Nicht nur die Betreuungsplätze in Forchheim sind knapp, sondern auch die Suche nach Erziehern und Kinderpflegern gestaltet sich schwierig. Ob sie ihre Berufswahl jemals bereut hat? "Nein", sagt Sandra Amon, Leiterin der Kita Sattlertor, sofort. Seit 27 Jahren arbeitet sie als Erzieherin, seit 19 Jahren als Kita-Leiterin. "Ich würde es immer wieder machen", sagt sie und lächelt.

Wer sich für den Erzieher-Beruf entscheidet, habe sich das schließlich gut überlegt: Manchmal Lärm, oft Konflikte und immer eine enorme Verantwortung. Aber auch: Kinderlachen, Lesestunden und Spielezeit. "Junge Menschen können sich auf einen abwechslungsreichen, vielseitigen, fordernden und niemals langweiligen Beruf freuen", sagt Amon.

Doch die Kita-Lage in Forchheim ist angespannt, Betreuungsplätze sind Mangelware. "Die Aufgabe passende Gebäude zu finden, ist noch lösbar. Eine größere Herausforderung ist dagegen, passendes Personal zu finden", sagte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) im Mai, als im Gerhardinger Kinderhaus eine neue Gruppe eröffnet wurde.

Genügend Personal für die Kitas zu bekommen, ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Junge Berufseinsteiger gebe es durchaus, sagt Kita-Leiterin Amon. "Die Fachakademien bilden aus, es gibt Personal", sagt sie. Interesse am Beruf des Erziehers bestehe also, nur kann die immer schneller wachsende Nachfrage nach Betreuungsplätzen damit nicht abgedeckt werden. Das zeigen auch die Zahlen, die Jugendhilfeplaner Martin Hempfling vom Landratsamt Forchheim vorlegt. Haben 2009 noch 554 Personen in den Kitas im Landkreis gearbeitet, sind es 2019 948.

Deshalb ist mehr Personal nötig

Die Gründe, warum mehr Personal benötigt wird: Die Betreuungszeiten sind gestiegen. Sind früher viele Kinder nur halbtags in den Kindergarten gegangen, bleiben die meisten heute ganztags dort.

Außerdem beginnt die Betreuung in einem viel früheren Alter, immer mehr Kinder besuchen eine Krippe. Denn in immer mehr Familien sind beide Eltern berufstätig. "Der Bedarf wächst permanent durch die Berufstätigkeit der Mütter", sagt Gabriele Obenauf, Leiterin des Amtes für Jugend, Bildung, Sport und Soziales der Stadt Forchheim.

Die aktuelle Situation in den städtischen Einrichtungen zu Beginn des neuen Kiga-Jahres: "Wir haben das Personal komplett gehabt", sagt Obenauf. Kurzfristig seien dann aber zwei Stellen frei geworden, die jetzt nachbesetzt werden müssen. Genau solche Situationen stellen die Verwaltung immer wieder vor neue Herausforderungen. "Es gibt immer wieder Veränderungen, die man nicht steuern kann", sagt sie. Besonders schwierig sei die Personal-Suche, wenn eine Stelle unter dem laufenden Kita-Jahr nachbesetzt werden muss, etwa weil eine Erzieherin schwanger ist.

Fortbildung zum Erzieher

Wichtig sind für solche Fälle die zwei Springerkräfte, die in allen Kitas eingesetzt werden können. Mehr solcher Springerkräfte wären eine deutliche Erleichterung, meint Obenauf. Mit kurzfristigen Lösungen sollen weitere Erzieher angeworben werden. So können auch Kinderpfleger, die eine gewisse Berufserfahrung vorweisen, eine mehrmonatige Fortbildung zum Erzieher machen. "Das ist eine Reaktion, um Fachkräfte für den Markt zu akquirieren."

Der Anstellungsschlüssel reicht "hinten und vorne" nicht aus

Beim Landratsamt Forchheim sind die Verantwortlichen mit der angespannten Personalsituation in den Kitas vertraut. Ursula Fischer, Fachaufsicht für Kindertageseinrichtungen, jongliert täglich mit den Kita- und Personalzahlen. "Die Nachfrage nach pädagogischem Personal ist weiterhin sehr hoch und die Akquise gestaltet sich sehr schwierig", sagt Fischer.

