und mit Renaturierung ausgeglichen (ca. 340 Seiten Naturschutz!). Leider wird wieder mit falschen Behauptungen Stimmung gegen das Projekt gemacht. Die aufgezeigten Fakten sprechen klar für eine Realisierung der Westumgehung. Fakt ist, die Verkehrssituation in Neunkirchen ist bereits heute untragbar und dies wird sich die nächsten Jahre noch verschlimmern. Täglich werden Fußgänger und Radfahrer gefährdet. Insbesondere Kindern und älteren Menschen ist das Risiko nicht länger zuzumuten. Alternativen zur Umgehungsstraße wurden immer wieder diskutiert und bereits mehrfach aus gutem Grund verworfen.

Der Straßenverkehr (Fahrzeuge pro Tag) am Zählpunkt Forchheimer Straße steigt im weiter an (1970: 1354 / 1980: 2591 / 1990: 3579 / 2000: 5.158 / 2010: 5585 / 2013: 5700 / 2030: 6500). Eine angebliche Verkehrsabnahme, wie von den Gegnern behauptet, ist eine Falschbehauptung.

Durch die Westumgehung wird sich der Verkehr im Ort um bis zu 81 Prozent reduzieren. Vor allem der LKW-Verkehr wird aus dem Ort herausverlagert. Dies bedeutet eine deutliche Reduzierung von Lärm, Vibrationen und Schadstoffen und bringt ein hohes Plus an Sicherheit und Lebensqualität. Besonders der Innenort kann dann endlich attraktiv umgestaltet werden. Die Beispiele Staffelstein und Heroldsberg zeigen, wie dank Umgehungsstraßen die Ortskern attraktiv gestaltet werden konnten - und neue Geschäfte kamen.
Der Straßenverkehr wird mit und ohne die Westumgehung immer weiter zunehmen, was die Verkehrszählungen und die Prognose bis 2030 belegen. Wo also sollte dieser Anstieg künftig eher geschehen - außerhalb des Ortes oder mitten im Ort mit drei Metern Abstand zwischen Bett und Auspuff?

Für Zugang zu den Naherholungsgebieten wird es drei Unter-/Überführungen geben. Die Erfahrung mit der Südumgehung zeigt, dass sich die Menschen damit sehr gut arrangiert haben. Auch der Wildwechsel ist dank vieler Tunneldurchlässe weiterhin gesichert.

Im Gegensatz zur Vorplanung wurde die Trasse der Westumgehung in der Planfeststellung so optimiert, dass noch weniger Ackerflächen in Anspruch genommen werden müssen. Es wird zudem umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen geben. Für die Bürger aus Ebersbach ist es auch weiterhin möglich Rosenbach über den nördlichen Kreisverkehr zu erreichen.

Auch der Hochwasserschutz wird in den Planfeststellungsunterlagen ausführlich thematisiert. Dabei haben sich die Planer mit dem gleichen Ingenieurbüro abgestimmt, das bereits die Planung für den Hochwasserschutz für ein hundertjähriges Hochwasser in Neunkirchen durchführt. Somit wurden alle Belange der Marktgemeinde berücksichtigt. Im Bereich des Tiefbrunnens fünf wird der Unterbau der Westumgehung mit Schutzmaßnahmen versehen, durch die Flüssigkeiten bei Unfällen nicht ins Erdreich gelangen können. Die Sicherheit des Wassers ist also jederzeit garantiert. Entscheidend ist, dass es 2013 einen Bürgerentscheid zur Kostenbeteiligung Neunkirchens an der Planung gab. Hier haben sich die Bürger klar für die Westumgehung ausgesprochen."

Soweit Mario Hemmerlein


Contra Umgehung

Argumente gegen die Umgehung bringt Bernhard Birnfeld, Ortsvorsitzender Bund
Naturschutz Neunkirchen,wie folgt vor:

"Für uns sind die Pläne ein Alptraum. Von Dormitz kommend würde die Staatsstraße 2243 auf einem vier Meter hohen Damm am Ort vorbei und auf neun Metern Höhe durch das idyllische Ebersbachtal geführt. Mit einem zehn Meter tiefen Einschnitt würde sie dann auf die Hochebene des Gries zur heutigen Straße nach Effeltrich führen.
Die geplante Trasse führt durch ein landschaftlich wertvolles und naturschutzrechtlich bedeutendes Gebiet. Auf der Länge von 3,1 km sind nur zwei Unterführungen (am Erleinhof und Ebersbach) sowie eine Brücke auf dem Gries vorgesehen. Fußwege vom Tennenbachweg und Ebersbacher Weg in den Wald würden künftig an der Trasse enden. So wäre nicht nur die direkte Naherholung, sondern auch der Zugang zu den dahinter liegenden Gebieten stark beeinträchtigt. Sogar die Schutzzone zwei eines der drei im Nordwesten gelegenen Trinkwasserbrunnens müsste gequert werden. Durch die unmittelbare Nähe der Trasse zu drei Brunnen ist etwa die Hälfte der Trinkwasserversorgung von Neunkirchen gefährdet. Unabhängig davon, dass mit Öl oder Benzin verschmutztes Straßenabwasser im Umfeld der Brunnen abgeleitet werden müsste, werden Abgase das Wasserschutzgebiet belasten. Überdies erzwingt der Trassenverlauf mitten durch die drei Brunnen einen Damm-Konstruktion mit Abdichtungsunterbau.

Den gravierenden Landverlust von über 16 Hektar oder 23 Fußballfeldern führen die 60 Landwirte aus Ebersbach, Hetzles, Erleinhof und Rosenbach, die sich massiv gegen die Trasse wehren, ins Feld. Etliche Landwirte sehen ihr Existenz bedroht. Die Trasse ist unnötig, weil seit 2005 die Zahlen auch im Schwerverkehr stagnierend bis rückläufig sind. Die Umgehungsstraße für zehn Millionen Euro plus x würde für maximal hundert Schwerlastfahrzeuge über 7,5 Tonnen täglich gebaut. Dafür würden die Erleinhofer Straße (Rosenbach) und Erlanger Straße gekappt. Der Busverkehr und die freizuhaltende Trasse der Stadt-Umland-Bahn sind nicht berücksichtigt. Zudem würden 75 Prozent des als störend empfundenen LKW-Verkehrs bleiben, denn der Ziel- und Quellverkehr ist unvermeidbar.

Auch wenn ein Teil des Verkehrs auf die Umfahrung gelenkt würde führt dies nicht zwangsläufig zu mehr Sicherheit. Statt der Umgehung sollte die Innerorts-Umfahrung, der Straßenzug Henkersteg-Erleinhofer-Friedhofstraße-Forchheimer Straße verbessert, geschwindigkeits-reduziert und sicherer gestaltet werden. Hier müssen Sicherheitsmaßnahmen wie ein Kreisverkehr an der Erlanger Straße, Henkersteg und gesicherte Überwege für Schulkinder und Tempolimit mit entsprechender Kontrolle gebaut werden. Ohne Fokussierung auf die Umfahrung hätten diese Maßnahmen schon lange realisiert werden können.

Die Belastung der Friedhofstraße liegt mit 4200 Fahrzeugen pro Tag im Bereich der zumutbaren Belastung einer Zubringer-Siedlungsstraße. Mit einer für diesen Verkehr ausgelegten Oberfläche, saniertem Kanal sowie angepasster Verkehrsführung am Forchheimer Tor könnte diese Trasse deutlich besser gestaltet werden als in den letzten 40 Jahren den Anwohnern zugemutet wurde. Wir hoffen, dass viele Bürger Einwendungen gegen die Westumgehung schreiben. Die Einwendungen müssen bis 2. März bei der Gemeindeverwaltung vorliegen."

Soweit Bernhard Birnfeld.


Termine

Am Mittwoch, 8. Februar, findet um 18 Uhr in der Turnhalle der Grundschule eine Info-Veranstaltung der Marktgemeinde statt. Das Staatliche Bauamt wird die Planung vorstellen und Fragen beantworten. Die Planungen liegen aus und können eingesehen werden.

Ein Aktionstag der BI Munk im Ebersbachtal findet am Sonntag, 12. Februar, von 13 bis 17 Uhr statt.