Ein Beispiel: Im Juni habe der Landkreis eine Stelle für eine Kita ausgeschrieben, für die keine einzige Bewerbung eingetrudelt ist. Um welche Stelle und welche Einrichtung es sich dabei handelte, möchte Fischer nicht verraten. "Die Expansion der Kitas, speziell der Krippen, hat uns überrannt", sagt sie.

Quereinsteiger, Fachkräfteoffensive, neue Fachakademien: "Das sind Hilfsmaßnahmen, aber nicht das große Ganze", sagt Fischer. Eine bessere Bezahlung sei nötig und "ein längst überfälliges Signal".

Wie gut eine Betreuungseinrichtung mit Personal ausgestattet ist, hängt nicht zuletzt auch vom jeweiligen Träger ab. Generell gebe es durchaus Unterschiede zwischen den Trägern. So könnten Träger etwa Stellen für eine Schwangerschafts-Vertretung gleich unbefristet ausschreiben. Aus wirtschaftlicher Sicht seien das natürlich Mehrkosten, sagt Fischer.

Der Anstellungsschlüssel

Wie viel Personal in einer Kita nötig ist, ist im Anstellungsschlüssel genau festgelegt. Ausschlaggebend dafür sind unter anderem die Betreuungszeit der Kinder und der Gewichtungsfaktor, der einem Kind zugerechnet wird. Krippenkinder haben beispielsweise einen höheren Gewichtungsfaktor als Kindergartenkinder. Dieser Anstellungsschlüssel reiche aber "hinten und vorne" nicht aus, sagt Fischer. Über die Qualität der Betreuung würden solche Zahlen zudem nur wenig aussagen.

Die Kitas müssen bei der Personalplanung die Mindest-Standards erfüllen, können aber auch darüber hinausgehen. "Wenn man großzügig plant, ist das ein Qualitätsmerkmal", sagt Fischer. "Der Anstellungsschlüssel hat eine breite Streuung", sagt Fischer. Die Bezahlung des Personals sei bei den Trägern unterschiedlich, generell aber auf einem ähnlichen Niveau. So werden Erzieher, die in einer Einrichtung eines kommunalen Trägers angestellt sind, nach dem Tarif für den öffentlichen Dienst bezahlt. In Einrichtungen anderer Träger gibt es nicht immer einen Tarifvertrag. fr

So unterscheiden sich die Träger einer Kindertagesstätte

Träger Der Träger hat die Gesamtverantwortung für seine Kindertagesstätte: Er ist für den Bau der Kita zuständig, den Betrieb und die Betriebskosten sowie für Personal, Ausstattung der Räume und die Einhaltung aller gesetzlicher Vorschriften. Der Träger stellt das Personal ein und fungiert als Arbeitgeber. Der Träger setzt außerdem die Höhe der Elternbeiträge fest.

Öffentliche Viele Kitas werden aus öffentlichen Mitteln finanziert. Träger sind dann die jeweiligen Kommunen. Die Kommunen können die Trägerschaft auch an Dritte übertragen. Neben öffentlichen Trägern gibt es deshalb auch eine Vielzahl gemeinnütziger oder privatwirtschaftlicher Organisationen, die als Träger von Kindertagesstätten fungieren.

Freie Als freie Träger sind vor allem Wohlfahrtsverbände (z.B. Awo, Rote Kreuz), Vereine, Elterninitiativen und kirchliche Träger (z.B. Diakonie, Caritas) zu verstehen. Sie leisten einen finanziellen Eigenanteil, die Kitas werden aber durch staatliche Gelder bezuschusst.

Private Neben gemeinnützigen Trägern gibt es noch eine weitere Gruppe nicht-öffentlicher Träger: private, kommerzielle Anbieter, die von der öffentlichen Bezuschussung ausgeschlossen sind.

Quelle: www.kita-vergleich.comfr